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Manja Wilde 18.09.2011 07:45 Uhr - Aktualisiert 19.09.2011 09:51 Uhr
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Entführter Bronzekopf liegt zum Abholen bereit

Schöneiche (MOZ) Schöneiche (MOZ) Denkmale erinnern an Opfer von Krieg, an herausragende Personen oder Ereignisse. Manche haben auch selbst interessante Geschichten erlebt. Ortschronist Ekkehard Brühn ist all dem für eine neue Ausgabe der „Schöneicher Hefte“ auf der Spur.

Dass sich Ernst-Thälmann freiwillig die USA als ewigen Ruhesitz ausgesucht hätte, ist eher unwahrscheinlich. Nun allerdings ist ein Teil des Antifaschisten und ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) schon seit rund 20 Jahren in den USA. Es handelt sich um den Bronzekopf, der einst sein Denkmal im Schön­eicher Schlosspark zierte.

Das Thälmann-Denkmal gehörte zu den ehemals rund 20 Gedenkorten Schöneiches. Gedenksteine und Tafeln, ganze Häuser oder Kriegsgräber erinnern an die jüngere Vergangenheit der Waldgartenkulturgemeinde.

Ortschronist Ekkehard Brühn hat sich nun daran gemacht, die Geschichte dieser Denkmale zusammenzutragen, um sie, gemeinsam mit anderen Heimathistorikern, in einer neuen Ausgabe der Schöneicher Hefte zu versammeln. Erst kürzlich hat Brühn die ersten Ergebnisse seiner Recherchen bei einem Treffen der Ortsgruppe des Brandenburgischen Seniorenverbandes vorgestellt.

Vom Sowjetischen Ehrenmal, das 1946/47 geplant und erbaut worden ist, war die Rede, vom Denkmal für die 150 jüdischen Bürger, die von 1933 bis 1945 in Schöneiche entrechtet, vertrieben oder ermordet worden sind, aber auch vom Lützowhaus, in dem der Führer des anti-napoleonischen Freikorps gepflegt wurde. Aber auch die abgerissenen Ehrenmale, wie das Kriegerdenkmal, das einst im Goethepark an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten erinnerte, wurde gedacht.

Die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte wurde 1969 eingeweiht und der ehemalige Schlosspark dabei in Volkspark „Ernst Thälmann“ umgetauft. Von beidem ist heute nichts mehr zu sehen. Der Park heißt wieder Schlosspark und das Thälmann-Denkmal ist verschwunden. Stückchenweise. Nach der Wende wurde die Gedenkstätte durch Vandalismus zerstört. „Der Kopf lag irgendwo in der Ecke“, sagt Bürgermeister Heinrich Jüttner. Irgendwann sei er dann verschwunden gewesen. Das müsse nun 20 Jahre her sein. Seit fünf Jahren gibt es eine Spur zum Verschollenen. Eine Frau soll den Kopf mit nach Amerika genommen haben, zum Andenken an ihre alte Heimat, und vielleicht, weil er ihr leid getan hat. Jüttner steht mit den Ausgewanderten in Briefkontakt. Ein Vertreter der Gemeinde könne sich den Kopf abholen, habe die Frau mitgeteilt. „Irgendwann schaffen wir das auch“, ist sich Jüttner sicher.

Zu Schöneiche jedenfalls hatte Thälmann schon zu Lebzeiten eine Verbindung. Er lehrte und erzog in der ehemaligen KPD-Reichsparteischule in Fichtenau. Auch dieses heute private Wohnhaus, Kurze Straße 11, gehört zu den Gedenkorten der Gemeinde. Als Aufbewahrungsort für den Thälmann-Kopf würde es sich eher nicht mehr eignen. Aber was dann? Wohin mit ihm? Darüber müsse man sich Gedanken machen, wenn es soweit ist, meint der Bürgermeister.

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