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Atelier im Grünen

Alexandra Weidmann ist die Banzendorfer Umgebung ans Herz gewachsen.
Alexandra Weidmann ist die Banzendorfer Umgebung ans Herz gewachsen. © Foto:
Christian Schoenberg / 14.05.2012, 18:50 Uhr
Banzendorf (MZV) Da bekabbeln sich zwei rosa Rammler auf dem grünen Fußballplatz. Ein am Boden liegender Torwart erhält einen Tritt von einem uniformierten und bewaffneten Schergen. „The winner takes it all“ – „Der Sieger nimmt alles mit“ – nennt Alexandra Weidmann das Bild.

Mit ihren Gemälden hat die 50-Jährige erst zu Beginn des Jahres in der Havelstadt Werder für Aufmerksamkeit gesorgt. Dort waren ihre surrealistisch anmutenden Werke mit dem Rückgriff auf die mediale Sportwelt mehrere Wochen lang im Kunst-Geschoss zu sehen.

Auch in Banzendorf am Tag des Offenen Ateliers konnte man sich ein Bild von ihnen machen. Daran war vor 20Jahren noch nicht zu denken, als Weidmann mit ihrem Mann Günter Hommel das Grundstück in dem Lindower Ortsteil erwarb. Und auch viele Jahre danach noch nicht wirklich: „Es war schon schwierig, hier etwas aufzubauen“, erinnert sich Weidmann.

Die Gebäude waren so baufällig, dass sie am Ende abgerissen werden mussten – und völlig neu aufgebaut. So dauerte es etliche Jahre, bis das Paar tatsächlich nach Banzendorf kommen und Weidmann ihr Atelier aufbauen konnte. Von den Anstrengungen damals ist heute keine Spur: „Es hat sich alles ganz toll entwickelt“, sagt die gebürtige Augsburgerin.

1996 habe sie ihren Brotberuf als Informatikerin aufgegeben, um sich ganz der Kunst zu widmen. Anfangs war sie in einer ganz normalen Zeichengruppe, von der sie den Weg zur Kunst des Formens von Ton fand. Auch in Banzendorf hat Weidmann Brennöfen zu stehen und natürlich Skulpturen, Tierfiguren vor allen Dingen, zum Beispiel ein fetter, fauler Keiler in der Blumenwiese hockend.

Landschaftsmalerei ist Weidmann nicht fremd. Banzendorf biete sich geradezu dafür an, sagt sie mit Blick zum grünen Feld- und Waldgelände hinterm Haus. „Aber Landschaft übt die Hand nicht“, betont sie. Es sind die Menschen und Tiere, die in der Abbildung viel mehr Proportion und geschulten Umgang mit der Perspektive erfordert. Das sieht man auch den Fußballer-Gemälden an, die nicht einfach nur die mediale Sportwelt wiedergeben. In ihnen steckt auch Kunstgeschichte, betont Weidmann: Tatsächlich schwebt ein Fußballer wie an einem Kreuz über dem Rasen, ein anderer liegt verletzt auf dem Rasen – und bei näherem Hinsehen wie der aufgebahrte Leichnam Jesu auf einem Altarbild. „Die Bibelgeschichten werden in den Kirchen häufig wie ein Comic, eine Bildergeschichte, dargestellt“, weiß Weidmann.

Diese alte Tradition habe viel Übereinstimmung mit der heutigen Alltagskultur. Die Anknüpfungspunkte sind also da, Weidmann hat sie in den Betrachter überraschender Weise umgesetzt. So wie auf dem Bild „The winner takes it all“: Das an sich harmlose Spiel wird zur brutalen Gewaltorgie. „Wir stehen dauernd in Konkurrenzsituation“, so Weidmann. „Einer verliert und einer gewinnt.“

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