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Nicht ohne Handy: Der treue Begleiter ist praktisch, erleichtert aber auch Onlinesucht und Cybermobbing

Bester Freund in der Hosentasche

Florian Zwick / 14.01.2013, 06:30 Uhr
Bleyen-Genschmar (MOZ) Den Blick starr auf den Display eines Telefons gerichtet. Gefangen in der Welt von Facebook und Co. scheinen Jugendliche das Geschehen um sich herum völlig zu vergessen. Doch das Smartphone ist nicht nur Unterhaltungsmedium. Es erleichtert vieles im Alltag.

Wer kennt es nicht: Schnell mal etwas googeln oder E-Mails prüfen, via Twitter den neusten Klatsch und Tratsch über die Promis erfahren oder was sonst gerade in der Welt passiert. Und bei Facebook angemeldet zu sein, ist schon irgendwie Pflicht, wenn man nicht außen vor sein möchte. Zum Glück haben sich Apple, Samsung und Co. etwas einfallen lassen, um uns einen steten Zugang zu dieser virtuellen Welt zu bieten, den wir in der Hose mit uns herumtragen können: das Smartphone!

Als Gefährte und Helfer im täglichen Durcheinander scheint es alsbald die Rolle des besten Freundes zu übernehmen.

Doch was sind eigentlich Facebook und Co.? Kurz: Es sind soziale Netzwerke, die zu den sozialen Medien gehören. Diese sollen es den Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in der Gemeinschaft zu gestalten.

Die Vorteile scheinen klar auf der Hand zu liegen: Nicht nur die Reichweite, welche es jedem ermöglicht, eine globale Präsenz einzunehmen, und die Multimedialität - d.h. die beliebige Kombination von Text, Ton und bewegten Bildern - machen soziale Netzwerke so interessant für uns. Auch der Zugang, der zumeist kostenlos ist, sowie die Aktualität der Inhalte verführen uns und lassen uns nichts Böses ahnen.

Schnell werden folglich die Risiken unter den Teppich gekehrt. Nicht selten vollzieht sich nämlich die Ausgrenzung einzelner oder ganzer Personengruppen. Vor allem unter Jugendlichen immer verbreiteter ist das sogenannte Cybermobbing, bei dem man durch Bloßstellung im Internet, permanenter Belästigung oder durch Verbreitung falscher Behauptungen versucht, andere Jugendliche auszugrenzen, sich zu rächen oder Freunden zu imponieren. Zudem seien Twitter und Facebook erfolgreicher darin, ihre Nutzer abhängiger zu machen als Alkohol und Zigaretten, folgt man einer Studie der Chicago University. Und wer hilft uns dabei, tiefer in diesen Teufelskreis hineinzugeraten? Genau, es ist unser Smartphone. Es ist meist das Erste, was wir am Morgen und das Letzte, was wir am Abend sehen. Dank Touchscreen wird von uns auch nichts anderes so oft "gestreichelt" wie unser neuer bester Freund.

Die Soziologin Nina Pauer beschäftigt sich in einem ihrer Bücher mit der Frage "Wie wir vor lauter Kommunikation unser Leben verpassen". Was sie meint, scheint erst bei genauerer Betrachtung deutlich zu werden. Via Smartphone können wir von überall aus mit unseren virtuellen-Ichs, also Facebook-Ichs, Twitter-Ichs usw. agieren. Wir sind also überall zur gleichen Zeit, aber nirgendwo richtig. Wir sind praktisch auf vielen Kanälen gleichzeitig, aber auf keinem richtig. Wir liegen irgendwo dazwischen. Hinzu kommt, dass wir uns dazu verpflichtet sehen, all unsere virtuellen Ichs gleichzeitig mit Informationen, Aktivität und Bildern zu versorgen.Kommunikation scheint somit ein Fulltimejob und dank sturem Blick auf unser Smartphone verpassen wir gern mal das Leben um uns herum.

Doch es liegt wohl an jedem selbst, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Das Smartphone als bloßes Instrument zu nutzen, das uns den Alltag erleichtert, ist schwer, aber möglich. Benötigen die Jüngeren unter uns noch eine Heranführung, sollten die Erfahrenen zunehmend die Verantwortung dafür übernehmen und somit den medialen Raum für alle sicher gestalten Der Umgang mit den sozialen Medien ist in der heutigen Zeit schlicht und einfach eine Kompetenz, die jeder erwerben sollte.

Fraglich, ob wir wirklich noch ohne Smartphone, Facebook, Twitter, kurz: unserem virtuellen Ich leben könnten. Stellen auch Sie sich mal die Frage "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?", wie es Richard Precht tat und Sie werden überraschtsein.

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