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Forsche Rentnerin wagt Wiederaufbau des Infoschilds am Buswartehäuschen Beauregard

Rentnerin verzweifelt: Symbol eines "letzten Versuchs"

Letzte Chance: Freya-Hilde Schneider beim Errichten des Informationsschildes vor ihrem Wochenendhäuschen im Wriezener Ortsteil Beauregard.
Letzte Chance: Freya-Hilde Schneider beim Errichten des Informationsschildes vor ihrem Wochenendhäuschen im Wriezener Ortsteil Beauregard. © Foto: Sören Tetzlaff
Christina Schmidt / 17.10.2012, 23:06 Uhr
Beauregard (MOZ) Der Wiederaufbau des Informationsschildes am einstigen Bahnhof Beauregard und jetzigen Wochenendhaus ist ein Hoffnungsschimmer für Besitzerin Freya-Hilde Schneider. Ihrem Traum von Ruhe und Beschaulichkeit will sie trotz Vandalismusschäden eine letzte Chance geben.

Erholung im Alter, das hatte sich Freya-Hilde Schneider gewünscht, als sie vor Jahren das ehemalige Kassenhäuschen des Beauregarder Bahnhofs zu ihrem Wochenenddomizil umfunktionierte. Viel Arbeit und eigenes Engagement steckte sie zudem in die Renovierung des Buswartehäuschen gleich nebenan, ließ Bänke im eigenen Vorgarten errichten und erarbeitete ein Informationsschild zur Oderbruchbahn, die bis 1966 den kleinen Wriezener Ortsteil anfuhr. "Mir geht es darum, Radwanderer zu informieren, ihnen einen Stützpunkt zu schaffen, wo sie Rast machen können", erzählt die Rentnerin. Ihr Engagement sollte zudem ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Ort sein.

Doch der Plan scheiterte. An Vandalismus und mangelndem Respekt ihrem Bemühen gegenüber, sagt die Berlinerin. "Das Infoschild wurde abgefackelt, der Putz am Buswartehäuschen bröckelt schon wieder und meine Satellitenanlage ist auch zerstört worden", zählt Freya-Hilde Schneider nur einige der Vorkommnisse auf. Da sie sich nur vereinzelt an den Wochenenden oder in den Ferien im Oderbruch aufhält, hatte sie auf Verbündete im Dorf gehofft. "Mein Grundstück habe ich mit Absicht offen für alle angelegt. Ich wollte helfen, die Geschichte zu bewahren, das historische Häuschen zu erhalten und den Ort zu beleben", berichtet die resolute Rentnerin. Doch ihr Wunsch, ihre Nachbarn sollten in ihrer Abwesenheit ein Auge auf die geschaffenen Werte haben, erfüllte sich nicht. Und auch im Heimatverein hätten die Mitglieder, so die Rentnerin, wenig Wert auf das Bewahren des geschichtlich bedeutenden Areals gelegt oder sie in ihrer Aufbruchstimmung unterstützen wollen. Enttäuscht sei sie von den jungen Leuten, die wie sie vermutet, die Vandalismusschäden verursacht haben, aber auch von den Älteren. Sie hätten es versäumt, das Interesse an der Geschichte des Ortes weiterzugeben und den nötigen Respekt vor den geschaffenen Werten zu vermitteln.

"Inzwischen habe ich Angst, dass ich hier nicht mehr in Ruhe und in Sicherheit Zeit verbringen kann", äußert die Rentnerin. Ihr Traum vom Lebensabend zwischen pulsierender Hauptstadt und der Abgeschiedenheit im Oderbruch, er hätte sich nicht erfüllt. Nicht nur das Geld und die viele Arbeit, vor allem der Gegenwind aus dem Dorf hätte sie psychisch stark mitgenommen. Dennoch, fast schon trotzig, will sie in Beauregard noch einen Versuch wagen. Ein neues Informationsschild, das sie in diesen Tagen aufgestellt hat, ein frischer Anstrich für die Bänke im Vorgarten und das Ausbessern der ausgeschlagenen Löcher im Putz des Wartehäuschens - einen Winter Zeit wolle sie sich mindestens noch geben. Vielleicht auch länger.

Kommentare

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Rentnerin B. 18.10.2012 - 11:47:17

ganz einfach

Die Probleeme müssen heutzutage ausgesessen werden. Auf dem ruhigen Lande leben und in die Großstadt zum Arbeiten fahren. Städter können ihre Probleme genauso aussitzen. Sehr oft begegne ich Menschen, die mich fragen, haste mal nen Euro? Wenn ich dann dumm schaue, bekomme ich als Frage zu höhren? Hast du keinen Hunger? Junge Leute vom Lande sammeln auch ihre Erfahrungen. Und der Respekt geht den Bach hinunter. Zerstörungswut ist eine Folge.

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