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Klosterheide wird wohl bald keine Feuerwehr mehr haben

Die vierte Wehr, die geht

In Klosterheide gehen bei der Wehr bald ganz die Lichter aus.
In Klosterheide gehen bei der Wehr bald ganz die Lichter aus. © Foto: Schönberg
Christian Schoenberg / 10.01.2012, 21:53 Uhr - Aktualisiert 11.01.2012, 00:06
Klosterheide (MZV) Wenn am Freitagabend die Jahresdienstversammlung der Lindower Feuerwehr über die Bühne geht, wird man sich auch damit beschäftigen müssen: Den Entschluss der Klosterheider Ortswehr, sich aufzulösen.

Mit der Klosterheider Einsatzgruppe würde nach dem Abmelden der Hindenberger, der Banzendorfer und jüngst der Strubenseer die vierte von einst elf Ortswehren im Amtsbereich Lindow nicht mehr bestehen.

Laut Thomas Lutter von der Klosterheider Wehr habe sich der Entschluss dazu im Herbst abgezeichnet. Da war klar geworden, dass die Einsatzfähigkeit wegen mangelnder Ausbildungszeit in Frage gestellt wird.

„Die Anforderungen, die vom Land und von Lindow gestellt werden, sind viel zu hoch“, sagt Lutter. Mit Blick darauf, dass alle Aktiven auch einem Beruf nachgehen, sei das hohe Ausbildungspensum nicht zu schaffen. Sie liegt bei vom Land vorgeschriebenen 40 Stunden pro Einsatzkraft und Jahr. „Wir verdienen unser Geld nunmal mit unserem Beruf“, so Lutter.

Amtswehrführer Ulrich Kausel bestätigt, Kritik an der Ausbildungszeit in Klosterheide geübt zu haben. Diesbezüglich habe er zwar noch keine Zahlen schriftlich. „Aber mir ist bekannt, dass von acht Aktiven vier nicht eine einzige Ausbildungsstunde absolviert haben“, sagte er.

Bei beruflicher Anspannung müssen nicht unbedingt 40 Stunden bewältigt werden. „Da reichen auch schon mal 30.“ Aber bei so vielen Nullrunden müsse die Einsatzfähigkeit in Frage gestellt werden.

Für Kausel ist es aber „noch nicht 100 Prozent sicher“, dass sich die Klosterheider Ortswehr auflöst. Wenn die drei, vier Leute, die noch an Ausbildungsrunden teilgenommen haben, in Lindow bei der Stange bleiben, könnte eine Lösung wie in Seebeck geschaffen werden.

Dort haben die Kameraden nach ähnlichen Schwierigkeiten einen eigenen Stützpunkt mit Fahrzeug behalten. Lehrgänge werden aber nur in Lindow absolviert. „Sie kommen dann mit ihrem eigenen Fahrzeug zu uns“, so der Amtswehrführer. Ihm zufolge werde weiter darum gekämpft, sämtliche Ortswehren zu erhalten.

Ob der Kampf um die Dorf-Einheit in Klosterheide noch irgendeinen Erfolg zeigen wird, steht aber auf einem anderen Blatt. Tradition hat die Wehr jedenfalls. Noch am Freitag sind Wolfgang Nettelbeck für 40 und Monika Adamski für 30 Dienstjahre geehrt worden.

Laut Lutter gebe es nun aber in Klosterheide nur einen einzigen, der sich zumindest überlegt, in Lindow weiter zu machen. Dagegen werde sonst – Stand gestern Abend – die Hälfte in die Alters- und Ehrenabteilung wechseln. Die andere Hälfte, also die jüngeren, werde die blaue Kluft ganz ablegen.

Kaum von der Hand zu weisen ist, dass der Abtritt der Klosterheider Wehr ein langes Vorspiel hat: Noch 2009 war hoffnungsvoll mit Plänen gespielt worden, ein neues Gerätehaus zu bauen. Schließlich hatte der Ort eine eigene, gut gefüllte Rücklage angespart.

Doch die klamme Stadt Lindow, der sich Klosterheide vor gut zehn Jahren freiwillig angeschlossen hat, entnahm zum einen selbst aus dieser Kasse Geld, so dass die Rücklage schrumpfte. Zum anderen war der Bau eines neuen, größeren Hauses abgelehnt worden: Der hoch verschuldeten Stadt passten die hohen Folgekosten für Abschreibung und Betrieb des Gebäudes nicht.

„Wir sind da schon zum Narren gehalten worden“, erinnert sich Lutter, der letztlich aber diese Situation nicht als ausschlaggebend für die Wehrauflösung ansieht. Viel entscheidender seien die hohen Vorgaben vom Land. Es sei schwierig, im Ehrenamt Anforderungen zu erfüllen, „die praktisch der einer Berufswehr gleichkommen“, kritisiert Lutter.

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