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Die gemeinnützige "Dogworld"-Stiftung betreibt ein Altersheim für Vierbeiner

Ein Zuhause für alte Hunde

Die gemeinnützige "Dogworld"-Stiftung betreibt ein Altersheim für Vierbeiner
Die gemeinnützige "Dogworld"-Stiftung betreibt ein Altersheim für Vierbeiner © Foto: dapd
dapd / 25.01.2013, 14:13 Uhr
Nichel (dapd) Dank Reha geht es der Hundedame "Kiwi" schon viel besser. Neugierig schaut sie umher, während ihr die Physiotherapeutin Carola Henniger im Hundealtersheim in Nichel (Potsdam-Mittelmark) die gelähmten Hinterläufe massiert. Die ehemalige Straßenhündin mit dem hellbraunen Fall ist mit ihren acht Jahren das Nesthäkchen unter elf weiteren Hundesenioren.

Die anderen Tiere in der Wohnstube der "Dogworld"-Stiftung sind mindestens elf Jahre alt. Vor knapp fünf Jahren haben Thomas und Ina Baumann die Stiftung gegründet, um ein Zuhause für Tierheim-Hunde zu schaffen und ihnen auch im Alter ein hohes Maß an Lebensqualität zu ermöglichen.

"Normale Tierheime können den Bedürfnissen der alten Hunde oft nicht nachkommen", erklärt Thomas Baumann. Meist fehle es an Personal oder finanziellen Mitteln. Doch besonders für ältere Hunde sei das Leben in einem üblichen Tierheim schwierig, sagt Baumann. Die meisten bräuchten außergewöhnlich viel Ruhe und seien häufig krank.

Die Physiotherapeutin Henniger hat es bei fast allen Hunden mit typischen Alterserkrankungen zu tun: Genau wie die Menschen auch bekommen die Vierbeiner Arthrose in den Gelenken oder erblinden.

"Die Alterung ist ein schleichender Prozess", meint Caterina Mülhausen vom Deutschen Tierschutzbund. Sie kennt die besonderen Herausforderungen, die mit der Pflege eines älteren Hundes auf das Tierheim-Personal zukommt. Um die Hunde nicht zu überfordern, sollten zum Beispiel Spaziergänge verkürzt werden - was zugleich bedeute, dass öfter mit den Hunden rausgegangen werden müsse, sagt die Sprecherin des Tierschutzbundes. Alte Hunde seien ruhebedürftiger, schliefen viel und hätten es gern warm.

"Die Vermittlung von älteren Tieren ist in der Regel nicht so einfach", sagt Mülhausen. Viele Menschen würden hohe Tierarztkosten davor abschrecken, einen alten Hund aufzunehmen. Doch auch die Aussicht auf eine vermutlich nur kurze Zeit des Zusammenlebens halte die Menschen ab.

Diese Erfahrung haben auch Ina und Thomas Baumann gemacht, obwohl sie gerne einige der Hundesenioren in eine Familie bringen würden. "Das Schlimmste für die Menschen ist der absehbare Verlust", sagt Thomas Baumann.

Trotz ihres hohen Alters sind doch noch recht viele der insgesamt zwölf Hunde lebhaft und aufgeweckt. Da sie alle nicht mehr in Familien leben, haben Thomas und Ina Baumann das Heim wie ein normales Wohnhaus gestaltet - es gibt eine Stube, eine Küche und zahlreiche Körbchen, in die sich die Tiere zurückziehen können. Der blinde 16 Jahre alte Cockerspanielmix "Sponsor", die weiße 15-jährige Hündin "Tango" und die anderen betagten Hunde können sich frei in der Wohnung bewegen.

"Wir fördern die Gruppenhaltung", sagt Thomas Baumann. In üblichen Tierheimen seien die Hunde meist aus Angst vor Beißereien in "Einzelhaft", fügt er hinzu. Für ihn ist das Seniorenheim eine Art Kompromiss zwischen den konventionellen Tierheimen und der Unterbringung in einer Familie. Die Kosten für das Seniorenheim sind jedoch kaum zu stemmen. "Neben normalen Spenden an die Stiftung haben wir deshalb noch Patenschaften ins Leben gerufen", sagt Thomas Baumann. So könnten Menschen aus ganz Deutschland regelmäßig für die Versorgung ihres Lieblingssenioren spenden.

"Wir machen aber keinen Tierschutz um jeden Preis", betont Thomas Baumann. Nur, wenn eine Therapie bei schwer erkrankten Hunden echte Erfolgschancen habe, würden Medikamente oder Reha eingesetzt werden. Sonst müssten auch die Hundesenioren in Nichel "aus tierschutzrechtlicher und aus ethischer Verantwortung" unweigerlich eingeschläfert werden, sagt Baumann.

Der Mischlingshündin "Kiwi" scheint dieses Schicksal aber erst einmal erspart zu bleiben. Nach einem schweren Bandscheibenschaden beginnt sie langsam wieder, ihre Hinterbeine aufzusetzen. Eine Laufhilfe erlaubt es ihr, wieder "aufrecht" zu gehen. Für die Zeit, bis sie wieder ganz geheilt ist, hat ihr Ina Baumann kleine hellblaue Söckchen für die hinteren Pfoten gestrickt - damit sie sich beim Laufenlernen nicht verletzt.

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