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Zum Geburtstag wird ganz groß aufgefahren

Auf die Idee kommt es an: Kurt Schmock wird die Kelleraner am heutigen Sonnabend auch mit diesem Gefährt überraschen. Das große Jubiläums-Schild ist eigentlich eine Paella-Pfanne
Auf die Idee kommt es an: Kurt Schmock wird die Kelleraner am heutigen Sonnabend auch mit diesem Gefährt überraschen. Das große Jubiläums-Schild ist eigentlich eine Paella-Pfanne © Foto: MZV/Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 07.06.2013, 18:36 Uhr
Keller (MZV) Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Dieses Zitat von Erich Kästner hat sich der Kelleraner Kurt Schmock zu Herzen genommen. Ihm ist es zu verdanken, dass die örtliche Feuerwehr am heutigen Sonnabend richtig groß ihren 100. Geburtstag feiern kann.

Lautlos gleitet das Tor zur Seite, das den Besucher von Kurt Schmock trennt. Der 71-Jährige winkt gleich einladend. "Sehen Sie sich ruhig erstmal um", sagt er. Und zu sehen gibt es bei Schmock so viel, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hingucken soll. Überall hängen Schilder mit frechen Sprüchen, dazu kommen Erinnerungsstücke aus der Zeit, als Schmock noch als Schausteller in der Welt unterwegs war, und natürlich jede Menge Trecker und Zugmaschinen. Nach dem kleinen Rundgang nimmt Schmock im Schatten vor der Lanz-Bulldog-Stube Platz. Der Kaffee in der Kanne bleibt unberührt, denn es ist einfach keine Zeit für einen Schluck. Wer mit Kurt Schmock plaudert, der hört zu und denkt gar nicht an irgendwelchen Kaffee.

Schmock ist derzeit voll im Stress, denn am heutigen Sonnabend wird in Keller das 100-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Beim großen Umzug, der um 11 Uhr am Ortseingang aus Richtung Gransee kommend startet, ist der 71-Jährige mit fünf historischen Fahrzeugen vertreten. Unter anderem dabei sind ein Lanz aus dem Jahr 1923, ein Lanz Bulldog von 1926 und ein Dreschkasten, der etwa zur gleichen Zeit gebaut wurde. Diese Fahrzeuge müssen gepflegt, gewartet und auf den Umzug vorbereitet sein. Diese Aufgabe lässt sich Schmock nicht nehmen. Er selbst wird heute einen bunt geschmückten Musikerwagen lenken, der natürlich auch ihm gehört.

Es ist kein Wunder, dass er bei der Parade durchs Dorf eine Ehrenrolle einnimmt - schließlich war er es, der das große Fest für die Feuerwehr überhaupt erst ermöglicht hat. Schmock hat am 22. November 2011 seinen 70. Geburtstag gefeiert. Er wollte keine Blumen und keine teuren Geschenke. Der Rentner hat sich nur Geld gewünscht, das er an die Feuerwehr gespendet hat, sodass sie ihr Jubiläum angemessen feiern kann. 670 Euro sind an diesem Tag zusammengekommen. 330 Euro hat Schmock noch einmal draufgelegt, damit eine runde Summe entsteht. Als Anerkennung für sein Engagement in Sachen Feuerwehr wurde er gleich am Tag seinen Geburtstages zu deren Ehrenmitglied ernannt. Schon zur Feier anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Einheit hatte Schmock sich etwas Besonderes ausgedacht. Er hat ein eisernes Emblem anfertigen lassen, das nun im Kelleraner Gemeindehaus hängt.

Das Gespräch wird kurz unterbrochen, Schmocks Handy klingelt. Er klärt schnell einige Details, mit gewohnter Berliner Schnauze. "Das war der Bäcker", erklärt er. Er hat auf Anregung seiner Frau Anita eine Torte zum großen Fest backen lassen, nun musste noch schnell die Beschriftung abgesprochen werden. Eine große 100 darf da natürlich nicht fehlen.

Seit 1991 lebt Kurt Schmock in Keller. Ins Dorf kam der Schausteller durch Ortsvorsteher Manfred Gaetke. Eigentlich habe er sich in einem anderen Dorf niederlassen wollen, doch Gaetke meinte, er könne seinen Hof auch in Keller aufbauen. Schmock folgte dem Rat und fühlt sich seitdem im Dorf wohl. "Bei meinem Herzug habe ich schon die Gemeinschaft der Menschen hier bewundert, die zueinander stehen und sich helfen", sagt er. In dieses Gefüge hat sich Schmock nahtlos eingefügt. Er kaufte den Festplatz und überschrieb ihn dem Dorf. Außerdem liegt ihm das Kirchengebäude am Herzen. Dafür spendierte er eine neue Uhr. Vor einigen Jahren hat er der Lindower Feuerwehr ein neues Boot geschenkt. "Wenn man aus ärmeren Verhältnissen kommt, versucht man etwas zu bewirken, wenn es einem besser geht", erklärt der 71-Jährige. Die Feuerwehr ist ihm außerdem wichtig, weil sich die Mitglieder in ihrer Freizeit für andere einsetzen. "Eine ehrenamtliche Tätigkeit wird in unserer Ellbogengesellschaft nicht mehr gewürdigt", sagt er. Auch die Nachwuchssorgen könne er nachvollziehen.

Doch auch schon vor seiner Zeit in Keller bemühte sich Schmock, etwas von seinem Erfolg mit anderen zu teilen. Er bewirtete behinderte Kinder beim deutsch-französischen Volksfest in Berlin oder Senioren in den Hauptstadt-Bezirken, in denen er große Veranstaltungen plante.

Zu seiner Leidenschaft, Trecker zu sammeln, kam er erst in Keller. Begonnen hat alles mit einer alten Zugmaschine und einem Wohnwagen. Damit war das, was Schmock als Virus bezeichnet, ausgebrochen. "Aber es ist wie beim Sammeln von alten Briefmarken", erklärt er. Das begehrteste Stück - eine Art Blaue Mauritius in Trecker-Form - hat er noch nicht. Rund 200 000 Euro trennen ihn davon, denn so viel ist ein Eiler Lanz Bulldog mittlerweile wert.

Mittlerweile muss Schmock dem Alter Tribut zollen. Bis auf die Pflege und Wartung seiner geliebten Traktoren nimmt er sich nun etwas zurück. Doch das Rauf- und Runterklettern klappt noch wunderbar, wenn er hinter dem Lenkrad von einem seiner Trecker Platz nimmt. "Das ist mein Sport", sagt er. Auch Anhänger erklimmt er noch immer problemlos über einen wackligen Stuhl, wenn es sein muss und oben drauf eines seiner Fahrzeuge steht. Wenn es anschließend erst tuckert, dann knattert und knallt und der Motor langsam startet, dann ist von dem 71-Jährigen, der mit einigen Krankheiten zu kämpfen hat, nichts mehr zu sehen. Dann sitzt da nur Kurt Schmock, der Sprössling einer Schausteller-Familie, die sich bis 1888 zurückverfolgen lässt, und hat ein breites Grinsen im Gesicht.

Mit fünf Böllerschüssen am Anfang und sieben am Ende des Festes wird den Kelleraner Feuerwehrleuten heute gratuliert. "Das wird wie bei der Geburt eines Kindes am Königshof", sagt Kurt Schmock und lacht in sich hinein.

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