Oberbürgermeister Martin Patzelt . Die Stadtverwaltung sieht sich auch nach dem Gespräch mit dem Berliner Architekten Prof. Wolf Eisentraut in ihrem Kurs zum Stadtumbau bestätigt. Bei dernicht öffentlichen Arbeitsberatung hatte Eisentraut seine Ideen und Erfahrungen beim geschossweisen Rückbau von Wohnhäusern und anderen Umbaumaßnahmen vorgestellt. Verwaltung und Fraktionen waren sich anschließend einig, viel Überlegenswertes gehört zu haben. Doch da in Frankfurt mindestens bis 2010 sehr viele Wohnungen verschwinden müssen, sei Totalabriss die effektivere Variante. Andere Lösungen sollen aber geprüft werden.
Prof. Dr. Wolf Eisentraut ist ein bekannter Architekt, der u. a. Berlin Marzahn und Hellersdorf mit konzipiert hat und f³r die Projektierung des Palastes der Republik zustõndig war.
war am Donnerstagabend ein wenig enttäuscht. Er wünschte sich, wie er bekannte, im Stadtumbau in Frankfurt bessere Lösungen, die zum einen die Situation der Menschen berücksichtigen und zum anderen die städtebauliche Entwicklung fördern. Doch die Rahmenbedingungen sprächen in Frankfurt eine andere Sprache, ließen solche spezifischen Varianten, wie sie der Berliner Architekt anderswo schon umgesetzt hat, zumindest derzeit nicht zu.
Die Rahmenbedingungen, so Beigeordneter Peter Edelmann, seien zum einen der rasante Bevölkerungsrückgang in Frankfurt und zum anderen die Förderbedingungen des Landes. Weil Frankfurt so viele Einwohner verloren hat, die Bevölkerungszahl weiter sinkt und der Wohnungsleerstand damit weiter steigt, müssten bis 2010 insgesamt 7600 Wohnungen abgerissen werden. Solche Zahlen ließen sich in dem erforderlichen Tempo mit teilweisem Rückbau nicht erreichen.
Vor allem Patzelt kritisierte zudem, dass das Land neben dem flächenhaften Abriss zwar den Wohnungsneubau und die Schaffung von Wohneigentum fördere, doch für alternative Ideen zum Stadtumbau kein Geld ausgegeben werde.
Edelmann kündigte aber wie Patzelt an, dass man spätestens ab 2011 auch über Alternativen nachdenken müsse und werde. Denn dann verändern sich die Größenordnungen im Stadtumbau und müssten nicht mehr Tausende Wohnungen abgerissen werden.
Prof. Eisentraut stimmte zu, dass die Stadt derzeit noch in dem Zwang gefangen sei, in Größenordnungen abreißen zu müssen. Doch er wünschte sich, dass zumindest begleitend und an bestimmten Stellen über ergänzende Alternativen nachgedacht werde. Er bediente sich des Bildes vom großen Dampfer und kleinen Beibooten, die gemeinsam den Stadtumbau zum gewünschten Ziel voran- bringen.
Bernhard Schuster, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, erinnerte daran, dass Frankfurt und seine Wohnungsunternehmen solchen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind. Das zeigte sich beim Exbau als einem ersten Rückbaumodellprojekt vor wenigen Jahren sowie bei der Planung eines weiteren Modellprojektes in Neuberesinchen, das dann wegen der nicht glückenden Finanzierung fallen gelassen werden musste. Doch auch Schuster sieht die Zeit gekommen, jetzt neu nachzudenken und vor allem die Stadtentwicklung nicht zu vernachlässigen.
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