Frankfurt (Oder) . Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) will ihre Fühler über Polen hinaus stärker nach Ost- und Mittelosteuropa ausstrecken. "Wir wollen dort Studenten gewinnen", sagte Viadrina-Präsident Gunter Pleuger in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Über die deutsch-polnische Kooperation hinaus, interessiere sich die Universität beispielsweise für die Mitgliedsländer der östlichen EU-Partnerschaft: Weißrussland, Ukraine, Georgien, Moldau, Aserbaidschan und Armenien. "Ihnen können wir in Lehre und Forschung interessante Studienmöglichkeiten bieten." So sollen mit Weißrussland und Georgien Kooperationsverträge abgeschlossen sowie Studenten und Dozenten ausgetauscht werden, sagte Pleuger, der vor einem Jahr in das Amt gewählt wurde. Nach den Worten des früheren Spitzendiplomaten will die Viadrina bei ihren Studenten Interesse für eine Tätigkeit in internationalen Organisation wecken. Es werde ein interdisziplinärer Studiengang "Master of European Studies" aufgebaut, um junge Leute auszubilden in europäischem und internationalem Recht, aber auch in allen Wirtschaftsfragen, die innerhalb der EU von Bedeutung sind. "Die Studenten sollen die EU auch als eine kulturelle Gemeinschaft begreifen." Zudem sollen sich Studenten speziell auf Berufseinstiegsverfahren vorbereiten können. "Das lernt man normalerweise auf der Universität nicht." Pleuger hatte das Amt von Gesine Schwan übernommen. Für die Umwandlung der Viadrina in eine Stiftungsuniversität sei er Schwan dankbar, sagte der 68-jährige Pleuger und sprach scherzhaft von Schwans "letzter Großtat". Das Land sichere die Grundfinanzierung weiter, die Universität sei in ihrer Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeit freier geworden; müsse aber auch für Stiftungskapital sorgen. "Stiftungskapital ist sehr, sehr schwer einzuwerben, insbesondere in einer strukturschwachen Region wie Ostbrandenburg." Trotz Wirtschaftskrise habe kein Stifter seine Zusage zurückgezogen. "Das freut mich, weil es die Verwurzelung der Universität in der Region zeigt." Bisher gingen 325 000 Euro ein. Derzeit werde an der Viadrina die künftige Strategie diskutiert. Bis Herbst solle ein Papier vorliegen, mit dem sich Mitarbeiter und Studenten identifizieren können. "Wir wollen definieren, was wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren erreichen wollen." Es gehe zum Beispiel um die 2013/14 zu erwartenden geburtenschwachen Jahrgänge. "Dann wird es einen größeren Wettbewerb unter den Universitäten, nicht nur um die besten Köpfe, sondern auch um die Studenten geben. Darauf müssen wir uns einstellen." An der Viadrina studieren mehr als 5000 junge Leute, darunter viele Ausländer.
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