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Hansjürgen Richter sammelt Erinnerungen an die DDR-Hochseefischerei in seiner Galerie in Neutrebbin

Mit dem Seitenschlepper zum Nordkap

Hält Erinnerung lebendig: Hansjürgen Richter, studierter Gebrauchsgrafiker, stellt auf seinem Grundstück in Neutrebbin seine Bilder aus der Aufbauzeit der DDR-Hochseeschifffahrt aus. Er ist selber neun Jahre zur See gefahren.
Hält Erinnerung lebendig: Hansjürgen Richter, studierter Gebrauchsgrafiker, stellt auf seinem Grundstück in Neutrebbin seine Bilder aus der Aufbauzeit der DDR-Hochseeschifffahrt aus. Er ist selber neun Jahre zur See gefahren. © Foto: Johann Müller
Lina Hatscher / 04.11.2011, 21:10 Uhr
Neutrebbin (MOZ) Eine vollständige Darstellung der DDR-Hochseefischerei mit dem Seitenschlepper, hat Hansjürgen Richter gemalt. Gesammeltsind die Bilder und vieles mehr in seiner privaten Galerie „Im Logis“. Der Grafiker bewahrt dort seine Erinnerung an neun Jahre auf hoher See.

„Ich bin kein Künstler“, sagt Hansjürgen Richter. Der 77-Jährige bezeichnet sich selbst als Gebrauchsgrafiker. Denn das studierte er in Berlin, nachdem er zwischen 1951 und 1959 für das Fischkombinat Rostock gearbeitet hat und zur See gefahren ist. Hochseefischerei mit dem Seitenschlepper. Weil diese Erfahrung ihn prägte, hat er vieles aufbewahrt, was an die mächtigen Schiffe und den Bord-Alltag erinnert. Auf Dutzenden Bildern hat er Alltagssituationen festgehalten und eine eigene Bord-Zeitung „Postboje“ entworfen. Verkaufen will er seine Bilder nicht, dann wäre die Sammlung nicht mehr vollständig. Aber anschauen kann sich jeder die Bilder, alten Schiffsgeräte und Meerestiere, die er in drei Räumen auf seinem Grundstück in Neutrebbin ausstellt. Anfang des Jahres waren rund 90 seiner Bilder in einem Schifffahrtsmuseum in Rostock ausgestellt. Aber eigentlich gefällt es ihm am besten daheim, wo er seine Ruhe hat.

Wenn Hansjürgen Richter die Tür zu seiner „Erinnerungsgalerie“ öffnet, meint man den Wind im Haar und das Salzwasser auf den Lippen zu spüren. Schiffsmodelle, Flaschenpost und Krebse zieren die Regale. Die weiß-blauen Wände der drei Räume sind bedeckt mit farbenfrohen Bildern. Große Schiffe, Männer in Öljacken beim Fischeköpfen. Alltagsszenen der Hochseefischerei. „Die Zeit war kompliziert“, erinnert sich der 77-Jährige. „Wir hatten einen Magnetkompass und sind noch zur See gefahren wie die Wikinger. Wenn Nebel aufzog, war Feierabend.“ Mit 17 Jahren hat er beim Fischkombinat in Rostock angeheuert und fuhr neun Jahre zur See. „Das war kurz nach dem Krieg, da war noch nichts geordnet.“ In der DDR begann der Aufbau der Hochseeflotte. Warum er damals zur See fahren wollte? „Wenn man jung ist, muss man raus“, sagt Hansjürgen Richter knapp. Gerne denkt er zurück an den Zusammenhalt der Mannschaft. „Die Kameradschaft war einmalig.“

Der 77-Jährige erinnert sich einerseits an die Disziplin an Bord und andererseits an die Freiheit, auch mal das System kritisieren zu können. An Schweineköpfe die sich nach Wochen auf See blau verfärbten und an die harte Arbeit. Bis zum Nordkap und nach Island sind sie gefahren, um die Netze auszuwerfen. „Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen haben wir damals Spitzenlöhne bekommen.“

Der raue Alltag findet sich in seinen Bildern, Grafiken und Aufzeichnungen wieder. „Ich habe auch einen Film gedreht“, erzählt Hansjürgen Richter. Mit der AK8, einer Schmalfilmkamera. Sich in Bildern auszudrücken, lag ihm schon immer. Auch an Bord hat er gemalt und gezeichnet – manchmal mit Zahnpasta, denn Farbe war Mangelware. Viele Bilder und Ausgaben der „Postboje“ aus jener Zeit gingen verloren, aber er malte weiter. Nach den Jahren auf hoher See studierte er an der Kunsthochschule in Weißensee Gebrauchsgrafik und machte seine Leidenschaft zum B­eruf.

Im Logis, Wriezenerstraße 28, Neutrebbin, Winterpause bis April, Information zum Angebot unter 033474 5670 oder ?info@seitenschlepper.de

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