Berlin . Bankautomaten sind nicht so sicher, wie Kunden oft glauben möchten. Mehr als 10 000 Fälle von Datenklau an Automaten allein 2007 registrierte die Firma Euro-Kartensysteme, ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft, wie jetzt mitgeteilt wurde.
Vorsicht, Datenklau: Beim Eingeben der Geheimzahl am Geldautomaten m³ssen die Kunden darauf gefasst sein, dass Kartenschlitz und/oder Tastatur manipuliert sind. Die hier ist ³brigens echt. Foto: ddp
Insgesamt seien bundesweit 459 Geldautomaten präpariert worden, um Daten von EC-Karten zu kopieren. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2006 von 45 Prozent. Den Gesamtschaden durch EC-Kartenbetrug beziffert Euro-Kartensysteme-Sprecherin Margit Schneider auf einen zweistelligen Millionenbetrag.
"Skimming" (dt.: Betrug) heißt eine der Methoden, die Kriminelle immer öfter einsetzen. Geldautomaten werden mit einem für Kunden schwer identifizierbaren Vorsatz-Gerät mit Auslesefunktion versehen und zudem mit einer Mini-Kamera ausgestattet, die die Eingabe der Geheimnummer aufzeichnet. Manchmal wird statt der Kamera auch eine Nachbildung der Tastatur auf das Original geklebt. Die Anschläge werden mechanisch an die echte Tastatur übertragen, gleichzeitig aber protokolliert. Bei einer anderen Variante, der sogenannten "libanesischen Schlinge", schluckt der präparierte Bankautomat die Karte. Kunden gehen dann davon aus, dass ihre Karte einbehalten wurde. Sobald sie aufgegeben haben, fischen die Betrüger die Karte aus dem manipulierten Karteneinzugsschlitz.
Nach bisherigen Erkenntnissen sind Betrüger oft in Banden organisiert. Im Falle von Skimming heben Betrüger das Geld meist im Ausland ab. "Kartenfälschungen sind aufgrund eines Echtheitsmerkmals im Kartenkörper, dem EMV-Chip, nur im Ausland einsetzbar", erläutert Euro-Kartensysteme-Sprecherin Schneider. Ausländische Automaten entsprächen diesem Sicherheitsstandard oft nicht. Selbst wenn sich die Zahl der Skimming-Fälle dramatisch erhöht hat, verfügen angeblich viele Bankautomaten in Deutschland bereits über Anti-Skimming-Module wie Magnetstörfelder, um den Datenklau zu verhindern. Der Magnetkopf in dem von einem Betrüger aufgesteckten Vorsatzgerät kann Daten dann nicht auslesen.
Ein Aufrüsten von Bankautomaten mit Anti-Skimming-Modulen ist nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken nicht nötig. "Die Technologie ist bei den meisten Geräten Standard", sagt eine Sprecherin. Seitens des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) konnte dies zwar nicht bestätigt werden. Die Sprecherin wies aber darauf hin, dass viele Sparkassen in Deutschland auf eine Sicherheitssoftware setzen, die Unregelmäßigkeiten bei Abbuchungen analysiert. "Wird innerhalb von kurzen Abständen Geld abgehoben, und das an Orten, die weit voneinander entfernt liegen, wird die Karte automatisch gesperrt."
Die Gefahr, ausgespäht zu werden, beschränkt sich nicht auf Geldautomaten. Auch an Tankstellen, in der Gastronomie und im Einzelhandel werden Karteninformationen kopiert. Die EC-Karte kann beim Bezahlen etwa durch zwei Kartenleser gezogen werden, einen echten und einen weiteren, um Daten für eine Kopie zu sammeln. Den Pin-Code liest ein betrügerischer Verkäufer dann bei der Eingabe heimlich mit. Experten empfehlen daher, den Pin-Code stets verdeckt einzugeben.
Oft sind Banken gegenüber Skimming-Opfern kulant, da es selbst Experten schwerfällt, manipulierte Geldautomaten zu erkennen. "Bankkunden bleiben auf dem Schaden nicht sitzen", sagt Schneider. Anders ist dies, wenn die Karte gestohlen wurde. Versäumt der Kunde, die Karte sperren zu lassen und den Diebstahl sofort anzuzeigen, trägt er den Schaden bis zur Sperrung der Karte selbst. Deshalb sollten geschädigte Kunden im Schadensfall ihre Karten möglichst schnell sperren lassen.
Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 30. Januar 2008 (Az: 23 U 38/05) steht der Bestohlene sogar unter Beweis-Zwang, wenn zeitnah nach dem Diebstahl Geld von seinem Konto abgehoben wurde. Er muss nachweisen, dass er nicht selbst zur missbräuchlichen Verwendung der Karte beigetragen hat, etwa durch eine Aufbewahrung der Pin-Nummer im Portemonnaie.
Unter der Notrufnummer 116 116 ist eine Kartensperrung jederzeit kostenlos möglich.
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Neueste Kommentare
22.05.2012 16:47:11 nebenbeibemerkt
Hier wird doch einfach....
22.05.2012 16:46:42 max
AUTO FFO
22.05.2012 16:42:58 Leser
@nebenbeibemerkt
22.05.2012 16:36:56 Frankura
Buch von Sarrazin = kalter Kaffee
22.05.2012 16:25:54 olaboe
@heinzi