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Woidke: Viele Agrarbetriebe in Existenznot

Potsdam . Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) sieht durch die Wirtschaftskrise die Existenz vieler märkischer Landwirte bedroht. Wegen wegbrechender Märkte und einem anhaltenden Preisverfall sei die "dramatische" Lage mit der Situation nach der Wende im Jahr 1990 zu vergleichen, sagte der Minister am Mittwoch in Potsdam.

In dem für die märkische Landwirtschaft wichtigen Bereich Milch schreibe ein Drittel der 700 Betriebe mit rund 9000 Beschäftigten bereits rote Zahlen. Nach Angaben von Landesbauernpräsident Udo Folgart sind von der Krise auch Getreidebauern sowie Schweine- und Ferkelzüchter betroffen.

Woidke diskutiert mit der InvestitionsBank des Landes (ILB) deshalb die Möglichkeiten von Liquiditätshilfen. Überlegt würden zinsverbilligte Darlehen für Betriebsmittel. Geholfen werde könne Unternehmen, die auf gesunden betriebswirtschaftlichen Grundlagen stünden. Er sei optimistisch, "dass wir Mitte des Jahres ein Programm auflegen können", sagte Woidke. Beim Vorziehen von EU- Direktzahlungen, die normalerweise Ende des Jahres fließen, sehe er bürokratische Hindernisse.

Folgart forderte einen "ABC-Katalog" als Unterstützung für die gebeutelten Landwirte. A steht für Absatzförderung, B für Belastungen verringern (Agrardiesel) und C für Cash wie Liquiditätssicherung. Vor allem die Milchbauern leiden darunter, dass sie sei langer Zeit keinen kostendeckenden Preis mehr für ihr Produkt bekommen.

Ein Problem seien wegbrechende internationale Märkte. Die Bauern würden jeden vierten Euro durch den Export verdienen, was aber kaum noch möglich sei, meinte Folgart. Zum Beispiel falle der wichtige Markt Russland fast aus. Durch einen starken Euro-Kurs bekämen zudem Nord- und Südamerika Chancen für Marktanteile, die vor einiger Zeit kaum denkbar waren.

Wer sich - Krise hin, Krise her - von der Leistungsfähigkeit der hiesigen Agrarwirtschaft ein eigenes Bild machen will, hat dazu in der kommenden Woche Gelegenheit: Die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung BraLa präsentiert sich vom 21. bis 24. Mai wieder als "Schaufenster" der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Wegen der Wirtschaftskrise gibt es nach Angaben des Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums (MAFZ) allerdings keine Rekordbeteiligung. An der 19. BraLa werden sich mehr als 650 Aussteller und Züchter beteiligen, sagte der Geschäftsführer des Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums (MAFZ), Gerhard Weiß, am Mittwoch in Potsdam.Zur größten Agrarschau des Landes in Paaren/Glien (Havelland) werden rund 40 000 Gäste erwartet.

Publikumsattraktion sind die zahlreichen Tierschauen und Vorführungen mit Landtechnik. An den vier Tagen werden über 1200 große und kleine Tiere zu sehen sein. Traditioneller Höhepunkt sind die Präsentation der "Rasse des Jahres" und die Auszeichnung eines "Verdienten Züchters". Die Vermarktungsorganisation pro agro ist mit mehr als 30 Anbietern dabei und zeige die ganze Palette der märkischen Ernährungswirtschaft.

Die BraLa bietet laut Weiß in diesem Jahr ein speziell auf Familien abgestimmtes Programm. Geboten werden Geschicklichkeitsfahrten, Staffelspiele sowie Quiz und Malwettbewerbe. Für "Kinder" in Männern gibt es die Möglichkeit, Fahrgeschick auf einem Traktor zu zeigen. Zuvor wird mit 35 Teilnehmern die 2. Deutsche Schleppermeisterschaft ausgetragen.

Einen Einblick in der Arbeit von Landwirten gibt der mobile Erlebnis-Bauernhof, den die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft auf bundesweite Tour schicken will. Als Neuerung ist nach mehrmonatiger Bauzeit ein gläserner Pavillon mit 300 Plätzen zur Verfügung. Im neuen "Märkischen Landmann" gibt es einen Hofladen, eine Schaubäckerei sowie Bar und Restaurant.

Politischer Schwerpunkt ist die Diskussion über die Krise in der Landwirtschaft, speziell der niedrige Milchpreis. Dieses Thema wird auch auf der Landesbauernversammlung erörtert, zu der Präsident Udo Folgart erneut rund 1000 Teilnehmer erwartet. Auf der Veranstaltung wird auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auftreten.

Die BraLa ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 4 Euro für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Die BraLa ist über die Autobahnabfahrt Falkensee zu erreichen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Vom U-Bahnhof Berlin-Spandau mit der Linie 671 nach Paaren im Glien.

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