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Adelsfamilien bestimmten Schicksal zweier Dörfer / Adler auf Denkmal "entflogen"

Märchenhafte Lage, starker Zusammenhalt

Von einem gepflegten Park umgeben: Das Schloss Petershagen ist ein Schmuckstück. Es hat sogar ein Hochzeitszimmer für Eheschließungen (Anmeldung: 033331 64042).
Von einem gepflegten Park umgeben: Das Schloss Petershagen ist ein Schmuckstück. Es hat sogar ein Hochzeitszimmer für Eheschließungen (Anmeldung: 033331 64042). © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 03.07.2013, 07:22 Uhr
Luckow-Petershagen (MOZ) Inmitten einer Bruchlandschaft und von Wald umgeben liegt Luckow-Petershagen. In diesem Doppeldorf leben 364 Einwohner. Die Dorfgemeinschaft hält zusammen - im Mühlenverein, in der Feuerwehr und bei Festen.

Das markanteste Gebäude von Petershagen ist das Schloss. Es wird vom Dorf- und Mühlenverein und der Gemeinde genutzt. In dem romantisch eingerichteten Hochzeitszimmer hat 2009 die erste Eheschließung stattgefunden. Der märchenhafte Park und die Schlossgaststätte "Zum Fuchsgrund" liefern beste Voraussetzungen für eine Traumhochzeit.

Bis 1997 hat der Petershagener Feuerwehrchef Peter Voß im Schloss gewohnt. In diesem Sommer stemmt der Rentner mit seinen Helfern den Abriss des zu klein gewordenen Feuerwehrgebäudes. "Schon zweimal sind wir zugunsten anderer Dörfer vom Bau einer Fahrzeughalle zurückgetreten", erzählt Peter Voß. Jetzt kann der lange gehegte Plan verwirklicht werden. 2015 soll außerdem ein Schulungsraum samt Sanitärtrakt gebaut werden.

Am 31. August feiern die Petershagener Erntefest. Peter Voß weiß: "Dann kommen auch die Luckower rüber. Die feiern gern." Das Petershagener Erntefest ist in der Gegend berühmt: Kaffeestube im Freien, Sportspiele, Ernteumzug. Doch in diesem Jahr soll es zum ersten Mal keinen Umzug geben. "Das Fest wird bescheidener, weil wir für die 725-Jahrfeier im Mai 2014 sparen", sagt Ortsvorsteherin Donata Oppelt. "Eigentlich ist Luckow 40 Jahre älter. Aber wenn wir feiern, dann feiern wir alle gemeinsam."

Donata Oppelt ist gleichzeitig Bürgermeisterin der Großgemeinde Casekow, zu der sieben Dörfer gehören. Sie war viele Jahre Lehrerin an der Grundschule Casekow und kennt die sieben Dörfer fast in- und auswendig. "Auch für jemanden im Ruhestand ist so ein Bürgermeister- und Ortsvorsteherposten ein ordentliches Maß an Arbeit", sagt sie. Schon im Doppeldorf Luckow-Petershagen sei es schwierig, alle Befindlichkeiten unter einen Hut zu bringen. Zum Glück könne sie sich auf viele Einwohner verlassen, die mitziehen. Da ist der Dorf- und Mühlenverein, da sind die Feuerwehren und da ist zum Beispiel Familie Krumm.

Seit 20 Jahren prägt Familie Krumm mit mehreren bunt geschmückten Wagen den Ernteumzug. Die ganze Großfamilie wird einbezogen. Wer Auto fahren kann, macht mit; sogar Verwandte aus Schwedt."Wir haben unseren Sohn Lucas schon als Baby mit auf den Erntewagen genommen. Jetzt lernt er in der UPM-Papierfabrik Schwedt, hat Fahrerlaubnis und darf ans Lenkrad", erzählt Mandy Krumm. Dass dieses Jahr nun gar kein Wagen beim Erntefest rollen soll, da sind sich die Krumms nicht so sicher.

Mandy Krumm hilft sowieso, wo sie kann. Sie grillt Würstchen auf Kinderfesten und macht seit vielen Jahren im Wahlausschuss mit. Auch bei der Bundestagswahl im September sitzt sie wieder im Wahlbüro.

In Luckow gehören Mario und Peggy Geratsch zu jenen, auf die sich Donata Oppelt verlassen kann. Die Eheleute helfen beim Osterfeuer, schleppen Stühle für die Besucher des Mühlentages und sie pumpen Heiligabend schon mal fremde Keller aus. Familie Geratsch ist komplett in der Feuerwehr - Mario ist Wehrleiter, seine Frau Stellvertreterin.

Betrübt ist Donata Oppelt, dass der Bahnhof in Petershagen so ungepflegt aussieht. "Nicht nur das Bahnhofsgebäude verkommt, sondern auch der Weg dorthin", ärgert sie sich über die Deutsche Bahn.

Ach ja, und man habe sich aus finanziellen Gründen von der Museumsscheune trennen müssen, die den Weg vom Korn zum Brot darstellt. "Das tut mir sehr weh. Denn schon Kinder auf dem Land wissen heutzutage nicht, wie das Brot entsteht. Im Herbst übernimmt der Verein Casekow unsere Exponate. So bleibt alles für die Nachwelt erhalten."

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