to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Dienstag, 25. Juli 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

andrea weil 21.10.2011 19:30 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

details/dg/0/

Schulessen ohne Qualitätskontrolle Keine Kontrolle bei Schulessen

(MOZ) Von Andrea Weil

details/dg/0/1/981465/
 

Süßsaure Eier zum Mittag: Maximilian Gosse, Max Frädrich, Maximilian Brandt und Hannes Ahrendt von der Grundschule „Erich Kästner“ an der Essenausgabe.

© Stefan Csevi

Schwedt (MOZ) Kinder sind zufrieden, wenn es in der Schulkantine Nudeln mit Tomatensoße gibt. Gesund ist was anderes. Doch selbst die Verantwortlichen tun sich schwer, Qualität beim Schulessen zu definieren – geschweige denn, sie zu kontrollieren.

Dienstag steht paniertes Fischfilet mit Kartoffelpüree und Karottensalat auf dem Speiseplan der Erich-Kästner-Grundschule.Die Schüler der Klasse 6c schaufeln begeistert los. „Sehr lecker“ findet Maximilian Gosse den Salat. Oft gebe es Gemüse, manchmal einen Apfel. Öfter Pudding wäre schön, meint Maximilian Brandt. Unbeliebt sind bei den Schülern Senfeier und Bohneneintopf. Und der Milchreis sei „irgendwie komisch“. Was machen sie, wenn es nicht schmeckt? „Nach der Schule können wir über die Straße zum Döner gehen“, sagt Celine Regler.

Alle Schulen und Kitas der Stadt werden von Dussmann-Service beliefert. Gekocht wird in Schwedt, sagt Henning Wiesner von der Stadtverwaltung. „Die Meinungen, was gutes Essen ist, sind sehr unterschiedlich“, sagt er. Deshalb habe sich die Stadt bei der Ausschreibung an einem Kriterienkatalog des Bundesministeriums orientiert. Der legt zum Beispiel fest, dass innerhalb von vier Wochen höchstens achtmal Fleisch serviert werden soll, dafür an mindestens vier Tagen Fisch und an je acht Tagen Salat und Obst. „Es muss gesund sein, aber nicht ökologisch“, sagt Wiesner. Kontrollen seien jedoch schwierig. Zuletzt hat er sich mit dem Anbieter und einigen Eltern aus einer Kita zusammensetzen müssen, um Beschwerden zu diskutieren.

Das hat Martina Kobs, Leiterin der Erich-Kästner-Schule, auch schon durchgemacht. „Wenn man sich beschwert, ist es ein paar Wochen besser, dann schleift es sich wieder ein.“ Sie bewertet das Angebot kritischer als ihre Schüler: Die Soßen seien „08/15“, die Gerichte wiederholten sich zu oft, statt Obst gebe es öfter mal Saft aus der Packung.

An den Tagen, an denen zwei Gerichte angeboten werden, muss die Verwaltung die Vorauswahl treffen, weil es organisatorisch zu kompliziert ist, zwei Essen auszugeben. „Die Qualität schwankt“, zieht Martina Kobs ihr Fazit.

Andere Schwedter Schulen begnügen sich mit der Feststellung, dass es „den Kindern schmeckt“. Vielmehr legen die Grundschulen Wert darauf, Eltern zu informieren, was in eine gesunde Brotbox gehört. „Man muss auch mal sehen, wie schwierig es ist, das Essen so ausgewogen zu gestalten bei dem Preis“, gibt Danilo Otto, Elternsprecher der Kästner-Schule zu bedenken. Pro Mahlzeit zahlt ein Kind 2,10 Euro, weniger mit einem Sozialpass.

Schulen freier Träger, aber auch die Einrichtungen vom Landkreis Uckermark entscheiden im Einzelnen, wer für ihr Mittagessen sorgt. Die Evangelische Grundschule hat sich nach mehreren Testessen für das Altstadtquartier entschieden. Das Schulzentrum „Tabaluga“ wird über das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) beliefert. Auch der Milchreis sei hier selbst zubereitet. Das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium hat seit zehn Jahren eine eigene Küche, wo immer der gleiche Privatanbieter kocht.

Die Qualität wird auch hier nicht kontrolliert. Die amtliche Lebensmittelüberwachung des Landkreises überprüft nur stichprobenhaft, ob in der Küche und bei der Essensausgabe die Hygiene stimmt. Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel müssten auf dem Speiseplan ausgewiesen werden, so Rita?Kisics, Sachgebietsleiterin Lebensmittelüberwachung. Bei der Frage, ob diese gesund sind, hält sie sich an die gesetzliche Definition: Die Stoffe sind zugelassen, wenn sie „technologisch notwendig und gesundheitlich unbedenklich“ sind.

Der Roten Grütze an der Kästner-Schule ist laut Speiseplan Farbe zugesetzt. Die Kartoffeln enthalten Konservierungsstoffe. Welche genau, steht nicht da. Dabei könnte gerade das einige Eltern interessieren. Eine britische Studie glaubte 2007 nachweisen zu können, dass manche dieser Zusatzstoffe Hyperaktivität auslösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzte die Wirkung nach einer Prüfung jedoch als minimal ein.

Qualitativ gutes Schulessen im Blick, rief die Brandenburgische Bildungsministerin Martina Münch Anfang September dazu auf, am Wettbewerb „Wir gestalten unser Schulessen attraktiver“ teilzunehmen. Dabei geht es nicht nur um einen gesünderen Speiseplan, sondern auch um eine angenehme Atmosphäre im Speiseraum.

Infos unter Tel.: 0331 6203432 oder www.bildungsserver.berlin-brandenburg.de

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion