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Rettung vor dem nassen Tod

. Von Renate Meliß

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Bernau Das Gesicht einer Region wird geprägt von Menschen - Menschen, die auffallen, sich engagieren, einmischen, auch anecken. Die mit Leidenschaft, Zeit und Mut etwas bewegen. Auch und gerade im Barnim. Einige davon stellen wir in dieser Serie vor.

"Es war schon immer mein Traum, Rettungsschwimmer zu werden", sagt Carsten Kilian. Nach der Schulzeit begann der heute 25-Jährige aber zunächst eine Lehre als Industriemechaniker bei der Deutschen Bahn, Abteilung Instandhaltung, in Eberswalde. Und arbeitet seitdem dort als Schlosser und Schweißer. Von 2002 bis 2003 ging es zum Grundwehrdienst - zur Marine. Dort war Kilian als Obergefreiter zunächst in Stralsund, später in Kiel eingesetzt und diente zehn Monate auf dem Zerstörer "Lütjens". "Mit Deutschlands letztem Zerstörer und zugleich kampfkräftigstem Schiff der Bundesmarine fuhren wir auf offener See. Unsere Aufgabe war es, unter gefechtsnahen Bedingungen unter der Vorgabe ,Kampf gegen den Terror' den Seeraum zu überwachen", erinnert er sich.

Schon während seiner Marinezeit hatte Carsten Kilian versucht, sich zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen, doch das hatte nicht geklappt. Von der Marine zurückgekehrt, meldete sich der in Melchow Wohnende 2005 im Freibad Waldfrieden in Bernau. "Ich hatte gehört, dass sie dort bei der Wasserwacht Rettungsschwimmer ausbilden." Carsten Kilian konnte kurz darauf mit dem Training beginnen und legte nach vier Wochen bereits die Prüfung in Bronze, dann in Silber und ein halbes Jahr später in Gold ab.

"Gold bedeutet unter anderem, 30 Meter weit zu tauchen, acht von zehn Ringen vom Grund zu holen und mit Flossen zu schwimmen." Als besondere Schwierigkeit wird den angehenden Rettungsschwimmern vorgegeben, beim Flossenschwimmen 250 Meter in einer Zeit unter sechs Minuten zu absolvieren und die letzten 50 Meter, vollständig bekleidet, einen zu Rettenden abzuschleppen.

"Die richtige Schwimmtechnik dabei ist, möglichst flach im Wasser zu liegen, weder Arme noch Beine zu tief nach unten zu führen. Das ist besonders beim Abschleppen von Personen lebenswichtig. Um im Notfall auch unter Zeitdruck jemanden vor dem nassen Tod retten zu können, muss man auch in Bekleidung schwimmen. Die zieht einen ja automatisch nach unten. Doch mit der richtigen Schwimmtechnik hat man es raus", so Kilian. Zur Gold-Prüfung gehören auch das Tauchen sowohl mit dem Kopf als auch mit den Füßen voran und Befreiungsgriffe. "Das muss man trainieren, um sich aus der Umklammerung eines Ertrinkenden befreien und somit selbst vor dem Untergang schützen zu können." Niemals hält sich ein Rettungsschwimmer beim Sprung ins Wasser übrigens die Nase zu und die Augen unter Wasser hat er auch immer geöffnet.

Carsten Kilian ist ehrenamtlich als Rettungsschwimmer der Ortsgruppe Wasserwacht des DRK-Niederbarnim im Freibad Waldfrieden eingesetzt. Im Sommer 2005 hatte er auch gleich seinen ersten Einsatz. "Es war während des Schulschwimmens und im Freibad war es richtig voll. Einer der Schüler, eigentlich schon ein Schwimmer, bekam plötzlich einen Krampf im Bein und ging unter", erinnert sich der Melchower. Zum Glück konnte der Schüler sich noch bemerkbar machen. Kilian sprang ins Wasser und zog ihn heraus. Es ging alles sehr schnell, so dass der Schüler noch nicht wiederbelebt werden musste. "Das war sozusagen meine Taufe."

Kilian erinnert sich auch an die Rettung eines kleinen Jungen. "Ich habe vormittags im Betrieb gearbeitet, dann die Badaufsicht im Waldfrieden und war gleichzeitig auch als Rettungsschwimmer eingesetzt. Der Junge hatte wohl Wasser ins Auge bekommen. Deshalb hörte er auf zu schwimmen und ging natürlich sofort unter. Er war direkt neben mir, aber damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet", erinnert sich Kilian.

Bei Dreharbeiten für den Film "Die Frau vom Checkpoint Charlie" mit Veronika Ferres hatte Carsten Kilian die Darsteller während einer Szene abzusichern. "Das war natürlich mal 'ne sehr interessante Sache."

Wer sich dafür interessiert, Rettungsschwimmer zu werden, sollte über die nötigen körperlichen Voraussetzungen verfügen. Angst vor dem Wasser geht dabei natürlich überhaupt nicht. Trainiert wird jeden Dienstagabend in der Schwimmhalle in Berlin-Buch. Die Ausbildung selbst erfolgt in der Sport- und Begegnungsstätte in Lindow (Gransee). Eine Ausbildung als Rettungstaucher ist übrigens ebenso möglich. Diese arbeiten eng mit Feuerwehr und Polizei zusammen und bergen unter anderem Leichen oder Autowracks aus Seen und Flüssen.

Und allen Badegästen der kommenden Saison rät Kilian: "Immer die Badeordnung durchlesen. Die hängt in jedem Freibad aus." Und Eltern, deren Kinder noch nicht schwimmen können, rät er, Bauchgurte umzubinden. Die oft gesehenen Armreifen behinderten die Kleinen eher als dass sie nützten. Zudem sinke der Kopf im Notfall trotzdem unter Wasser. Mütter sollten ihre Kleinstkinder auf keinen Fall mit ins tiefe Wasser nehmen, warnt der erfahrene Rettungsschwimmer.

Interessenten für eine Rettungsschwimmerausbildung können sich beim DRK-Niederbarnim, Ortsgruppe Wasserwacht, melden unter 03338 75386

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