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Polizei errichtet Funkmast in Blumberg / Petitionsausschuss sagt Ortstermin ab

Turm regt Einwohner auf

Wie ein Bleistift in der Landschaft: Bauarbeiter errichten den umstrittenen Polizeifunkmast in Blumberg bei Casekow. Er soll rund fünf Meter höher sein als geplant.
Wie ein Bleistift in der Landschaft: Bauarbeiter errichten den umstrittenen Polizeifunkmast in Blumberg bei Casekow. Er soll rund fünf Meter höher sein als geplant. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 18.04.2012, 07:59 Uhr
Blumberg (MOZ) Gegen den Protest von Einwohnern ist im Casekower Ortsteil Blumberg ein 60 Meter hoher Polizeifunkmast errichtet worden. Ein Ortstermin mit dem Petitionsausschuss des Bundestages wurde kurzfristig abgesagt. Der Funkmast Blumberg scheint eine unendliche Geschichte zu sein.

Blumberger befürchteten, der Turm verletze den Denkmalschutz von Kirche und Schlossanlage. Nun schafft der bleistiftdünne Mast vollendete Tatsachen. Der Stromversorger eon.Edis muss ihn nur noch anschließen. Dann könnte er seine Arbeit für den digitalen Funkbetrieb der Brandenburger Polizei aufnehmen. Rettungskräfte wie Polizei und Feuerwehr müssten nicht mehr über Analogfunk arbeiten und könnten während des Einsatzes miteinander kommunizieren.

Soweit der Vorteil. Doch für den digitalen Funkbetrieb sind Türme notwendig, die sich in einem exakt ausgezirkelten Netz über das ganze Land verteilen. Das kleine Dorf Blumberg fällt genau in diese Netzkoordinaten.

Die Suche nach einem Standort für den Mast im direkten Umkreis des Ortes hat drei Jahre gedauert. Angesichts von Einwohnerversammlungen und Vor-Ort-Begehungen versichert der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann: "Das Verfahren ist rechtsfehlerfrei gelaufen."

Ein Beschluss der Gemeindevertretung Casekow hatte schließlich grünes Licht für den Standort in der Nähe des ehemaligen volkseigenen Gutes gegeben. Doch 137 Blumberger sprachen sich mit ihrer Unterschrift gegen den Funkmast aus. Sie fürchteten, dass der Riesenspargel den Anblick der denkmalgeschützten Kirche und der Schlossanlage verschandelt. Sie wandten sich sogar an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.

"Wir haben das Infrastrukturministerium in Potsdam gebeten, die Zustimmung zum Bau vorläufig auszusetzen, damit der Petitionsausschuss sich ein Bild machen kann, bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden", sagt Erimar von der Osten, der mit seiner Familie Land- und Forstwirtschaft in Blumberg betreibt und die historische Schlossanlage liebevoll wieder aufgebaut hat. "Leider hat uns das Ministerium abschlägig beschieden."

Im März wurde mit den Bauarbeiten am Funkturm begonnen. Zu allem Unglück für die Protestierenden hat auch der Petitionsausschuss des Bundestages mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und SPD seinen Ortstermin in Blumberg abgesagt. "Dass ein bereits beschlossener Ortstermin nachträglich wieder abgesetzt wird, ist ein skandalöser Vorgang. Der Ausschuss stiehlt sich aus seiner Verantwortung", sagt Bundestagsabgeordnete Sabine Stüber. Sie ist Berichterstatterin der Fraktion Die Linke für diese Petition.

Der Ausschuss habe die Absage des Termins mit neuen Erkenntnissen begründet. Demnach sei eine Bundeszuständigkeit nicht vorhanden, da die Bundesrepublik die Kompetenz für die Standortsuche an das Land Brandenburg abgegeben habe.

Ein Ortstermin dieses Bundestagsausschusses war indes dem Gartzer Amtsdirektor gar nicht bekannt. "Wenn der Ausschuss so einen Termin plant, dann werden wir doch informiert", setzt Gotzmann voraus.

Die Sorgen der Funkmastgegner werden indes nicht von allen Blumbergern geteilt. Ortsvorsteher Peter Preuß kann durch den Turm keine Beeinträchtigung des Denkmalschutzes erkennen. "Der Turm ist ja recht dünn. Sein Anblick verstellt nicht die Sichtachsen auf die Kirche und auf unsere Dorfmitte. Das sehen auch andere Bürger so, mit denen ich gesprochen habe", sagt er.

Für Erimar von der Osten ist jedoch klar: "Gemeindevertreter haben dem Druck nicht standgehalten, den die Landesbehörde hier bei der Standortwahl aufgebaut hat. Wir haben gehofft, dass man die Betroffenen viel mehr mit einbezieht, und das sind wir, weil wir ein Denkmal unterhalten." Seiner Meinung nach hätte es einen Standort für den Funkmast geben können, der die Belange des Denkmalschutzes nicht verletzt.

In einem Punkt dürften sich die Blumberger einig sein: Egal, wo der Funkturm steht, er wird von überall her gesehen.

