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Trasse nach Metzdorf bis Februar fertig / Pilotprojekt zur Speicherung im Visier / Archäologischer Fund aus Bronzezeit

Solarstrom wandert acht Kilometer

Die Firma Schneider arbeitet an einem von zwei Umspannwerken, die direkt neben dem Umschaltpunkt der E.ON e.dis in Metzdorf errichtet werden.
Die Firma Schneider arbeitet an einem von zwei Umspannwerken, die direkt neben dem Umschaltpunkt der E.ON e.dis in Metzdorf errichtet werden. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 19.01.2013, 07:50 Uhr
Metzdorf (MOZ) Bis Mitte Dezember wollten sie fertig werden. Nun soll der Strom des Solarparks Ende Januar durch die Leitungen der acht Kilometer langen Trasse nach Metzdorf fließen. Für die Verantwortlichen nach wie vor eine Rekordzeit. Und die Pläne gehen weiter.

Noch sind die Solarmodule auf dem Flugplatz schneebedeckt. Ob mit oder ohne Trasse - hier fließt momentan kein Strom. Enfo-AG-Chef Rudolf Haas, einer der Initiatoren des Mammutprojektes, zeichnet mit dem Bleistift eine Kurve aufs Papier. Erst im März steigt sie an. "Wenn wir bis dahin nicht fertig sind, würde es wehtun", sagt er. Erst dann nämlich würden die Strahlen der Sonne den vier Investoren des Solarparks Enerparc, Ecos-energy, MEP und Baysolar bares Geld in die Taschen spülen. Der Spitzenertrag wird in den Monaten Juli und August erzielt. Doch der Regionalplaner bleibt gelassen. Wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, soll die acht Kilometer lange Stromtrasse vom Flugplatz bis nach Metzdorf Ende dieses Monats fertig werden. Angesichts der Lieferzeiten für die benötigten Bauteile und der Genehmigungsverfahren sei das immer noch Rekordzeit, findet Haas.

In Metzdorf werden gerade letzte Handgriffe am ersten von zwei Trafos angelegt. Hier kommt der Strom vom Solarpark an und wird über die 110-KV-Leitung ins regionale Netz eingespeist. Direkt daneben: der Umschaltpunkt der E.ON edis. In ein paar Jahren könnte die Energie, die in Neuhardenberg nicht verbraucht wird, über die 380-KV-Leitung in den Rest der Republik transportiert werden. "Die Stromautobahnen der Zukunft", nennt Haas das. Statt Leitungen von Norddeutschland bis nach Baden Württemberg will er allerdings regionale Konzepte. Daher werde derzeit auch über ein Pilotprojekt in Sachen Speichertechnologie am Standort Neuhardenberg nachgedacht.

Die Trasse ist für den Chef der Enfo-AG bereits abgehakt. Noch wird an der Strecke allerdings gebaut. Ursprünglich sollte der Solarparkstrom nur bis zum vier Kilometer entfernten Einspeisepunkt nach Neufeld gehen. Als klar war, dass 145 Megawatt erreicht werden können, entschied E.ON. e.dis, dass angesichts der Strommenge Metzdorf die sichere Variante darstellt. Acht Millionen Euro mussten die vier Solar-Investoren dafür berappen, dass der produzierte Strom fließen kann. Baustart war im November. Auf dem überwiegenden Teil der Strecke wurden die faustdicken schwarzen Kabel in Abschnitten von 700 bis 900 Metern offen verlegt, das heißt in nur ein bis zwei Metern Tiefe. So auch im Waldstück im direkten Anschluss an den Flugplatz. Wenn die Gräben zugeschüttet sind, wird vom Fluss des Solarstroms allerdings nichts mehr zu sehen sein, verspricht Rudolf Haas. Die Kabel liegen dann unter dem Waldweg. Am Ortsausgang Neufriedland musste, wie auf insgesamt 1,5 Kilometern, eine sogenannte Spülbohrung vorgenommen werden. Unter dem Friedländer Strom und der L 34 verlaufen die Leitungen in sechs Metern Tiefe.

Gebohrt werden musste auch auf einem Acker nahe der Umspannwerke in Metzdorf. Hier wurde ein Urnengräberfeld aus der Bronzezeit entdeckt. "Der Fund soll bei besserer Witterung freigelegt und untersucht werden", teilt Gregor Döhner vom Archäologischen Grabungs- und Forschungsservice Döhner und Uschmann mit. Das Büro hat die Arbeiten an der Trasse wissenschaftlich begleitet. Auf einer Länge von 150 Metern wurden bisher 70 Bestattungen gezählt. Urnen und Steineinfassungen seien gut erhalten. Allerdings sei schwer abzuschätzen, wie groß die Fläche der Grabstätte, die etwa 1000v. Chr. angelegt wurde, tatsächlich ist. Deshalb hatten sich die Investoren entschlossen, die Kabel unterhalb des archäologischen Fundes verlaufen zu lassen.

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nachrechnerduple 23.01.2013 - 09:11:58

Ob das das Netz aushält?

Es ist doch jedes Mal ein Stromschock, wenn die Sonne wieder erscheint, weil die Wolken weitergewandert sind. Und das alles nur für 10% oder 37 Tagessumme im Jahreszeitraum. Ich denke, dass hier, wie auch bei allen anderen Solaranlagen das Geld einfach so verpulvert wurde und der Bürger jetzt dafür die Rechnung bekommt mit der Strompreiserhöhung. Vielen, vielen Dank dafür, auch an einen Herren Rudolf Haas.

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