Altenhof . Es weht kein Wind, der Werbellinsee ist eisfrei, kurzzeitig lugt die Sonne hervor. Und trotzdem: Angesichts der Taucher im vier Grad Celsius kalten Wasser überzieht eine Gänsehaut den ganzen Körper. Was mag die Männer wohl treiben, sich zum Jahresende in die Fluten zu stürzen? "Wir wollten uns etwas beweisen und auch bei Kälte in den See steigen, das war der Grund", bekennt der 67-jährige Klaus Hörnicke aus Altenhof. Auch er streifte sich Silvester den Neopren-Anzug über, schulterte die Flaschen und setzte die Taucherbrille auf. "Wir hatten heute sehr gute Sicht, bestimmt fünf Meter weit", erzählt er, während er sich hinterher im warmen Haus umzieht. 26 Meter tief war die Tauchergruppe, aus Gründen der Sicherheit geht niemals ein einzelner Taucher runter.
Beweisen wollten er und sein Tauchkumpel Achim Gora sich etwas in den späten 60-er Jahren. Damals begannen die beiden nämlich mit dem Silvestertauchen. Mittlerweile wurde daraus eine große Gemeinschaft, eine gemütliche obendrein. Bei Glühwein, Bockwurst und Knacker sitzen die Sportler nach dem Tauchgang beieinander, da werden Geschichten aus alten Zeiten ausgetauscht und beinahe jede Verabschiedung endet mit dem Versprechen, "wir rufen uns im neuen Jahr an".
Wer aufmerksam zuhört, erfährt allerlei über die Veränderungen im See. Beispielsweise sind die Taucher der Ansicht, dass es längst nicht mehr so viele Fische im Werbellinsee gibt wie einst. Hörnicke berichtet von Tauchgängen in den 80-er Jahren, als sie die Aale mit den Händen berühren konnten. "Man hätte welche mitnehmen können, aber das war natürlich verboten", sagt er. Heute dagegen sei es kaum noch einem Taucher vergönnt, Aale zu beobachten. Dafür gibt es aber durchaus große Hechte, wie Hans-Jürgen Noack berichtet. Er nimmt häufiger eine Kamera mit ins Wasser, um zu filmen. So drehte er vor zwei Jahren einen Film über einen etwa 1,20 Meter großen Hecht, der sich tatsächlich streicheln ließ, weil er wohl, ob seiner Größe, keinen natürlichen Feind im Wasser hatte.
40 Aktive zählt die Gruppe des Tauchclubs Werbellow. Jährlich bilden die vier Tauchlehrer in den eigenen Reihen zehn bis zwölf Jugendliche aus. "In Ägypten ist der Tauchschein innerhalb von fünf Tagen zu haben, hier dauert das sechs Monate. Unsere Jungs bekommen eine solide Ausbildung. Tauchen ist nicht ungefährlich, es kann viel passieren", stellt Achim Gora klar. Immer gut Luft wünschten sich die 14 Silvester-Taucher. Das gilt auch für dieses Jahr, denn wieder soll es nach Ägypten zum Tauchen gehen.
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