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72-jährige Pastorin Ruth Passauer verabschiedet / 15 Jahre Engagement für Haus Grüntal

"Eigentlich müsste ich bleiben"

Verabschiedung in den Ruhestand: Ruth Passauer baute das Haus Grüntal auf. Ihre ehrenamtliche Nachfolge tritt Militärdekan Utz Berlin an, der in der Betreuung von heimgekehrten Soldaten einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht.
Verabschiedung in den Ruhestand: Ruth Passauer baute das Haus Grüntal auf. Ihre ehrenamtliche Nachfolge tritt Militärdekan Utz Berlin an, der in der Betreuung von heimgekehrten Soldaten einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 06.01.2013, 19:10 Uhr
Grüntal (MOZ) Als die Glocken der Grüntaler Kirche am Sonnabend Nachmittag läuteten, hatte das zwei besondere Gründe: Zum einen beging die Gemeinde ihren Neujahrsgottesdienst. Zum anderen wurde Pastorin Ruth Passauer in den Ruhestand verabschiedet.

Seit 15 Jahren hat die Kirchenmusikerin Ruth Passauer das Haus Grüntal mit Herz und Leben erfüllt, war Bauherr, Geschäftsführerin, Hausmutter, Gärtnerin, Seminarleiterin, Supervisorin und einfach der gute Geist des Hauses. Es entstand ein kirchliches Besinnungs-, Bildungs- und Begegnungszentrum für alle, die ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden wollen. Hans-Ullrich Schulz, Prediger aus Potsdam sowie Pfarrer Christoph Brust aus Biesenthal würdigten das Schaffen der Pastorin. "Wir sind dankbar dafür, was sie hier für alle bewirkt hat und wie viel Einsatz ihr Segen gebracht hat", drückte es Pastor Christoph Brust aus.

"Ich bin ein bisschen traurig, denn das alles hier wird mir sehr fehlen", sagte die 72-Jährige. Nach dem Gottesdienst war sie eine gefragte Frau: Viele Umarmungen und freundliche Worte wurden ihr mit in den Ruhestand gegeben, bevor es ins gegenüberliegende Haus Grüntal zu einem Empfang mit vielen Mitstreitern, Mitarbeitern, Einwohnern der Gemeinde und des Förderkreises ging.

Für alle, die das Projekt nicht von Anfang an kannten, erinnerte Ruth Passauer in kurzen Beschreibungen noch einmal an das Bild des ehemaligen Pfarrhauses, an das die Wildnis seinerzeit bis vor die Tür gereicht hatte. "Eigentlich müsste ich bleiben", sagte sie. Eigentlich könne sie die Arbeit vom Inhalt her noch zehn weitere Jahre machen. Doch der ewige Kampf, der notwendig sei, das Haus finanziell am Leben zu erhalten, sei ihr jetzt doch zu schwer geworden.

Die ehrenamtliche Nachfolge von Ruth Passauer tritt Militärdekan Utz Berlin aus Potsdam an. Er betreut in seinem Seelsorge-Bereich Soldaten. Erfahrungen hat er auch beim Einsatz im Kosovo und Afghanistan. "Den Schwerpunkt meiner Arbeit im Haus Grüntal sehe ich unter anderem darin, Soldaten, die von ihren Einsätzen nicht unberührt nach Hause zurückkehren, einen Ort des Friedens und der Ruhe zu geben."

Als Klinikseelsorgerin im Berliner Hedwigskrankenhaus, schon damals für die evangelische Kirche arbeitend, hatte sie Ende der 90er-Jahre noch einmal die Ärmel hochgekrempelt, um "Haus Grüntal" mit Fördermitteln, Spenden, Denkmalpflegezuschüssen und selbst privaten Krediten sowie viel ehrenamtlichem Engagement zu dem zu machen, was es heute ist.

Sie war einst mit ihren Eltern auf einem Flüchtlingstreck vom polnischen Neumark nach Berlin-Pankow gekommen. Dort wuchs sie als Pfarrerstochter auf, heiratete später ebenfalls einen Pfarrer und wurde Mutter von vier Kindern.

Ihre liebenswerte Art, ihre Kompetenz im Umgang mit Menschen, ihr Enthusiasmus und ihre visionäre Kraft reißen die Menschen mit. "Dein Geist wird lange noch in diesem Haus zu spüren sein", waren nur einige der Worte, mit denen ihre Verdienste gewürdigt wurden. Aber auch sie wusste noch einen Ratschlag zu geben: "Man bleibt jung, wenn man weiter geistig arbeitet und mit Menschen lebt."

Haus Grüntal ist ein ökumenisches Stille-, Seelsorge- und Gästehaus für Einzelne und Gruppen, für Tagesveranstaltungen, Fortbildungen und Seminare. Im Gartenpark, in der unberührten Landschaft im Sommer, am Lehmofen im Winter und mit der restaurierten Klaunigk-Orgel aus dem Jahre 1822 finden Menschen eine Atmosphäre vor, die der Erneuerung der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte dient. Es gibt die Möglichkeit des beratenden, seelsorgerlichen, geistlichen oder supervisorischen Einzel- oder Gruppengesprächs sowie sogenannte Oasentage. Getragen wird das Zentrum durch den Förderkreis "Das Haus Grüntal". Der eingetragene Verein hat knapp 60 Mitglieder. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter und ein großer Freundeskreis engagieren sich für ihn. Der Verein wird von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ideell unterstützt.

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