Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rund 4,5 Kilometer langer Abschnitt der A 11 durch die Uckermark noch im Originalzustand / Geld für Sanierung fehlt

Das letzte Stück Reichsautobahn

Hat NS-Zeit und DDR überlebt: Im September 1936 wurde die Stettiner Autobahn als weltweit erste Strecke zwischen zwei Großstädten eröffnet. Inzwischen ist ein Großteil der Strecke saniert. Nur ein Abschnitt kurz hinter dem Autobahnkreuz Uckermark ist komp
Hat NS-Zeit und DDR überlebt: Im September 1936 wurde die Stettiner Autobahn als weltweit erste Strecke zwischen zwei Großstädten eröffnet. Inzwischen ist ein Großteil der Strecke saniert. Nur ein Abschnitt kurz hinter dem Autobahnkreuz Uckermark ist komp © Foto: MOZ
Oliver Schwers / 20.02.2013, 07:32 Uhr
Gramzow (os) Wer über die Autobahn 11 nach Stettin will, passiert unfreiwillig das letzte original erhaltene Stück der früheren Reichsautobahn von 1936. Doch der 77 Jahre alte Beton ist so kaputt, dass sich Autos schütteln. Darunter leidet der gesamte Transit- und Urlauberverkehr.

Die Piste erinnert an schlechteste DDR-Straßenverhältnisse. Damals mussten Wartburg und Trabant den unzähligen Schlaglöchern ausweichen. Selbst auf Autobahnen erlebten unvorsichtige Fahrer herbe Überraschungen, wenn der Wagen über schlecht geflickte Absätze donnerte. Doch auf der A 11 hat sich bis heute ein Gefühl motorisierter Pionierzeiten erhalten. Zwischen dem Kreuz Uckermark und der Abfahrt Schmölln muss der gesamte Transitverkehr über holprige Betonplatten der 1930er-Jahre scheppern. Der mehr als vier Kilometer lange Abschnitt ist das einzige immer noch im Originalzustand befindliche und nie veränderte Teilstück.

Am 27. September 1936 wurde die Strecke Berlin - Stettin als weltweite erste Reichsautobahn zwischen zwei Großstädten eröffnet. Die massiven Betonplatten, die meisten der zahlreichen Brücken und sonstigen Bauwerke haben Krieg und anschließend DDR-Zeit überstanden. Doch die Haltbarkeit ließ immer mehr nach. Erst nach der Wende verschwanden die größeren Schäden. Seitdem begleiten Baustellen die Autofahrer auf der A 11. Und noch immer müssen große Abschnitte grundhaft saniert werden.

Nur zwischen dem Kreuz Uckermark und der Abfahrt Schmölln geht es nicht weiter. Stattdessen lässt der Gramzower Autobahnmeister Lars Kähler andauernd seine Reparaturtruppe ausrücken, um die gröbsten Risse und Verwerfungen am Beton zu kitten. Eine Lösung ist das nicht. Die hohen Lasten des Güterverkehrs zerbrechen die Platten. Im Winter friert eindringendes Wasser in den Ritzen und platzt Schlaglöcher heraus, "die in Handarbeit von unseren Mitarbeitern der Meisterei unter widrigen Witterungsbedingungen provisorisch repariert werden müssen", schreibt Thomas Schütt vom Landesbetrieb Straßenwesen auf der offiziellen Internetseite.

Angesichts solcher Zustände reagiert der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann mit Sarkasmus. Durch die "Einzigartigkeit, der historischen Echtheit und der Unversehrtheit dieses Autobahnabschnittes" dürfte es seiner Meinung nach für einen Aufnahmeantrag in die Welterbeliste der Unesco reichen. Anlass könnte der 27. September 2016 - der 80. Jahrestag der Eröffnung - sein. Gotzmann will mit seinem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag keinen Autobahn-Mythos zementieren, sondern auf das aktuelle Sanierungsdefizit hinweisen. "Der gesamte Wirtschaftsverkehr muss über diese Stelle. Da kann man doch nur noch den Kopf schütteln."