Leserforum

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Andreas Schwarze 20.04.2012 - 14:47:16

Die MOZ

hat jedenfalls eines mit diesem Artikel NICHT erreicht; Nämlich erneut UNRUHE zu stiften. Denn der Mast steht ja nun und von den Behörden ist bekanntlich auch nicht unbedingt gewünscht gewesen die Standorte wieder-und-wieder zu benennen. Es sind schließlich der Sicherheit dienende Einrichtungen die nicht Ziel von möglichen Anschlägen o.ä. werden sollten. Irgendwann ist auch mal gut. ;-)))

Kopf 20.04.2012 - 14:36:09

Unverständlich

Inzwischen gibt es gegen jede Entwicklung gleich eine Gegeninitiative. Wenn das so weiter geht wird die Region immer rückständiger. Gerade bei dem Mast müsste doch jedem einleuchten, dass er wichtig ist. Da sehe ich es genauso wie weiter unten schon geschrieben wurde: Es ist gut wenn die Politik mal ein Machtwort spricht. Wenn man es in Blumberg mit dem Denkmalschutz ernst nehmen würde, müsste man auch den Aspahlt von den Straßen kratzen und wieder Kopfsteinpflaster einbauen. Zudem dürften keine Autos, sondern nur noch Pferdekutschen fahren. Viel Spaß dabei!

Schwe67 18.04.2012 - 19:05:15

Dieser Mast ist

ungleich notwendiger, wichtiger und erträglicher als jede 170 m hohe zappelnde Windmühle, die ihren Strom auch noch über eine riesige Freileitung nach Bayern transportieren muß.

OF 18.04.2012 - 17:17:16

Ziemlich Spät wo die Infos schon so lange Bekannt sind

Und ich hoffe es wird nicht Zwingend als Werbung ausgelegt das ich die Seite und den Artikel hier verlinke...Ich habe auf Casekow.net gestern einen Artikel zu dem Thema eingestellt mit ein paar Fotos...Unter anderem mit Blick aus Schönow kommend und die sogenannte Sichtachse nunja... http://casekow.net/?p=505 Man kann den Turm einzig aus Richtung Zichow (durch die Wiesen kommend) sehen. Im Dorf selber wird er Größtenteils von anderen Häusern verdeckt. In meinen Augen haben gerade die Initatioren der Antiturmbewegung nur ihren Willen durchsetzen wollen und einen Teil der Dorfbevölkerung auf ihre Seite gezogen... Das zu dem Thema eigentlich Desinteresse der Dorfbevölkerung herrschte kann man aus einem Videobeitrag des RBB (auch auf der C Net Seite zu finden) ersehen! Nur mal so... Und das z.b. in Brandenburg die Feuerwehren demnächst mit Digitalfunk ausgerüsstet werden sollen sagt ja auch das der Funkturm für Jedermann wichtig ist!

BMT 18.04.2012 - 15:01:13

@ D. SCH

1. Wenn ich mich recht entsinne, ist der jetzige Standort nicht mehr der ursprüngliche im Ort selbst.... - ein gewisser Spielraum bleibt. 2. Ohne es genau zu wissen, gehe ich bei ich glaube 100 Masten in Brandenburg davon aus, dass es auch welche mit einem Standort im Wald gibt. Und ich schließe also nicht aus, das hierfür Bäume gefällt worden sind... 3. Man will ja jetzt sogar Windräder in Wäldern bauen... auch Stromtrassen oder Telefonleitungen führen durch Wälder.... 4. Was ist mit den Masten ö.ä. die dafür nötig sind, dass alle mit dem Handy telefonieren oder ins Internet können - hier sind die meisten dafür?!? oder fordern sie sogar... 5. Somit ist unnötiges überspitzen nicht erforderlich...

SCHWE68 18.04.2012 - 15:00:17

@D.Sch.

Warum legt der Kuckuck seine Eier ins falsche Nest ? Warum sind Gurken und Bananen krumm ? Warum haben Nüße harte Schalen ? Warum fragen sie sowas ? Warum ?

D. Sch. 18.04.2012 - 13:07:40

@BMT

Was wäre gewesen, wenn genau an dieser Stelle Wald wär? Hätte man diesen gerodet? Oder es wäre eine dichtbebaute Wohnsiedlung gewesen, wo für diesen Trum kein Platz wär? Hätte man dann diese Wohnsiedlung abgerissen und die Bewohner zwangsumgesiedelt?

BMT 18.04.2012 - 12:50:12

@ "Mastkritiker"

Wenn Feuerwehr, Polizei o.a. BOS-Funknutzer im Ernstfall keine Funkverbindung haben, kann es MENSCHENLEBEN kosten!!! Und wenn die Experten der Landespolizei Brandenburg festgestellt haben, dass genau dort ein Mast stehen muss um eine zuverlässige Funkabdeckung zu erzielen, dann ist es verdammt noch mal so - denn es gibt NATURGESETZE... Und wer dies nicht akzeptiert, ist freundlich ausgedrückt "wenig klug"

Schwedter 18.04.2012 - 12:43:10

...

@Herr Schwarze. Das trägt zur Aufklärung plausibel bei jedoch nicht die Überschrift der Motzkowskiredaktion. Diese Aufklärungsarbeit hätte im Artikel gewährleistet werden sollen. So ist mir die Überschrift zu reißerisch.

Andreas Schwarze 18.04.2012 - 11:57:13

@ D. SCH

Ihre Idee verstehe ich, jedoch muss eine Mobilfunkzelle sich gut verbreiten können (sog. Bodenwelle), dafür ist eine möglichst flache Umgebung erforderlich - damit sie "Atmen" kann. Daher eignen sich ja auich Schornsteine und Masten besser als Hausdächer, da man - wenn man unten drunter steht quasi im Funkschatten ist. So ist o2 (telefonica) (was die Stadtwerke demnächst anbieten) vom DHG Speicher in Casekow kürzlich auf den Telekom-Grundnetzmast (60 Meter Höhe) am Tuleier Berg "umgezogen", da wenn der Zug am Bahnhof unter dem Speicher hielt die Gespräche abbrachen. Daran merken Sie wie wichtig es sein kann einen geeigneten und koordinierten Standort zu haben. ;-)

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