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"Die Kuh ist jetzt vom Eis"

Noch bedarf es viel Fantasie: Die Havelschleife dient zurzeit unter anderem Pferden als leckere Weide. Früher befand sich hier das Sägewerk.
Noch bedarf es viel Fantasie: Die Havelschleife dient zurzeit unter anderem Pferden als leckere Weide. Früher befand sich hier das Sägewerk. © Foto: MZV/Thomas Pilz
Thomas Pilz / 04.01.2013, 18:08 Uhr
Bredereiche (MZV) Ob das Projekt Havelschleife endgültig in eine Endlos-Schleife der Bebauungsplanung mündet, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Nach rund fünf Jahren der Planung ist nun wieder der Landkreis an der Reihe. Er soll den Tourismus-Plan erneut genehmigen.

Ihr Scherflein dazu beigetragen haben die Stadtverordneten in Fürstenberg während ihrer letzten Sitzung im alten Jahr. Es galt, einen sogenannten Beitrittsbeschluss zu fassen. "Mit diesem Beitrittsbeschluss signalisiert die Kommune der Genehmigungsbehörde, dass sie deren Maßgaben und Forderungen an den Träger des B-Plans folgt", erläuterte Bauamtsleiter Heiko Körner auf Nachfrage.

Freilich tat sie das schon einmal, nämlich vor genau einem Jahr. Allerdings wurden die Stadtväter und der Investor Frank Greiser im Rahmen des Beschlusses vom Landkreis aufgefordert, den Forderungen der Prüfbehörden "beizutreten", um hohen Auflagen auch des Umweltschutzes für das touristische Vorhaben zuzustimmen. Unter anderem ging es um die Erfassung von Brutvogelstätten, die bislang noch nicht erfolgte. Denn auch "wenn es Anhaltspunkte für das Vorhandensein besonders geschützter Arten gibt", wie einer Stellungnahme des Landesumweltamtes zu entnehmen war, "dann ist diesen nachzugehen", so der Landkreis.

Diese und andere Forderungen verwandelten den Beitrittsbeschluss binnen kurzer Zeit in Makulatur. Alles wurde auf Anfang gestellt, wichtige Träger öffentlicher Belange mussten erneut befragt werden, beispielsweise das Landesumweltamt, das jetzt unter Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz firmiert. Paradoxerweise kam von der Behörde als Prüfbehörde kein Einwand. Mit Datum vom 7. November 2012 teilte die Behörde mit, dass die Belange des besonderen Artenschutzes der Planung nicht entgegenstehen, wenn die Schaffung des Baufeldes auf dem etwa 2,5 Hektar großen Gelände am ehemaligen Sägewerk außerhalb der Brutperiode erfolgt, also zwischen 1. September und 28. Februar des Folgejahres.

Worum geht es eigentlich? Investor und Flächeneigentümer Frank Greiser möchte ein touristisches Areal mit gemischter Nutzung schaffen - zum einen Wohnbebauung, zum anderen Ferienhäuser, auch ein Campingplatz sowie ein Hotel sind geplant. Die Rede ist überdies von Caravan-Stellplätzen und gastronomischen Einrichtungen - alles nachbarschafts- und vor allem umweltverträglich. Das bedeutete im Verlauf der Planung erhebliche Einschränkungen für Greiser: Bootslager und -unterstellplätze wurden nicht genehmigt, ebenso Tennis/Squash und Badminton, "um das innergebietliche Störpotenzial zu reduzieren". Der Investor wurde außerdem aufgefordert, eine Artenschutzprüfung vorzunehmen.

Damit nicht genug: Ein kompletter Umweltbericht musste erarbeitet werden, der Aussagen zur Beeinträchtigung des Bodens und des Wassers machte, aber auch Auswirkungen auf einzeln stehende Bäume schilderte und die Tierarten in dem oder im Umfeld des Gebietes näher beschrieb (Biberreservoire, Fischotter, Fledermäuse, Eidechsen, Rotbauchunken, Kamm-Molch) - zumal es in der Nähe ein besonderes Schutzgebiet gibt.

Unterdessen glaubt Fürstenbergs Bauamtsleiter, dass "jetzt endlich die Kuh vom Eis ist", sprich dass der Landkreis nun den Plan genehmigt. Die notwendigen Vorarbeiten hätten Stadtverwaltung, Investor und Träger öffentlicher Belange geleistet, "mit einem hohen Maß an Vorabstimmung". Das Parlament hat den Beitrittsbeschluss außerdem problemlos gefasst. "Der Vorhabenträger kann, sobald es die Witterung zulässt, anfangen zu bauen", merkte Körner an. Denn das sei im Rahmen einer "vorzeitigen Planreife" zulässig.

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