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Ein Universum voller Cocolorus

Hoher Besuch aus einer märchenhaften Welt: Die Schneekönigin machte den Himmelpfortern am vergangenen Wochenende ihre Aufwartung - samt Gefolge wie Trollen, Kobolden, Wichteln und Narren. Dem Publikum wurde warm ums Herz bei diesem Anblick.
Hoher Besuch aus einer märchenhaften Welt: Die Schneekönigin machte den Himmelpfortern am vergangenen Wochenende ihre Aufwartung - samt Gefolge wie Trollen, Kobolden, Wichteln und Narren. Dem Publikum wurde warm ums Herz bei diesem Anblick. © Foto: MZV/Sabine Slatosch
Sabine Slatosch / 03.12.2012, 18:26 Uhr
Himmelpfort (MOZ) Eigentlich ist es eine alte Geschichte: Narr liebt Prinzessin. Prinzessin liebt den Narren. Der dicke König hat andere Ideen für seine Tochter. Da nagt eine Plage am Königreich, und zwar die Rattenplage - am vergangenen Wochenende in Himmelpfort bei der Cocolorus Mächenweihnacht.

Und das Märchen ging dramatisch weiter: Wer die Ratten vertreibt, verspricht der König, der bekommt die Prinzessin und dazu das halbe ganze Königreich. Alles fand selbstverständlich ein glückliches Ende.

Derweil zupften an den in hoher Zahl erschienenen Besuchern hier und dort Trolle. Sie hüpften in witzigen nagelneuen Kleidern umher, neckten, spielten und machten Fratzen. Staunend blickten die Knirpse in himmlische Höhen empor zur Schneekönigin, die schillernde Seifenblasen auf die Erdenwelt schweben ließ und sich freundlich aus ihren kühlen Gefilden hinabbeugte. Die Liebe des Narren indes war groß und brachte ihn auf die Idee, die größte Oberratte mit einem Stück Käse in einer Holztruhe zu fangen. Dafür brauchte er die vielen Kinder, die längst im Spinnennetz seiner Geschichte fieberten. Das Fieber wandelte sich in Unmut, als die fette Oberratte endlich in der Kiste war, der König jedoch sein Versprechen nicht einlösen wollte. Da nahm der Narr alle Kinder mit sich fort. Die leeren Bänke vor seiner Bühne machten den König sehr traurig, denn er liebt Kinder. Schließlich willigte er ein in den Liebesbund, und alle Kinder tanzten auf der Cocolorus-Bühne Hochzeit.

"Liebe ist süß, Liebe ist fein, muss man nicht alleine lachen, kann man mit der Liebsten machen", sang der Narr und Rattenfänger. Doch wer das Lachen der Cocolorus-Kobolde auffing, konnte sich über den ersten Advent von einer beschwingten Stimmung tragen lassen. Der konnte das Bauchweh des Teufelchens teilen, der die Pfannkuchen gestohlen hat, und die Gaukelei von Max und Moritz im Quadrat bewundern.

Und wem das Spiel zu närrisch war, der lauschte den alten Weihnachtsliedern aus nahen und fernen Landen, die Cocolorus Diaboli spielten und sangen, und fand stille Besinnung. Bemerkenswert und leider im vorweihnachtlichen Treiben zu wenig beachtet war das Kindertrio (Cello, Geige, Klavier), welches weihnachtliche Lieder spielte und erstmalig von Antonio Vivaldi "Der Winter".

Und natürlich gehört immer eine lange Kette von Gästen und Händlern zur Begleitung. Einen festen Platz in der Nordischen Märchenweihnacht vor der Klosterruine in Himmelpfort haben die Wikingerboote und das riesige Wasserrad, gebaut von Andreas Weigelt aus Rollenhagen. Auch die Huskys aus Grünheide erfreuen sich jedes Jahr großer Beliebtheit.

Inmitten der Händler hatte "Der kleine Schmied" sein Lager im Zelt aufgeschlagen. "Ich mache alles noch genau so wie vor tausend Jahren, mit Blasebalg und Muskelkraft", erklärte der Schlosser und Kunstschmied Thomas Thun, und es entstanden Kerzenhalter, Kerzenlöscher und Messer.

Ein neues Gesicht auf dem Cocolorus-Weihnachtsmarkt war "Herr Preuß", dessen Künstlername Constantin ist. Eigentlich sei er Maler und Bildhauer. Doch auf dem Markt verkaufte er alles, was die 2 500 Schafe aus dem Familienbetrieb in Zakopane in der Hohen Tatra hergaben: Felle, Käse, Wurst. Die Mützen und Kappen habe er selbst entworfen. Eine Galerie eigener Bilder mit Motiven aus dem Preußischen Kulturbesitz will Constantin im kommenden Frühjahr auf dem Oberhavel-Bauernmarkt in Schmachtenhagen eröffnen.

Wer sich an die Rentiere aus Strasen gewöhnt hatte, suchte sie in diesem Jahr vergeblich. Selbst der Weihnachtsmann, der bereits reichlich Futter bereit gelegt hatte, konnte sie nicht finden. Dafür leuchteten für die Gäste neue Sternchen am winterlich-weihnachtlichen Firmament von Cocolorus. Gefiederter Star des Tages war Hermine, eine dreijährige Schnee-Eulen-Dame, deren Heimat Grönland und Island ist. Geduldig ließ sie sich von Arm zu Arm reichen und mit den Besuchern fotografieren. Nur die Großen durften sie halten. Das hinderte so manchen kleinen neugierigen Zwerg nicht, vorsichtig ihr weißes Federkleid zu berühren.

Mit ihr vom Wasserschloss Mellenthin auf Usedom angereist waren ein Wüstenbussard (Mexiko), ein Steppenadler (Russland), ein sibirischer Uhu namens Waltraud, ein afrikanischer Lanner-Falke und natürlich die beiden Falkner Silke und Markus Erler. 1989 haben die Rechtsfachwirtin und der Werkzeugschlosser ihr Hobby zum Beruf gemacht. Viele Jahre war das Domizil der Falknerei in der Burgruine von Wredenhagen, bis sie vor einem Jahr mit den Vögeln in das Wasserschloss zogen. In der Sommerzeit veranstalten sie Flugshows. Das war in Himmelpfort nicht möglich, auch wenn ein Uhu sich gut in die Märchenwelt eingefügt hätte. Doch die Trolle und Könige, die Prinzessinnen,Gaukler und die Besucher hatten genug Kurzweil. Am dritten Advent kommen sie wieder.

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