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"Wir müssen nicht alles dulden"

Schorfheide . Mit Beginn der Sommerferien zieht es viele Barnimer zur Erholung in die Schorfheide. Doch die ist seit gestern nicht mehr über die Autobahnabfahrt Finowfurt erreichbar, die ist nämlich dicht. Touristiker fürchten Einbußen. In der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend hagelte es Kritik am Landesbetrieb für Straßenwesen.

  Gesperrt: Seit Donnerstag ist die Autobahnauffahrt Finowfurt dicht. Viele Barnimer nutzten den Weg vor allem in den Sommerferien, um in das beliebte Ausflugsgebiet in der Schorfheide zu gelangen. Foto: MOZ/Thomas Burckhardt ©

"Wir haben hier einen Spagat zu machen zwischen unterschiedlichen Interessen", versuchte Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht zu vermitteln. "Die Anwohner erwarten von uns, dass ihre Straße saniert wird. Und das zu Recht. Die ist in einem sehr schlechten Zustand." Zu beanstanden sei allerdings die Informationspolitik des Landes. "Wir mussten aus der Zeitung erfahren, wie die Sperrung erfolgen soll und dass sie anders ist, als ursprünglich geplant", ärgert er sich. Es sei ein "schwieriges Arbeiten" mit dem Landesbetrieb.

Den schlechten Informationsfluss bemängelte auch Axel Ritter vom Tourismusverein Schorfheide/Chorin. Er betonte zunächst: "Wichtig ist uns, deutlich zu machen, dass wir die Straße wollen. Aber wir fragen uns: Wurde wirklich alles getan, damit die Gewerbetreibenden sich rechtzeitig auf die Situation einstellen können?", fragte Ritter. "Ist das System der Umleitung für die Besucher nachvollziehbar?", wollte er ebenfalls wissen. Die Gemeindeverwaltung werde vom Landesbetrieb für Straßenwesen negiert, glaubte Ritter. Er appellierte an die Gemeindevertreter und an Bürgermeister Schoknecht: "Die Gewerbetreibenden brauchen Ihre Unterstützung. Die Touristiker vor Ort fühlen sich derzeit etwas alleine gelassen. Das sind doch nicht irgendwelche Spinner. Das sind alles Leute, die ihr kennt und die mittlerweile richtig Existenzängste haben", machte Ritter deutlich. "Für einen Gastronom ist es schwer, so eine lange Zeit durchzuhalten."

Kritik gab es auch am Zeitpunkt der Baumaßnahme. Dass der gerade in die Sommerferien und damit die Hauptzeit für den Tourismus in der Region falle, sei unglücklich, kritisierten einige.

Als Manfred Tillmann (Die Linke) die Frage stellte, warum plötzlich von der ursprünglich für elf Tage vorgesehenen Sperrung, mit der alle gut hätten leben können, keine Rede mehr sei, hatte er bei Bauamtsleiterin Manuela Brandt einen wunden Punkt getroffen. "Bei einer der ersten Beratungen mit dem Landesbetrieb Straßenwesen wollten die uns den Bauablauf erst nicht geben. Das kam uns damals schon merkwürdig vor. Da stand auch noch die Sperrung von elf Tagen drin. Jetzt haben die einen Rückzieher gemacht." Die technischen Gründe, die der Landesbetrieb nun für eine Vollsperrung angebe, hält sie für vorgeschoben. "Das glaube ich einfach nicht, dass es nicht technisch anders machbar wäre", so die Bauamtsleiterin, die anschließend deutliche Worte fand. "Ich fühle mich vom Landesbetrieb veräppelt." Sie forderte die Betroffenen auf, Druck zu machen. "Dass wir die Baumaßnahme dulden müssen, ist klar, aber wir müssen auch nicht alles dulden. Und wenn wir jetzt mal Druck machen, dann macht man vielleicht in Zukunft mit der Gemeinde Groß Schönebeck nicht mehr, was man will."

Bei einem Gespräch mit betroffenen Gewerbetreibenden kündigte der Landesbetrieb Straßenwesen gestern an, dass die Anschlussstelle der A11 zur 300-Jahrfeier von Eichhorst freigegeben wird. Der Bereich bis zum Abzweig "Zum Krugacker" werde geöffnet, so dass die innerörtliche Umleitung über die Triftstraße greifen könne, sagte Niederlassungsleiter Andreas Schade.

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