Der Amtsdirektor hat deshalb den grundhaften Ausbau des betreffenden Teilstücks für den neuen Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagen. Neben anderen wichtigen Projekten im Gartzer Raum und im Bereich entlang der deutsch-polnischen Grenze.

Wann das letzte Originalstück der Reichsautobahn verschwindet, ist derzeit noch unklar. Geplant sind momentan zwei größere Brückenbauten in diesem Abschnitt. Im gleichen Atemzug werden maximal 700 Meter Fahrbahn mit erneuert. Das wars vorerst.

"Man muss aber auch offen und ehrlich sagen, dass die Verkehrsbelastung hier extrem gering ist", sagt Thomas Schütt vom zuständigen Landesbetrieb Straßenwesen. "Schon bei den vorangegangenen Baustellen oberhalb des Autobahnkreuzes Uckermark kam es nie zum Stau." Nach heutigen Kriterien würde man vermutlich an dieser Stelle gar keine Autobahn mehr errichten, sondern eine gut ausgebaute Bundesstraße.

Allerdings befriedigt der Straßenzustand auch die Planer des Landesbetriebs nicht. Zumal auf der Gegenseite ein weiteres Stück Reichsautobahn unter neuerem Asphalt verborgen ist. Auch hier fehlt noch ein grundhafter Ausbau. Voraussetzung für die Sanierungen sind jedoch Gelder aus dem Bundeshaushalt. Die werden für dringendere Bauten ausgegeben. Damit bleibt der Uckermark die museale Reichsautobahn noch lange erhalten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Luis 24.02.2013 - 08:27:16

Ja, ja

Mobilität ist in einem Flächenland wie Brandenburg ein hohes Gut. Sie ist Voraussetzung für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung im Land und beeinflusst darüber hinaus in erheblichem Maße die Lebensqualität der Menschen in der Stadt und im ländlichen Raum. So preist sich der LS selbst und rühmt sich nicht, dass seit 77 Jahren nichts gemacht wurde. Interessanter Weise stammt der Artikel aus der Feder von Herrn Sch.. http://www.mil.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/MILAktuell_2_2010_web.pdf

Tja ... 21.02.2013 - 18:15:45

@Axel Krumrey:

Ob es Ihnen paßt oder nicht, besagte Straße wurde nun mal als Teil der Reichsautobahn errichtet und betrieben. Daß die Reichsautobahnen Teil der Kriegsvorbereitungen waren ist zwar zutreffend, aber Ihr geschätzter Einwurf hat in vorbildlicher Weise nichts mit dem Thema des Artikels zu tun. Es mag sein, daß Sie sich - aus welcher Animosität auch immer - an so einem harmlosen Namen stören, nachvollziehen kann ich das nicht. Konsequenter Weise müßten Sie sich dann ja auch am Namen "Olympiastadion" stören, das ebenfalls unter den Nationalsozialisten erbaut wurde und seinen Namen erhielt. Jedenfalls beißt die Maus keinen Faden ab, dieser Streckenabschnitt ist das letzte im Ursprungszustand erhaltene Stück der Reichsautobahn, es ist kein Stück des Spreewalds, nicht der Überrest des Palastes der Republik und auch nicht das letzte Stück der Berliner Mauer. Daraus zu folgen, wir würden in alten Nazi-Zeiten "schwelgen" oder Sympathisanten jenes Regimes sein, ist nicht nur blödsinnig sondern gewagt. Wir Deutschen können unsere Geschichte nicht dadurch ungeschehen machen, daß wir den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten. Gerade das wäre verhängnisvoll, nicht aber die Verwendung des Terminus Reichsautobahn in einem Kontext wie hier.

