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Das Glück dieser Erde auf der Nerzfarm

Nicht nur im Advent liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde - und Maultiere (siehe Foto): Das wissen die Himmelpforter ganz genau und halten an der Idee fest, auf der ehemaligen Nerzfarm Wohnen mit Pferden zu ermöglichen.
Nicht nur im Advent liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde - und Maultiere (siehe Foto): Das wissen die Himmelpforter ganz genau und halten an der Idee fest, auf der ehemaligen Nerzfarm Wohnen mit Pferden zu ermöglichen. © Foto: MZV/Sabine Slatosch
Thomas Pilz / 11.02.2013, 18:01 Uhr
Himmelpfort (MZV/pilz) Es mutet schon etwas kurios an: Weil der Amtsschimmel der Gemeinsamen Landesplanung (GL) kürzlich lautstark gewiehert hat, mussten Fürstenbergs Stadtverordnete ihre Idee, in Himmelpfort einen Reiterhof mit einem Ferienhaus-Projekt zu "kreuzen", erneut ändern.

Die Nutzung der ehemaligen Nerzfarm in dem Weihnachtsdorf soll nun unter anderen Vorzeichen ermöglicht werden. Unbeteiligte werden aber keinen wesentlichen Unterschied erkennen können. Künftig soll ein "Wohnen mit Pferden" planerisch gestattet sein.

Darauf einigten sich Fürstenbergs Stadtverordnete während ihrer jüngsten Sitzung einstimmig. Sie folgten damit dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, in dem es unmissverständlich heißt: "Die bisher geplante Änderung einer Sonderbaufläche mit hohem Grünanteil (Reiterhof) in ein Sondergebiet mit hohem Grünanteil (Wohnen mit Pferden) betrifft eine Fläche außerhalb des Siedlungszusammenhangs." Aber die Entwicklung neuer Wohnnutzungen auf dieser Fläche würde den Zielen der Raumordnung und Landesplanung widersprechen.

Um diesen Vorwurf der GL auszuräumen, schlug die Stadtverwaltung einen Kunstgriff vor, nämlich die Fläche planerisch zu teilen - in einen Grünanteil, der sich im nordwestlichen Gebiet der Nerzfarm befindet und ein Sondergebiet "Wohnen mit Pferden", das Investoren im südöstlichen Bereich der Farm ermöglicht werden soll.

Ortsvorsteher Lothar Kliesch (SPD) kann mit der neuen Präzisierung leben, "denn es geht doch darum, dass wir in der Sache vorankommen", erklärte er am Montag auf Nachfrage. So viele Jahre habe sich die Kommune vergeblich bemüht, das an sich attraktive Gelände vernünftig zu entwickeln. Die jetzt erfolgte Ergänzung des Teilflächennutzungsplans stelle eine gangbare Alternative dar.

Kliesch erinnert an die zahlreichen vergeblichen Versuche, die Nerzfarm zu entwickeln: Anfangs in den 1990er Jahren erwarb die Gemeinde einen Teil des Geländes, um auf ihm den Sportplatz zu errichten. In die Nerzfarm zog einstweilen die Freiwillige Feuerwehr. Dann seien Überlegungen laut geworden, man müsse in Himmelpfort etwas mit Tieren machen - zumal der Ort kein typisches Bauerndorf darstellt. Ein Heuhotel unter anderem mit Pferden war eine der Ideen, die der Investor Holger Wetuschat vergeblich realisierte.

Und so sei das Vorhaben zur Sprache gekommen, wenigstens Voraussetzungen für einen normalen Reiterhof mit Ferienhausanlage zu ermöglichen. "Aber da hat uns die Gemeinsame Landesplanung einen Strich durch die Rechnung gemacht", erklärt Kliesch. Die Planer entschieden sich nämlich dafür, derartige Vorhaben - warum auch immer - nur noch in Ballungszentren zu erlauben, nicht mehr in abgelegenen Dörfern.

Grundlage dieser Projekt-Ideen war das Marketing-Konzept, das 2007 für Himmelpfort erarbeitet wurde und einen für das Weihnachtsdorf wichtigen Grundsatz des touristischen Handelns favorisiert - die Schaffung eines Urlaubsortes für Familien mit Kindern. "Himmelpfort bräuchte mehrere Projekte, die dem gerecht werden", waren sich damals alle Beteiligten einig. Fortan wurden Ideen laut für die Nerzfarm - wie die Schaffung eines Streichelzoos, der immer wieder für Leute aus der Stadt, zum Beispiel Berliner eine Attraktion sei. Denkbar sei aber auch ein Abenteuerspielplatz - es könnte durchaus ein überdachtes Gelände sein. Vor zwei Jahren machten die Stadtväter Nägel mit Köpfen - für das rund 3 000 Quadratmeter große Areal beschlossen sie, eine Wohnbebauung zu ermöglichen - allerdings spielten die Behörden nicht mit. Auch die abgespeckte Version "Wohnen mit Reiterhof" fand keine Fürsprache bei der Gemeinsamen Landesplanung.

Für Kliesch gehe es nun darum, konzentrierter und zielgerichteter als bisher nach wagemutigen und entschlossenen Leuten zu suchen, die das Areal mit Leben erfüllen - sprich die Vermarktung sollte besser angekurbelt werden. "Da haben wir ja noch nie richtig gesucht", so der Ortsvorsteher. Möglich wäre doch, wenn auch die Regionale Entwicklungsgesellschaft des Mittelzentrums die Bemühungen unterstützt, Investoren zu finden. Kliesch hat eine einleuchtende Rechnung parat, was die Steuerleistung und Schlüsselzuweisungen betrifft, wenn sich junge Familien ansiedelten: "Bei fünf Familien wären das im Schnitt 20 000 Euro, die jährlich in den Haushalt einer Gemeinde flössen!"

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