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Freiwillig im Wald-Einsatz

Ein Fall für Zwei: Karl-Heinz Marggraf unterstützt Revierförsterin Monique Müller künftig im Naturschutzgebiet der August-Bier-Stiftung am Mattheswall und am Schmielensee
Ein Fall für Zwei: Karl-Heinz Marggraf unterstützt Revierförsterin Monique Müller künftig im Naturschutzgebiet der August-Bier-Stiftung am Mattheswall und am Schmielensee © Foto: MOZ
Christian Heinig / 30.01.2013, 07:21 Uhr
Falkenhagen (MOZ) Begonnen hat alles mit einer E-Mail. Verfasst hat sie Karl-Heinz Marggraf, Georgenthaler und leidenschaftlicher Spaziergänger, weil er beunruhigt war über das, was sich da vor zwei Monaten im Naturschutzgebiet Schmielensee und Mattheswall zutrug. "Dieser Krach im Wald, ohne Ende wurde gesägt, das hat mich irritiert", sagt der 52-jährige Zoll-Beamte. Zumal die August-Bier-Stiftung, der der Wald gehört, überall als Naturschützer auftrete. Rodung im großen Stil und Naturschützer - das passte aus seiner Sicht nicht zusammen. Es war eine E-Mail mit ungeahnten Folgen für ihn, denn: Marggraf ist ab sofort dazu berufen, selbst im Wald nach dem Rechten zu sehen. Die Stiftung hat ihn zum Gebietsleiter für den Falkenhagener Forst ernannt.

Doch der Reihe nach. Bekommen hat die Beschwerde-Mail damals Monique Müller, die seit sieben Jahren Revierleiterin der Stiftung ist. Auch andere Falkenhagener hatten sich besorgt über die Durchforstung geäußert, von der niemand wusste. Zur Klärung schlug Monique Müller ein Treffen vor. Marggraf war überrascht und willigte ein. Man traf sich, man sprach. Und nun sind beide Partner.

"Wenn Bürger Hinweise haben, können sie sich direkt an Herrn Marggraf wenden", sagt Monique Müller. Er sei ihr Mann vor Ort. Dieses Modell mit freiwilligen Gebietsleitern habe sich in den anderen sechs Naturschutzgebieten, die die August-Bier-Stiftung in Brandenburg unterhält, bewährt. "Allein kann ich das täglich nicht abdecken", so Monique Müller, die sich mit Marggraf künftig mindestens einmal im Monat direkt vor Ort treffen will. Die Revierförsterin gab zu, dass man die Durchforstung, bei der eine Holzerntemaschine zum Einsatz kam, im Gemeinderat hätte ankündigen können. Das mahnte auch Marggraf an. "Die Spaziergänger und Ortsbewohner wurden davon überrumpelt", so der neue Gebietsleiter, der zwar selbst kein Förster sei, aber ein guter Wald-Kenner.

Von Mitte November bis Mitte Dezember wurden großflächig Kiefern und Robinien gefällt. Zum einen, da sie in dem 15 Hektar großen Naturschutzgebiet Mattheswall nicht natürlich vorkommen. Und zum anderen, da sie als Störfaktor für die geplante Wiederherstellung des ursprünglichen Buchen-Ahorn-Eichen- und Erlen-Mischwaldes an diesem Standort gelten. "Sie haben den jungen Bäumen, die dort wachsen sollen, das Licht genommen", so Monique Müller. Und gerade Ahorn und Eichen bräuchten viel davon, betont die Revierförsterin.

Damit die jungen Laubbäume nicht von Tieren zerstört werden, bleibt auch der Schutzzaun bestehen. Erst, wenn sie die Höhe von zwei Meter bis 2,50 Meter erreicht haben, seien sie stark genug entwickelt, um nicht durch Rehe oder Wildschweine bleibende Schäden davontragen, so Monique Müller. Vier bis fünf Jahre könne das dauern.

Kontakt zu Naturschutz-Gebietsleiter Karl-Heinz Marggraf Tel. 033603 3816

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Leserin 30.01.2013 - 14:56:07

Anmerkungen zum Umgang mit Waldschutzgebieten

Die Ursachen für den im Artikel benannten Vorgang sind leider von der MOZ erwartungsgemäß nicht recherchiert worden, sondern nur die Wirkung. Demgemäß markiert die Überschrift auch nicht das eigentliche Thema. Zum besseren Verständnis einige wichtige Anmerkungen: Flächeneigentümer ist die Stiftung August Bier, , als ein auf Forstwirtschaft ausgerichtetes Unternehmen, die, zusätzlich zum Sauener Wald, einige Forst- und Waldflächen mit dem Status Naturschutzgebiet (NSG) im Bundesland Brandenburg erworben hat; EU-relevante Fördermöglichkeiten eröffnen sich. Die Landes- wie auch die unteren Naturschutzbehörden sind gesetzlich verpflichtet, Behandlungsrichtlinien für NSG zu erlassen. Und genau hier liegt sprichwörtlich der Hase im Pfeffer vergraben. Wir haben es in der Gesamtanzahl an NSG mit sogenannten Altschutzgebieten wie auch mit neuen Schutzgebieten zu tun. Vor allem dann, wenn die Behandlungsrichtlinien aus DDR-Zeiten stammen, oder nach der Wende nur unvollständig oder gar nicht erarbeitet wurden, sind mannigfaltige Konflikte vorprogrammiert. Das Land hat sich mit seinem Schutzgebietskonzept überworfen. Kaum ein NSG ist hinreichend untersucht, geschweige denn in Langzeituntersuchungen involviert. Ergo weiß man auch nur in wenigen Einzelfällen, welche Biodiversität und Biotopstruktur im Wandel der Zeit und der Einflüsse vorliegen. Somit kann auch nicht festgelegt werden, was zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln ist! Die meisten NSG sind ohne biologische Betreuung. Die Stiftung August Bier vollführt nun einen Spagat. Einerseits muss sie betriebswirtschaftlich handeln, um bestehen zu können. Andererseits ist es dringend erforderlich, wenigstens in Waldschutzgebieten einen derartigen technischen Eingriff zu unterlassen und allen Maßnahmen behutsam auszuführen. Über die Existenz und den Inhalt eines Schutzgebietskonzeptes spricht die Försterin, Frau Monique Müller, nicht. In diesem Zusammenhang darf bezweifelt werden, ob der Arzt und Philosoph, August Bier, einen Harvester (Holzerntemaschine) gebilligt hätte. Brandenburg hat sich so gut wie von Pferden verabschiedet. Viele Forstleute und Biologen sind arbeitslos. Regionale Projekte zu installieren, an denen die hiesige Bevölkerung durch Waldarbeit wieder beteiligt wird, wäre gesamtgesellschaftlich notwendig. Vor größeren Eingriffen in Natur und Landschaft sollte die Bevölkerung informiert werden; ein Vororttermin unterstützt das Verständnis und den Informationsfluss.

Forstmann 30.01.2013 - 13:01:49

Licht genommen?

So,so die gefällten Bäume haben das Licht genommen.Hier in der Rhön hat man einen 3 ha Fichtenkahlschlag hingelegt,in der Kernzone des Biosphärenreservates,die nachträgliche Begründung,man wolle das Verhalten der natürlichen Sukzession erforschen..Gründe für derartiges tun, findet man immer,auch wenn diese stark am Sachverstand der Beteiligten zweifeln lassen.In den meisten Fällen ist es doch so,so schnell wie möglich an Geld zu kommen,was man aber entrüstet vehement abstreitet.Öffentlichkeit stört da nur und mit lapidaren Floskeln und Absichten der Besserung wird es immer wieder abgetan.Erst wenn den Verantwortlichen ein knallharter Schuß vor den Bug gesetzt wird,ändert sich etwas.Aber darauf dürften wir noch lange warten.Solange wie Waldfrevler mit armseligen Entschuldigungen und dummen Sprüchen die Öffentlichkeit verdummen und ihnen nicht von Kennern der Waldwirtschaft, insbesonderes des Waldbaus,in die Parade gefahren wird und zwar so, daß diese es auch spüren,solange werden derartige Dinge nicht aufhören.

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