Strausberger Bürger 21.02.2013 - 13:10:42

@ Lenin, Wieso nicht beim Namen nennen,

das ist doch allgemein so üblich! Vor nicht allzulanger Zeit "stritten" wir noch über den Namen unseres Parlaments. Dann einigten wir uns auf "Deutscher Bundestag im Reichstagsgebäude". Heute heisst es in der Berichterstattung auch im öffentlich rechtlichen überwiegend nur noch in Berlin im "Reichstag"... mal bewusst darauf achten, "Reichstagsgebäude" sagt annähernd keiner.

lenin 21.02.2013 - 12:51:39

hier schwelgt doch keiner! ausser bei marx, da bin ich mir nicht ganz sicher...

aber warum soll man das kind nicht beim namen nennen? eigentlich verbietet sich für jeden politisch korrekten sowieso die benutzung dieser zu kriegstreiberischen zwecken errichteten plünderschneise. aber was will man machen herr krumrey, die leute sind halt unverbesserlich! am besten wäre es gewesen, man hätte sie alle(die reichsautobahnen mein ich...) so wie den führerbunker(aua, noch so ein schlimmes wort...) gesprengt.

Axel Krumrey 21.02.2013 - 12:10:20

Noch kein Stau?

Erst einmal nervt dieses Gequatsche von der "Reichsautobahn". Man sollte mal im Hinterkopf behalten, wofür diese Verbindung eigentlich gebaut wurde. Waren das nicht schon Kriegsvorbereitungen? Naja, so schön nostalgisch in den alten Nazi-Zeiten zu schwelgen scheint hier wohl manch einem gut zu tun. Das ist "Rotz"! Und im Übrigen ist das mit dem geringen Verkehr wohl kein Argument für den Erhalt des gegenwärtigen Zustandes, sondern eher dagegen. Denn der Transitgüterverkehr ist doch wohl nicht zu leugnen. Nur fahren die riesigen Schlepper eben nicht über die desolate Autobahn, sondern über die ringsum liegenden Dörfer. Nachts passiert das im Sekundentakt. Das zerstört dann auch noch die Dorf-, Kreis- und Landstraßen, die dann ebenso notdürftig repariert werden. Ein trauriger Zustand. Umso wichtiger wäre die Sanierung der A11!

lenin 21.02.2013 - 11:41:54

europas längste treppe

"...nur nicht für uns deutsche." na da hat wohl einer das stichwort "reichsautobahn" etwas zu sehr verinnerlicht? aber um den ganzen noch einen drauf zu setzen, sie soll ja 'seiner'zeit, in mehr oder weniger handarbeit, in einem jahr von berlin bis an die oder gebaut worden sein... wie schnell sollte sowas wohl unter den heutigen technologischen möglichkeiten machbar sein? 4 monate sollten da eigentlich reichen, auf 4 jahrzehnte wird's wohl hinauslaufen.

tester 21.02.2013 - 08:11:07

LACHNUMMER !

"Die werden für dringendere Bauten ausgegeben" Genau ! Für BER Stuttgart21 usw..... so ein ROTZ !

Engels 21.02.2013 - 06:57:24

Nicht gut.

Anders als mit Sarkasmus ist das ja wirklich nicht zu ertragen. Wirklich toll, wenn unsere Autobahnen verfallen. NIcht gut. NIcht gut. Überhaupt nicht gut.

marx 21.02.2013 - 06:26:22

Was wollt ihr denn?

Schade dass die Reichsautobahn nur 77 Jahre Gehalten hat. Die Strassen von heute sind natürlich technologisch und qualitativ wesentlich hochwertiger. Nicht umsonst müssen diese jährlich betreut und ausgebessert werden. Wir habens ja, Geld für alle und jeden in der Welt nur nicht für uns Deutsche.

westen 20.02.2013 - 13:46:54

Den Nagel voll auf den Kopf getroffen

@ TJA,Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Wir haben beim lesen des Kommentars uns vor Lachen kaum halten können. Weiter so.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG