Bernau . Brandenburg hat wieder Luchse. Im Wildpark Schorfheide (Barnim) wurde am Donnerstag Europas größtes Luchs-Gehege eröffnet. Lugh und Loki sollen die Besucher für die Raubkatzen, die in manchen Gegenden Deutschlands wieder wild leben, begeistern und Ängste beseitigen.
Alles im Blick: Weil sich Lugh so gerne auf Bõumen tummelt und von oben sein Reich ³berblickt, wurde der junge Luchs auf den Namen des nordischen Sonnengottes getauft. Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
"Hab ich's doch gewusst!" Triumphierend dreht sich Imke Heyter, Chefin des Wildparks Schorfheide, zu den Besuchern um. Die staunen immer noch, mit welchen schnellen kraftvollen Sprüngen Luchs Lugh gerade die hohe Kiefer hinauf gesprungen ist. Jetzt schaut das gelbbraune Tier mit den schwarzen Flecken und den charakteristischen Pinselohren majestätisch auf die Menschen herab. "Ich hab gleich gesagt: Der eine findet den Eingang zum Gehege, der andere macht sich ab auf den Baum", frohlockt Imke Heyter. "Und dabei kenne ich die Tiere erst seit drei Tagen", fügt sie ein wenig stolz hinzu.
Ihr Blick schweift wieder zu den Tieren. Sie gelten mit Schulterhöhen von bis zu 70 Zentimetern als größte Raubkatzen Europas, verstehen es aber, sich trotzdem sehr gut im Unterholz des Waldes unsichtbar zu machen. "Ist es nicht faszinierend, dass wir auch in Europa so schöne Raubkatzen haben?", fragt sie die Besucher und fügt lachend hinzu: "Ach, ich bin schon ganz verliebt in meine beiden Jungs."
Die 37-jährige hat sich mit der Eröffnung des Luchs-Geheges einen langen Traum erfüllt. Bislang war der Wildpark vor allem durch seine Wölfe bekannt, die dort seit 1998 in zwei Rudeln leben. Nun sollen die Luchse als weitere Attraktion Besucher anlocken.
Dank Geldern aus einer Stiftung und Spenden konnte die Tierpark-Chefin ihr ehrgeiziges Projekt verwirklichen. Vergangenen Montag holte sie höchstpersönlich die beiden Luchsmännchen, die Brüder sind, aus einem Tierpark in Wernigerode ab, wo die Raubkatzen geboren wurden. Der Transport verlief abenteuerlich, weil eine der Katzen die Transportkiste schon einige Minuten nach der Abfahrt stark deformierte und schleunigst nach einer sichereren Transportbox gesucht werden musste.
Hätte der Luchs gewusst, was ihn in der Schorfheide erwartet, hätte er sich vielleicht besser benommen. Die Luchse residieren auf 15 000 Quadratmetern mit Teich, Sonnenhügel und vielen Bäumen.
Auf den Namen Loki nach dem nordischen Gott des Feuers taufte Imke Heyter den scheueren Luchs, der sich gerne am Boden versteckt. Reisighaufen bieten ihm einen guten Unterschlupf. Nach Lugh, dem nordischen Sonnengott, wurde Lokis Bruder genannt. "Der ist schon in den ersten Stunden ständig auf die Bäume geklettert, guckt sich gerne von oben alles an. Da passte das mit dem Sonnengott", findet Imke Heyter. Er sei auch der Mutigere von beiden und wahrscheinlich auch der, der die Transportbox demolierte.
Besorgte Zuschauer, die befürchten, dass Lugh es mit seinen großen Sprüngen auch einmal vom Baum aus dem Gehege schaffen könnte, kann Imke Heyter beruhigen. Zwar habe der Luchs auch schon auf einem Ast über dem Durchgang gesessen und von oben die Besucher angeknurrt, ausbrechen könne er jedoch nicht. "Die Äste haben genug Abstand vom Zaun und vier Meter tief springen die Tiere nicht runter. Den Besuchern kann also nichts passieren."
"Hoffentlich wissen das die Luchse auch", scherzte Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD), der zur feierlichen Eröffnung des aus Spendengeldern finanzierten Geheges gekommen war. Die Luchse seien nicht nur ein Besuchermagnet, prognostizierte Woidke, sondern auch ein guter Beitrag zur Umweltbildung. "Ich kenne keine Einrichtung, wo man Tiere so sehr in ihrer natürlichen Umgebung bewundern kann", lobte der Minister.
Im Bayrischen Wald gibt es mittlerweile schon wieder frei lebende Luchse und derzeit bemühen sich Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, den Luchs im Harz wieder anzusiedeln. In Brandenburg gebe es dagegen keine Pläne, die Raubkatze im Freien anzusiedeln, sagte der Umweltminister. "Bislang gibt es auch keine gesicherten Nachweise über frei lebende Luchse. Wenn sie aber zu uns kommen, würden sie in Brandenburg gute Lebensräume vorfinden", ist Woidke überzeugt.
Das hofft auch Imke Heyter. "Ich kann mir schon vorstellen, dass Populationen aus Polen oder aus dem Harz zu uns kommen." Deshalb sei es jetzt umso wichtiger, Akzeptanz in der Bevölkerung zu wecken und die Lebensräume für die Tier zu verbessern.
Für Menschen stelle die große Raubkatze keine Gefahr dar, versichert Imke Heyter. Der Luchs fresse vor allem Rehe und Kälber größerer Hirscharten, aber auch Rotfüchse, Marder, Wildschweine, Mäuse und Murmeltiere. "Der schafft es sogar, mit dem Reh bis nach oben in den Baum zu klettern", verrät Imke Heyter. Menschen stünden jedoch ausdrücklich nicht auf dem Speiseplan des Einzelgängers, der vor allem nachts jagt. "Selbst wenn er bei uns wieder heimisch würde, bekämen Menschen ihn in freier Wildbahn kaum zu Gesicht. Der Luchs hat sehr scharfe Sinne, riecht, sieht und hört Menschen auf weite Entfernung und geht ihm aus dem Weg", sagt die Wildpark-Chefin.
Lugh und Loki sollen nicht alleine bleiben. "Am Ende soll im Gehege eine Population von fünf bis sieben Männchen leben", kündigt Imke Heyter an. Die kämen untereinander gut klar, solange kein Weibchen in der Nähe ist.
Der Wildpark Schorfheide befindet sich in Groß Schönebeck, Prenzlauer Straße 16. Um die scheuen Tiere regelmäßig zeigen zu können, werden sie täglich um 11.30 Uhr gefüttert. Es kann aber noch einige Zeit dauern, bis sie sich an diese Zeit gewöhnt haben.
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