Lindow (MZV) Trotz der Furore bei der Weltmeisterschaft – der Vereinsfußball der Frauen hat sich noch nicht von seinem Mauerblümchendasein befreit. Das ist eine der Erkenntnisse des Überraschungsbesuchs beim Lionsclub-Stammtisch am Sport- und Bildungszentrum Lindow (SBL).
Erinnerungsstück: Kai Sudy, Präsident des Lions-Clubs, nahm von Inka Wesely (links), Stefanie Draws und Yuki Nagasato den Vereinswimpel entgegen. Manfred Wothe hatte eingeladen. Foto: Schönberg
Das lag keineswegs am Empfang. Die versammelte Runde begrüßte die heimlich eingeladenen Gäste Inka Wesely, Stefanie Draws und nicht zuletzt Weltmeisterin Yuki Nagasato mit äußerst kräftigem Applaus. Aufmerksam wurde den Kickerinnen von Turbine Potsdam gelauscht – und herzlich gelacht, wenn der sympathisch und tapfer mit ihrem Deutsch ringenden Japanerin ein Bonmot gelang.
Ende August war das noch anders. Da kamen weniger Zuschauer zum Gastspiel der Potsdamerinnen bei Bayer Leverkusen als zum Training der Bayer-04-Männermannschaft danach, wie Wesely berichtete. „Da hat sich also nicht wirklich viel verändert“, beantwortete die 20-jährige Sportstudentin Manfred Wothes Frage, ob die WM-Euphorie dem Frauenfußball einen Schub verliehen hat.
Wothe, stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbunds, hatte den Überraschungscoup möglich gemacht. Schließlich lernen Wesely und Draws an der Europäische Sportakademie Land Brandenburg (ESA). Dort ist Wothe Geschäftsführer. Bevor die jungen Damen den Raum betraten, erinnerte er noch einmal daran, dass Lindow Trainingheimat für künftige Weltmeister und Olympiasieger war. „Da passt es gut, wenn ich gleich eine Weltmeisterin präsentieren kann“, frohlockte Wothe vor dem Stammtisch gegenüber dem RA. Dabei war es für Nagasato ein herausfordernder Auftritt. In der Muttersprache vor so vielen Leuten zu sprechen ist schon schwierig genug.
Und nun konnte keiner der Anwesenden japanisch: Aber Nagasato schlug sich auch mit fremdem Idiom mehr als wacker. Und das obwohl sie unter Jet-Lag litt – wie man es neudeutsch nennt, wenn man Tags zuvor über neun Zeitzonen fliegt und die biologische Uhr nicht mehr richtig tickt.
Aber Nagasato hatte auch Grund, gut gelaunt zu kommen. „Ihre Mannschaft hat sich in China für Olympia qualifiziert“, sagte der moderierende Wothe: „Und das gegen Topteams wie Nordkorea, Südkorea, Australien und eben China.“
Doch Nagasato fliegt auch immer mit Stolz nach Deutschland. Mit klaren, wenn auch vorsichtig ausgesprochenen Worten machte sie deutlich, dass es immer ihr Ziel war, in Potsdam zu spielen: „Ich wollte unbedingt nach Deutschland, mein Manager hat den Kontakt aufgebaut und Potsdam wollte mich haben“, erzählte sie. „Und dann haben wir es einfach gemacht“, fügte sie lachend hinzu. Wothes Frage, was sie in Potsdam gerne tue, wenn sie nicht kicke, beantwortete sie dann auch mit spitzbübischem Lächeln mit: „Dann mache ich den Deutschkurs.“
Dass Deutschland in Japan einen guten Klang hat, hat Nagasato im Übrigen schon nach der Weltmeisterschaft erfahren. Denn als Lohn für den Titel gab es vom Verband ein Auto. Kein japanisches. „Ein Audi“, erzählte sie. „Ein Audi A 1“
Ihre Vereinskameradinnen vom Deutschen Meister der vergangenen drei Jahre setzen sich hinter einem Chevrolet ans Steuer. „Weil er unser Sponsor ist“, begründete Wesely. Ein bisschen Profi-Privilegien gibt es eben auch im Frauenfußball.
Allerdings ist es nicht so wie bei vielen Männern der Spitzenmannschaften: dass am Ende der Karriere ein finanziell sorgenfreies Leben vor einem steht. Deshalb studiert Wesely auch Sport und Management – ebenso wie Draws: „Um nach der Karriere flexibler zu sein“, so die am Niederrhein groß gewordene 20-Jährige.
Die Mecklenburgerin Draws hat für den Profifußball aber auch ihr bereits begonnenes Bauingenieur-Studiums aufgeben müssen. „Das geht zeitlich dann doch nicht mehr bei einem Stundenplan von 8bis 18Uhr“, erzählte sie. „Das Training in Potsdam ist eben viel intensiver“, sagte sie mit Vergleich zu Neubrandenburg, wo sie zuvor spielte. Doch Erfolg will seinen Preis. Denn das Trio hat ein Ziel: „Wir haben eine gute Mannschaft und wenn wir uns richtig eingespielt haben, dann haben wir gute Chancen, in Meisterschaft und Champions League wieder vorn zu sein“, so Wesely.
Hoffentlich wird nicht nachher ein Quäntchen Leistung zum Erfolg deshalb fehlen, weil das Trio wegen des Lindow-Besuchs das Laufprüfungstraining schwänzen durfte. Letztlich kann sich aber solch ein Abstecher lohnen, weil Popularität verschaffen. Der Auftritt ist Inka Wesely, Stefanie Draws und Yuki Nagasato gelungen. Das rheinische Temperament hier, mecklenburgische Zurückhaltung dort und die sprudelnde Freude der Japanerin – das ergänzte sich zur Freude des Publikums prächtig.
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Neueste Kommentare
23.05.2012 05:10:03 Dieter Luck
Und jetzt noch die Pferdesteuer
23.05.2012 02:30:06 Regine Montpassille
@ Dagmar Rietz
23.05.2012 02:16:04 D.K.
Schade
23.05.2012 01:19:54 bodenständischer Bauer
Oh, wie peinlich
23.05.2012 00:59:34 kämmerer
Dass nennt sich Landeshauptstadt?