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In Kiehnwerder steht keine Wohnung leer / Berliner engagieren sich

Reicher Kindersegen auch ohne Adebar

Ortsvorsteher Peter Hübner (links) unterhält sich mit Reinhold Scholz, der viele Jahre Lehrer und zeitweise auch Bürgermeister war.
Ortsvorsteher Peter Hübner (links) unterhält sich mit Reinhold Scholz, der viele Jahre Lehrer und zeitweise auch Bürgermeister war. © Foto: Johann M¸ller
Ulf Grieger / 27.07.2012, 20:37 Uhr - Aktualisiert 06.08.2012, 15:18
Kiehnwerder (MOZ) Die Ortsvorsteher wissen, wo der Schuh drückt. Sie hören als Erste von den Sorgen der Bürger. In einer Serie gehen wir den Problemen nach, lassen uns aber auch die schönen Ecken zeigen. Peter Hübner war mit uns in Kiehnwerder unterwegs.

Herz für Tiere: Norbert Albrecht hält auf seinem Hof Ziegen, Enten, Kaninchen, Zebrafinken und Nymphensittiche.
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Wenn die Sage vom Storch, der die Kinder bringt, stimmen würde, müsste Kiehnwerder auf vielen Dächern Nester haben. Tatsächlich aber meidet Adebar den vor knapp 255 Jahren gegründeten Ort. Dabei ist das ein sehr fruchtbares Dorf: 18 der 140 Kiehnwerderaner sind jünger als 14. "Allein in den vergangenen drei Jahren sind bei uns sieben Kinder geboren", freut sich Birgit Hübner, die Frau des Ortsvorstehers. "Und das Schöne ist, dass auf vielen Höfen mehrere Generationen zusammen leben."

Der Hübner-Hof ist typisch für Kiehnwerder. Zum großen Bauernhaus gehörten 25 Hektar, die bei der Gründung der LPG "Karl Liebknecht" eingebracht worden waren. Die LPG bestimmte bis zur Wende das Leben im Dorf, die gemeinsame Arbeit erhielt und strukturierte die Beziehungen der Menschen untereinander. Nach der Wende mussten sich viele Kiehnwerderaner umorientieren.

Auch Kfz-Meister Peter Hübner. Er war Landmaschinenmeister bei der Tierproduktion Sietzing und spezialisierte sich auf Pkw. Heute arbeitet der 50-Jährige in einem Seelower Autohaus. Für den gebürtigen Kiehnwerderaner, der bereits viele Jahre als Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister gearbeitet hatte, war es ganz folgerichtig, dass er 2003 den vakanten Posten des Ortsvorstehers übernahm. "Ich habe mich praktisch ins gemachte Nest gesetzt. Das Wichtigste war ja bereits entschieden und durchgestanden", meint Peter Hübner.

Tatsächlich scheint Kiehnwerder heute kaum schwerwiegende Probleme zu haben. Die Windräder am östlichen Horizont sind kaum zu hören. Es gibt keine leer stehenden Wohnungen. Die Wahl-Kiehnwerderaner aus Berlin, die liebevoll Fachwerkhäuschen sanieren und sich im Dorf erholen wollen, engagieren sich für "ihre" Gemeinde. Vor allem seit der 250-Jahr-Feier wuchs der Zusammenhalt, finden regelmäßig Dorffeste statt.

Lediglich beim Thema "Massentierhaltung" gab es vor zwei Jahren etwas Aufregung. Zur Einwohnerversammlung waren viele Leute von außerhalb angereist, um gegen die industrielle Hähnchenmast zu argumentieren. Doch für die meisten Einwohner und auch den Ortsvorsteher ist die moderne Anlage in Neu Rosenthal eine wichtige Investition im Dorf. "Es muss natürlich klar sein, dass die Leute hier vor Ort auch Arbeit haben müssen", sagt Hübner. Heute gibt es kaum noch Protest gegen die Anlage von Tobias Winnige, die seit Jahresbeginn voll in Betrieb ist. Sechs bis sieben Arbeitskräfte finden dadurch Lohn und Brot auf dem Winnige-Hof, dem letzten Landwirtschaftsbetrieb im Dorf. Noch einmal 300 Arbeitskräfte gibt es in der Storkower Schlachterei, wo der Neu Rosenthaler seine Tiere weiterverarbeitet. "Ich stehe zu dieser industriellen Tierhaltung", sagt Tobias Winnige.

Während des Dorfspaziergangs wechseln sich Sonne und Gewittersturm ab. Immer wieder suchen die Spaziergänger, zu denen sich auch der pensionierte Lehrer und einstige Bürgermeister (1979 bis 1982) Reinhold Scholz gesellt hat, unter den prächtig blühenden Linden der Dorfallee Schutz. Scholz erzählt von seiner Ankunft 1956 in Kiehnwerder. Da war die Dorfstraße noch nicht befestigt. "Die Schwangeren wurden mit dem Ochsenwagen bis zur Kreuzung vorgefahren", erzählt er. Heute ist selbst die Buswendeschleife wunderbar gepflastert. Und weil die Ortsdurchfahrt eine Kreisstraße ist, brauchen sich die Dörfler auch nicht um den Winterdienst zu kümmern.

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