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Mit dem Luftgewehr im Anschlag

Kirchsee in Baumgarten, Gemeinde Sonnenberg
Kirchsee in Baumgarten, Gemeinde Sonnenberg © Foto: Matthias Henke
Thomas Gutke / 16.10.2012, 18:16 Uhr
Baumgarten (mzv) Das Amtsgericht Zehdenick hat das Verfahren gegen Kirchsee-Eigentümer Rainer G. gegen Zahlung einer Geldbuße endgültig eingestellt. Vor einem Jahr hatte der 69-Jährige einen Jungen mit einer Schusswaffe bedroht, als dieser mit einem Kanu auf dem Gewässer paddelte.

20 Minuten verhandelten die Parteien in Saal 6 hinter verschlossenen Türen. Dann ging alles ganz schnell. Mit einem grünen Filzhut in der Hand nahm Rainer G. entspannt auf der Anklagebank Platz, machte Angaben zu seinen Personalien und ließ seinen Anwalt sprechen. Die Anklage las aus dem Strafbefehl vor, die Verteidigung verwies auf eine schriftliche Einlassung. Kurz darauf verkündete Richterin Ulrike Manthey: das Verfahren werde wie besprochen endgültig eingestellt, mit der Auflage, innerhalb von drei Monaten eine Geldbuße in Höhe von 800 Euro an die Landesjustiz zu überweisen. "Haben Sie einen Überweisungsträger?", fragte der Verteidiger, ehe sich Rainer G. den grünen Filzhut auf den Kopf setzte und seines Weges ging.

Enttäuscht reagierten einige im Gerichtssaal vertretene Baumgartener. "Jetzt kann er uns weiter tyrannisieren", meinte eine der Anwesenden. Denn seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Anwohnern und dem Seebesitzer. Ein Streit, der auch gut in einen Freitagabend-Fernsehfilm passen würde.

Alles begann, als Rainer G., vier Kinder, Rechtsanwalt aus Bonn - also aus dem Westen -, den beschaulichen Kirchsee in Baumgarten - sprich im Osten - erwarb. Es dauerte nicht lange, da entzündete sich zwischen Anwohnern und dem See-Eigentümer ein Konflikt um Nutzungsrechte. Nach GZ-Informationen ging es dabei unter anderem um einen alten Steg, den ein Anlieger abreißen und stattdessen einen etwas größeren bauen ließ. Das passte Rainer G. offenbar nicht, weshalb der Steg wieder abgerissen werden musste.

An einem Wochenende Ende Juli 2011 eskalierte die Situation. Ein 16-Jähriger, der am Kirchsee Urlaub machte, befuhr am späten Nachmittag mit einem Kanu das Gewässer. Als Rainer G. dies bemerkte, forderte er den Jungen laut Polizeibericht von damals mit drohenden Worten und gestikulierend dazu auf, vom See zu verschwinden. Der Jugendliche habe sofort reagiert und sei Richtung Ufer gepaddelt. Wie Zeugen später berichteten, blies ihm dabei jedoch ein heftiger Gegenwind ins Gesicht, weshalb er nur schwer vorankam. Dann tat Rainer G. das, weshalb er gestern in Zehdenick vor Gericht erscheinen musste: Er holte ein Luftdruckgewehr - Modell Diana 24 - aus dem Kofferraum seines Autos, legte an und zielte aus etwa 20 Metern Entfernung auf den Jungen. Der Vater des Jugendlichen hatte Rainer G. damals kurz darauf die Waffe entrissen und die Polizei verständigt. Rainer G. ergriff die Flucht, konnte jedoch wenig später in Klosterheide gestellt werden. Verantworten musste sich der Angeklagte am Ende nicht nur wegen Nötigung, sondern auch wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe. Denn den für das Kaliber erforderlichen Waffenschein besaß Rainer G. nicht.

Die endgültige Einstellung des Verfahrens mit Zahlung einer Geldbuße ist der vorläufige Schlussstrich unter diese unrühmliche Wildwest-Geschichte. Ob sich die Gemüter rund um den Kirchsee damit nun beruhigen, bleibt jedoch abzuwarten. Wer, wie den See nutzen darf, ist klar geregelt. "Einwohner können baden, Wasser schöpfen und auch Boot auf dem See fahren. Ausgenommen sind Motorboote, da es sich um ein Schutzgebiet handelt", erklärt Baumgartens Ortsvorsteher Hartmut Schmidt. Auch Angeln kann man nicht einfach so. Dafür braucht es eine Angelkarte. Die wiederum verkauft Schmidt als einer von zwei Pächtern des Sees. Den Ausgang des Verfahrens will er deshalb nicht kommentieren.

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