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In der Böhmerheider Igelstation beginnt die Zeit der Auswilderung / Ludwig, Merle und Pauli sind schon zu Hause

Abschied nach dem Winterschlaf

Mal raus in die Natur: Igel Billi, Wintergast in der Igelstation Schorfheide, wird demnächst ausgewildert.
Mal raus in die Natur: Igel Billi, Wintergast in der Igelstation Schorfheide, wird demnächst ausgewildert. © Foto: Andreas Karpe-Gora
Ellen Werner / 07.05.2012, 21:55 Uhr
Böhmerheide (MOZ) Allmählich sind fast alle Igel erwacht. 45 der kleinen Säugetiere hat Gabriele Dunst in Böhmerheide über den Winter gebracht. In der Igelstation steht nun die Auswilderung der Tiere an. Zum Tag der offenen Tür am Sonntag holten die ersten Igelfinder ihre Schützlinge ab.

Pauli ist inzwischen nach Potdsam zurückgekehrt, Merle nach Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark). Nur Ludwig hatte es nicht ganz so weit. Der etwa ein halbes Jahr alte Igelmann hat ein neues Zuhause - in Neugersdorf am Gamensee.

Dort hat Imker Klaus-Peter Schneider sein Wochenendgrundstück. "Wir brauchten einen Partner für unsere Susi", erklärt der Bad Freienwalder. Das Weibchen hat Familie Schneider im Winter beherbergt. "Seit Längerem wildern wir schon Igel aus", sagt der 69-Jährige. "Im Sommer klopfen dann manchmal zehn bis zwölf Igel an und fragen nach Abendbrot." Für Schneider sind die Stacheltiere - neben den Bienen - längst ein Hobby geworden. Ihre Zahl habe jüngst jedoch abgenommen.

"Den Ludwig haben Schneiders zur Stärkung der Population mitbekommen", sagt Gabriele Dunst. Außer zu diesem Zweck gibt sie die Tiere am liebsten ihren Findern zurück. "Die Igel da auszuwildern, wo sie gefunden wurden, ist die schönere Variante."

Seit Jahren hat die 56-Jährige ihren Lebensrhythmus auf den der Igel abgestimmt. Der Garten ihres Hauses im Zeisigsteg 9 ist für die Freigehege reserviert. Die Innengehege belegen einen Raum im Bungalow. Vor allem im Herbst bringen besorgte Finder die Tierbabys vorbei. "45 hatte ich jetzt hier", sagt die Böhmerheiderin, die Krankenschwester, Ernährerin und in vielen Fällen Mutterersatz für die Tiere ist. Seit dem vorigen August gingen insgesamt etwa 100 Igel durch ihre Hände. Wurmbehandlungen führt sie teilweise auch ambulant durch, behält Igel für die Zeit der Spritzenbehandlung da und begleitet die Finder, die noch Rat benötigen, später telefonisch.

Dass sie am Sonntag einen Tag der offenen Tür gestalten konnte, liegt am Verein, der sich im Dezember zum Erhalt der Igelstation gegründet hat. Gabriele Dunst nahm das eine große Last von den Schultern. Allerdings: Seither kommen sowohl mehr Igel als auch mehr Leute.

Dass mit der größeren Öffentlichkeit aber auch die Zahl der Unterstützer wächst, freut Gabriele Dunst. "Wir haben am Sonntag zwei Mitglieder gewonnen." Dankbar ist sie zudem für die Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr aus der Clara-Zetkin-Siedlung in Eberswalde, die Mulch in die Gehege brachte.

Für Gabriele Dunst heißt es jetzt Abschied nehmen von den Herbstbabys des Vorjahres. Auch wenn drei Igel "noch nicht so richtig wachwerden wollen" und einen Vitamin-B-Komplex ins Futter bekommen. Nur sehr selten passiert es, dass ein Igel gar nicht aus dem Winterschlaf erwacht. "Über die zwölf Jahre sind hier nur zwei Igel im Winterschlaf gestorben."

Ausgeschlafene Tiere unterzieht Gabriele Dunst einem Gesundheitscheck. Bei manchen muss sie zudem noch füttern, damit sie propper genug für Frühjahr und Freiheit sind. Die Meinungen für das richtige Gewicht zu Auswilderung gehen auseinander. "Bei mir sind es 700 bis 750 Gramm. Ich mache das nach meiner zwölfjährigen Erfahrung", sagt Gabriele Dunst. Voraussichtlich bis Ende Mai sind all ihre Wintergäste in der freien Natur.

Das nächste Mal im September können sich Besucher ansehen, wie es in der Igelstation zugeht. "Dann ist es natürlich eine ganz andere Phase", sagt Gabriele Dunst. "Dann haben wir hier die Säuglinge, die alle drei Stunden gefüttert werden müssen."

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