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Ein Kleinod am Rande des Ortes

Das Glanzst³ck von Neuendorf: Auch in diesem Jahr werden in der Kirche des Oderberger Ortsteils zahlreiche Veranstaltungen stattfinden.   Foto: GMD/ Thomas Burckhardt
Das Glanzst³ck von Neuendorf: Auch in diesem Jahr werden in der Kirche des Oderberger Ortsteils zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Foto: GMD/ Thomas Burckhardt © Foto:
KUKRAKAUN / 27.03.2008, 08:25 Uhr
Neuendorf () Von KAI-UWE KRAKAU

Ein Förderverein setzt sich seit fast zwei Jahren für den Erhalt der Wehrkirche Neuendorf ein - mit bereits beachtlichem Erfolg. Wichtigstes Projekt der Mitglieder ist derzeit die Sicherung des Altars.

Sie soll für alle zugänglich sein, die gotische Hallenkirche zu "Nyendorp". Für Touristen, die eine Wanderung durch die herrliche Landschaft machen. Aber auch für Kulturinteressierte, die der Musik des 15. Jahrhunderts lauschen wollen und schließlich für Jäger, die in dem Gotteshaus die Hubertusmesse feiern. Vor fast zwei Jahren, im Mai 2006, machte den Neuendorfern und allen, denen die Kirche am Herzen lag, vor allem der hölzerne Altar große Sorgen. Die Farbe blätterte ab, ein Restaurator aus Brodowin mahnte, rasch zu handeln. Auf Anregung von Pfarrer Walter Bindemann wurde daraufhin ein Förderverein gegründet. "Dadurch ist es uns einfacher möglich, Fördermittel zu beantragen", sagt Vorsitzender Rudolf Hintze.

Mit dem baulichen Zustand der Feldsteinkirche, so ergab es eine erste Bestandsaufnahme, konnte der Förderverein insgesamt zufrieden sein. Das Dach war Anfang der neunziger Jahre gedeckt worden, an Glocke und Turm gab es nichts zu tun. Doch an Altar, Kanzel und dem Kirchengestühl hatte der Zahn der Zeit genagt. Eine Restauration stand an. Im vergangenen Jahr gab die Kirchenbaubehörde schließlich grünes Licht. Auch die Denkmalschutzbehörde des Kreises Barnim unterstützte das Vorhaben. "Wir haben zunächst mit Kunststudenten die Farbe am Altar gesichert und geglättet", berichtet Rudolf Hintze. Mit der Methode, die dabei angewandt wurde, war schon in der Lunower Kirche gearbeitet worden. "Unser Ziel war es vor allem, dass die Schäden nicht größer werden", so der Vorsitzende des Fördervereins.

Inzwischen hat sich die alte Wehrkirche auch zu einem beliebten Veranstaltungsort in der Region entwickelt. So gibt es beispielsweise das Drachenfest, bei dem die Kinder ihrem Freizeitvergnügen nachgehen können. Für die Erwachsenen gab es dann Kaffee und Kuchen und am Lagerfeuer wurde so manche Geschichte erzählt. Am Tag des offenen Denkmals werden die Türen weit für die Besucher aus nah und fern geöffnet. "Wir wollen Menschen und Kirche zusammenbringen", sagt Rudolf Hintze. Früher sei das Gotteshaus der Mittelpunkt des Dorfes gewesen. Als dann neue Siedlungen entstanden, wurde es an den Rand gedrängt. Die Kirche ins Dorf holen, das wollen die Mitglieder des Neuendorfer Fördervereins.

Dass noch viel Geld für die Restaurierung benötigt wird, ist allen bewusst. Gemeinsam wird deshalb nach Fördertöpfen gesucht, werden Kontakte geknüpft und Anträge geschrieben. "Wir hoffen weiter auf Spenden", so Rudolf Hintze.

In diesen Tagen arbeiten die Mitglieder des Fördervereins noch am diesjährigen Veranstaltungsplan. "Er wird auch wieder einige interessante Termine enthalten", versichert der Neuendorfer, ohne bereits Einzelheiten nennen zu können.

Neuendorf, so sagt es die Geschichtsforschung, war wohl bald nach 1214, als Oderberg brandenburgisch wurde, gegründet worden. Erstmalig erwähnt wird das Dörfchen 1267 als "nova villa". Ein Jahr später übergab Bischof Heinrich von Brandenburg einen zur Pfarre in Oderberg gehörigen Hof mit zwölf Hufen in "villa Nyendorp". Im Jahr 1375 muss dann das Dorf ziemlich verwüstet worden sein, denn erst im 16. Jahrhundert taucht es wieder in den Urkunden auf. Seit 1685 gehörte der Ort zum Schulamt Neuendorf, gemeinsam mit den Dörfern Golzow, Hohensaaten, Lunow, Bertikow, Blankenburg, Seelübbe und dem Vorwerk Seehausen. Im 19. Jahrhundert bestand das Amt Neuendorf noch aus den Vorwerken Neuendorf und Steinberg sowie den Dörfern Lunow und Hohensaaten. Seit 1961 ist Neuendorf ein Ortsteil der Stadt Oderberg.

Glanzstück des Dorfes ist, so berichtet es Werner Ebert von der Gesellschaft zur Entwicklung und Förderung der Märkischen Eiszeitstraße, die Feldsteinkirche, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt. Es handelt sich dabei um einen Rechtecksaal mit einem Westquerturm von gleicher Breite. Das Innere stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1615, nach 1945 fand bereits eine Restaurierung statt.

Der reich gestaltetet Altaraufsatz aus dem beginnenden 17. Jahrhundert besitzt eine zweigeschossige architektonische Gliederung. Im Zentrum befindet sich ein figurenreiches Kreuzigungsgemälde, seitlich vier Evangelisten, im Oberteil sieht man die Auferstehung Christi.

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