Mitten in der Uckermark stoppt die Fahrt des EuroCity Prag-Stettin. Seit Monaten schafft es die Deutsche Bahn nicht, genug Diesellokomotiven bereitzustellen. Der Fernzug verendet mit schöner Regelmäßigkeit in Angermünde oder Tantow.
Die legendäre Bahnlinie Angermünde-Stettin hat abenteuerliche Tücken. Langsamfahrstellen durch schwimmenden Untergrund verzögern die Reise. Kühe und Pferde eines unverbesserlichen Tierhalters tummeln sich auf den Gleisen. Und der EuroCity kapituliert in Tantow wegen defekter Diesellok. "Die Verbindung ist äußerst unzuverlässig", schimpft eine verärgerte Reisende, die bereits häufiger solche Ausfälle auf gleicher Strecke hinter sich hat. Der weitgereiste Zug aus Prag über Berlin bleibt einfach stehen. Mitten in der Uckermark. Eine halbe Stunde später werden die 23 Reisenden mit einem Bus abgeholt und nach Stettin gefahren.
Der jüngste Stopp vor wenigen Tagen ist kein Einzelfall. Lag es diesmal nach Auskunft der Deutschen Bahn an einem "irreparablen Triebfahrzeugschaden", so fehlt in den meisten Fällen die ab Angermünde notwendige Diesellok. Weil die Bahnstrecke ab Passow nicht elektrifiziert ist, müssen die Lokomotiven ständig gewechselt werden. "Aus irgendwelchen Gründen steht aber in Angermünde häufig keine Lok zur Verfügung", berichtet Pendler Andreas Schwarze vom Fahrgastverband ProBahn.
Die Folge: Reisende müssen raus aus dem Zug und auf die folgende Regionalbahn warten, um nach Stettin zu kommen. Das gleiche Problem ergibt sich dann im Rückverkehr, weil der Zug auf dem Angermünder Bahnhof stehen bleiben muss.
Die Deutsche Bahn bestätigt das Problem. Bis zum 12. Dezember hat es allein in diesem Jahr 16 solcher Teilausfälle auf der Stettiner Linie gegeben. Schon im Juni hatte sich ProBahn bei der DB Fernverkehr beschwert. Man sei mit der Situation des EuroCity nicht ganz zufrieden, hieß es in einem Antwortschreiben des Unternehmens. Man arbeite daran, die Probleme bei den Fahrzeugen zu lösen.
Offenbar ohne Erfolg. Denn fehlende oder defekte Dieselloks nerven regelmäßig Bahnpersonal und Fahrgäste. Die Ursachen dafür behält die Deutsche Bahn für sich. "Eine peinliche Kür", so Andreas Schwarze.
Offenbar bleibt die Eisenbahnlinie Angermünde-Stettin das Stiefkind im internationalen Grenzverkehr. Ohne zweigleisigen Ausbau und Elektrifizierung kann der Zug kaum dem Schnellverkehr auf der Autobahn Konkurrenz machen. Darüber beschweren sich Kommunalpolitiker und Pendler schon seit Jahren. Und eigentlich sollte noch in diesem Jahr ein deutsch-polnisches Abkommen für den Ausbau unterzeichnet werden. Das steckt aber offenbar irgendwo fest.
Stattdessen verweist die Bahn andauernd auf die geringen Fahrgastzahlen. 30 bis 40 Personen im Durchschnitt pro Zug. Das verwundert nicht angesichts ständiger Unsicherheiten auf der Strecke. ProBahn machte nun den Vorschlag, den Zugwechsel schon in Berlin-Gesundbrunnen vorzunehmen, in der Hoffnung, dass dort mehr Loks vorrätig sind. Doch vergeblich. Die Verfügbarkeit von Dieselloks sei dort auch nicht besser, antwortete DB Fernverkehr.
Endstation Tantow: Bis hierhin schaffte es die Diesellok noch. Dann musste der Zug wegen irreparabler Schäden aufgeben. Reisende wurden mit dem Bus geholt. Häufig steht die Lok in Angermünde gar nicht zur Verfügung. Foto: Horst Mecklenburg