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Debatte über Auszeichnungen eskaliert

Ortsvorsteher wollte spontan zurücktreten

Heike Hahn / 22.03.2013, 07:45 Uhr
Gieshof-Zelliner Loose (MOZ) Seit drei Jahren wurde seitens des Gieshofer Ortsbeirates kein Einwohner für eine Auszeichnung der Gemeinde vorgeschlagen. Verpasste Chance, sagte Ina Herbig. Ortsvorsteher Riko Dumke drohte daraufhin mit Rücktritt.

Ja, er habe kurz vorm Rücktritt gestanden. Riko Dumke, Ortsvorsteher von Gieshof-Zelliner Loose, war auch einen Tag nach der Sitzung des Ortsbeirates aufgewühlt. Besonders, wenn man ihn aufs Thema, auf den wunden Punkt ansprach. Warum, so wurde gefragt, wurde seit drei Jahren kein Gieshofer zur Auszeichnung vorgeschlagen?

Mittwoch gegen 17 Uhr begann im Gemeindehaus in Gieshof die Tagung des Ortsbeirates. Zwei Einwohner waren da, darunter auch die Gieshoferin Ina Herbig, die lange Zeit im Ortsbeirat tätig war und sich bis heute im Seniorenbeirat engagiert. Beim Tagesordnungspunkt "Einwohneranfragen" meldete sie sich zu Wort. "Ich frage mich, warum wir weder beim Neujahrsempfang noch bei der Feier zehn Jahre Letschin vertreten waren", sagte sie. "Warum wurde niemand aus Gieshof als Bürger des Jahres ausgezeichnet?" Ortsvorsteher Riko Dumke fragte nach Namen, die Ina Herbig vorschlagen würde. "Frau Herbig, unter denjenigen, die sie genannt haben, ist niemand, den ich ruhigen Gewissens vorschlagen könnte", erklärte Dumke daraufhin. Dann entzündete sich eine hitzige Debatte, was unter Ehrenamt zu verstehen ist. Riko Dumke brach schließlich die Sitzung ab. "Ich kann so nicht weitermachen." Die Anwesenden, darunter auch Hauptamtsleiter Alexander Haase, versuchten noch zu beruhigen. Doch es half nichts.

Auch tags darauf steht Riko Dumke noch zu seiner Meinung. "Wir haben seit Jahren Probleme, jemanden vorzuschlagen, der wirklich mit ehrenamtlicher Arbeit auffällt." Er räumte auch ein, dass ihm die Letschiner Feierlichkeiten nicht zusagen würden. "Angesichts der vielen Probleme, die wir haben, kann ich mich nicht hinstellen und feiern", sagte er. Zudem sei er nie ein Freund des Zusammenschlusses in der Gemeinde gewesen. "Seitdem geht es bei uns doch bergab." Die Gelder würden zum Großteil nach Letschin fließen, das nun glänze. Gieshof-Zelliner Loose werde häufig vergessen.

Das sagte er auch im Ortsbeirat in Richtung Alexander Haase - bevor die Sache mit der Auszeichnung diskutiert wurde und die Situation eskalierte. Ärger gebe es mit dem Baumschnitt, das Totholz sei lange Zeit nicht abgefahren worden. Auch andere Arbeiten stünden aus. "Es ist zu wenig passiert, die Leute wollen hier auch leben und es schön haben." Haase wies den Vorwurf zurück. "Wenn sich jemand an die Verwaltung wendet, ob Ortsbeirat oder Einwohner, nehmen wir das immer ernst", sagte Haase.

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Peter Miekley 26.03.2013 - 12:46:32

Ein Rücktritt wäre bedauerlich!

Als Ortsvorsteher in Sietzing, ebenfalls ein Ortsteil der Gemeinde Letschin, kann ich Riko Dumke sehr gut verstehen. Persönlich kenne ich ihn seit seiner Übernahme des "Amtes" in Gieshof und schätze ihn als sehr ruhihen und sachlichen Menschen, der immer bemüht ist die Interessen seines Ortsteiles zu vertreten und durchzusetzen. Als Ortsvorsteher hat man in der Regel einen direkten Draht zu seinen Einwohnern und kann selbst oder in Gesprächen abschätzen wer sich wo und in welchem Umfang angagiert. Auch in unserem Ortsteil hatten wir beim Neujahrsempfang 2012 der Gemeinde keinen Bürger den wir zur Auszeichnung vorgeschlagen haben, da auch wir in unserem Ortsbeirat niemanden vorschlagen um nur dabei zu sein (das heißt nicht das ich das anderen unterstelle!). Es ist somit, aus meiner Sicht schon grotesk, dass man sich dafür , so entnehme ich es dem Artikel, derartig rechtfertigen muss das eine solche Diskussion dem Ortsvorsteher an seiner Aufgabe zweifeln lässt. Ich habe selbst im Jahre 2011 eine Veränderung dieser Auszeichnungen angeregt, auch was die Durchführung und die Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltungen und Empfänge betrifft. Es ist allerdings in unserer Großgemeinde nicht einfach vorhandene Mehrheiten von Veränderungen zu überzeugen. Die Aussage "Zehn sind eins" auf der Festveranstaltung erinnert mich mehr an eine Losung unter dem Motto "Proletarier aller Länder vereinigt Euch" als an die gelebte und empfundene Realität. Nicht nur die Aussagen und das Empfinden von Riko, auch die Tatsache das aus dem Ortsteil Neubarnim niemeand an der Festveranstaltung teilnahm lässt an dieser Aussage doch zweifeln. Ich will auf keinen Fall alles in Zweifel ziehen was in den letzten Jahren erreicht wurde, aber es ist leider nicht alles so rosig wie es oftmals dargestellt wird. Wir, und damit meine ich besonders unsere kleinen Ortsteile, brauchen auch zukünftig solche Menschen wie Riko die sich vor dem Karren spannen und sich für ihre Ortsteile einsetzen. Wir müssen aufpassen, dass wir den Menschen nicht die letzte noch vorhandene Motivation nehmen sich ehrenamtlich zu angagieren, denn 2014 werden wieder neue Ortsbeiräte gewählt.

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