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Raubtier dringt bei Kieselwitz in ein Damwild-Gatter ein / Eindeutige Bissspuren an der Beute festgestellt

Wolf tötet Hirsch im Wildgehege

Christian Heinig / 06.02.2013, 19:49 Uhr
Kieselwitz (MOZ) Eine Hirschkuh ist in einem Gehege bei Kieselwitz von einem Wolf gerissen worden. In dem Gatter, das einem Jagdpächter aus Frankfurt am Main gehört, sind 20 Wildtiere untergebracht. Obwohl sie durch einen zwei Meter hohen Zaun geschützt sind, schlug das Raubtier zu.

Er muss in den frühen Morgenstunden gekommen sein, als es noch dunkel war. Und, um in das Gehege zu gelangen, hat er sich wohl unter dem Zaun durchgedrückt. "Ein Wolf kann das im Gegensatz zu einem Hund", sagt Tierarzt Jürgen Bücker. Er hat die Hirschkuh, die in dem Gatter bei Kieselwitz von einem Raubtier gerissen wurde, vor Ort untersucht. "Die Bissspuren sind eindeutig auf einen Wolf zurückzuführen", sagt er.

Das Gatter, in dem sich die Attacke ereignet hat, liegt gut 1000 Meter westlich von Kieselwitz in teils bewaldetem Terrain. Es gehört Herbert Weise, einem Rechtsanwalt, der dort seit 13 Jahren ein Jagdgebiet gepachtet hat. "Das ist nicht der erste Angriff dieser Art", sagt er. "Wir gehen von drei Wölfen aus, die sich hier in den umliegenden Wäldern herumtreiben."

Die jüngste Attacke hat sich bereits vergangene Woche Freitag in den Morgenstunden ereignet. Weise, der eine Kanzlei in Frankfurt am Main betreibt, beschäftigt vor Ort einen Jagdaufseher, der regelmäßig nach den Tieren im Gatter sieht. Als er sie in der Früh füttern wollte, entdeckte er die verletzte Hirschkuh und schlug Alarm. Zufällig war Tierarzt Jürgen Bücker, ein Bekannter Herbert Weises, als Jagdgast auf dem Gelände. Er untersuchte das Tier, das in der Zwischenzeit verendet war, an Ort und Stelle.

"Der Abdruck der Fangzähne und Schneidezähne sowie die Abstände sind typisch für einen Wolf", so Jürgen Bücker, der eine Praxis in Ostfriesland betreibt. Als er in das Gatter kam, waren die übrigen Tiere panisch und liefen wild umher. "Da dachten wir erst, der Wolf könnte noch im Gehege sein", erzählt er. Man habe das Gatter, das in einen Wiesen- und einen Waldbereich geteilt ist, abgesucht, aber nichts gefunden. Auch keine Schäden am Zaun, der mit Heringen im Boden verankert ist. "Sicher ist, dass der Wolf erst einigen Stunden vor der Fütterung im Gatter gewesen sein muss, so unruhig wie die Herde war", sagt der Tierarzt.

Die Tatsache, dass der Wolf ohne seine gerissene Beute das Weite suchte, führt Jagdpächter Weise auf die Forstarbeiten im Wald zurück. "Die haben morgens begonnen, wahrscheinlich war er irritiert und ist geflüchtet." Den Verlust des Stücks Damwild bedauert er, sagt aber auch: "Das ist der Lauf der Natur. Solche Übergriffe sind normal." Erst vor wenigen Wochen sei sein Jagdterrier Emma bei einem Spaziergang von einem Wolf angegriffen worden. "Wäre ich nicht in der Nähe gewesen, hätte das böse geendet."

Dass Wölfe im Schlaubetal unterwegs sind, ist nicht neu. Sie würden im gesamten Gebiet leben, von Ragow-Merz bis Müllrose. Das hatte ein Mitglied des Jagdbeirates bei der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Oder-Spree bereits vor einigen Wochen erklärt.

Nach Angaben von Steffen Butzeck, der als Wolfsbeauftragter im Auftrag des Landes die Rudel im südlichen Brandenburg betreut, leben in der Mark zusammengenommen etwa 50 Wölfe. Darunter sind 20 Altwölfe als Elterntiere von Rudeln, als welpenlose Paare oder Einzelwölfe sowie etwa 30 Jungtiere.

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U.Schmitt 21.03.2013 - 16:00:35

Zu den Befürchtungen des Herrn Jorkisch am 26.02.12 in der Regionalausgabe der MOZ

Inzwischen dürfte jedes Kind wissen, dass Wölfe weder Pilzsucher, Spaziergänger, Wanderer, noch Angler oder gar spielende Kinder angreifen, verschleppen & fressen! Nicht der Wolf ist dem Menschen gefährlich, sondern der Mensch dem Wolf! Wölfe sind ein wichtiger Bestandteil eines funktionalen Ökosystems. Denn, wo der Mensch nicht in die Natur einwirkt, dort existiert Leben und Gleichgewicht! Wölfe ernähren sich von kranken, alten und schwachen Tieren – so war es und so wird es immer sein. Natürlich bedient er sich hin und wieder Beute, die leicht zu erlegen ist, weil sie nicht ausreichend gesichert wurde – doch dazu zählen weder Kinder, Angler noch Pilzsucher! Wölfe sind von Natur aus und aufgrund ihrer Sozialisation nicht an Menschen interessiert, sie sind extrem scheu. Wenn sich der Wolf an das Schaf als leichte Beute gewöhnt hat, jagt er nicht mehr das Reh im Wald, denn in manch Hinsicht sind Wölfe dem Menschen sogar ähnlich (z.B.Bequemlichkeit)! Es ist erstaunlich, dass man sich wundert, wenn Tiere gerissen wurden, da man sie den Raubtieren förmlich auf dem Teller serviert. Um Nutztiere zu schützen, reicht ein intakter Elektro-Zaun, der so zu errichten ist, dass er nicht untergraben werden kann, auch Herdenschutzhunde dienen dazu Wölfe fernzuhalten. Wölfe streifen auch nicht durch Dörfer, um sich gierig auf irgendwelche Haustiere zu stürzen, es ist zudem ungefährlich mit seinem Hund durch den Wald zu gehen, wenn dieser gut erzogen ist, auf jedes Kommando hört und sich nicht unerlaubt von seinen Besitzern entfernt oder wenigstens an der Leine geht. Freilaufende Hunde können angegriffen werden, wenn sie eine Gefahr für z.B. Wolfswelpen darstellen, die Wölfe sich verteidigen, wobei es ihnen egal ist, ob dieser Hund irgendeinem Menschen gehört, denn für sie bedeutet er ausschließlich Gefahr. Mit der Rückkehr der Wölfe haben wir nun eine Polarisierung zwischen „Wolfsfreunden“ und „Wolfsfeinden“ (oft Viehhalter & Hobbyjäger). Wölfe sollten aus vielfacher Hinsicht willkommen sein. Selbstverständlich bringt das Komplikationen für einige Menschen, unreflektierte Bedenken werden geäußert … Es gilt den Wolf als ein bösartiges Tier darzustellen, auch wenn hier nur plump vorgetragene Argumente angeführt werden! Die Natur ist nicht böse, wir Menschen sind es, die sie aus Unwissen und Hass dazu machen. So kommt nicht einmal die Beißwut eines tasmanischen Beutelteufels der menschlichen Fressgier gleich. Schlacht- und Kühlhäuser in aller Welt geben Zeugnis davon, zeigen Horden getöteter Tiere, Fleisch auf Halden. Alle negativen Eigenschaften, die einst menschliche Worte fanden, um den Charakter der Wölfe zu beschreiben, sind menschliche Eigenschaften! Gier, Bösartigkeit, Verschlagenheit und Brutalität. Sie gehören jedoch nicht zum Wesen des Wolfes! Die Menschheit hat bis heute immer wieder bewiesen, dass es sich dabei ausschließlich um menschliche Attribute handelt! Was heute an Erkenntnis und Wissen über das Wesen der Wölfe vorhanden ist, lässt nur den Schluss zu: Hätte der Mensch mehr Wölfisches in sich, so hätte er von diesem sozialen Wesen gelernt, anstatt es auszurotten und es stünde um diesen Planeten mit Sicherheit besser! Denn in erster Linie hat der Mensch versagt seine Natur zu schützen! Anbei eine fantastische Buchempfehlung: „Wolfsangriffe – Fakt oder Fiktion?“ von Elli H. Radinger. Übrigens nicht nur für Wolfsbegeisterte, auch für Menschen, die sich noch immer vor Wölfen fürchten! Ich gehe jedenfalls nach wie vor sehr gern im Schlaubetal spazieren, ganz besonders in der Nähe von Kieselwitz und ja - auch meine Kinder! Es ist sehr schön zu wissen, dass es endlich wieder Wölfe in unseren Wäldern gibt, denn: Wo der Wolf ist lebt der Wald!!

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