Das Nachrichtenportal für Brandenburg

Nachbar torpediert Lesung mit 20 Gästen in der alten Klessiner Scheune / Streit geht schon über Jahre

Eklat in der Sommernacht

Kleinod im Oderbruch: Vor sechs Jahren hat Oswald Schröder die Alte Schmiede samt Scheune erworben
Kleinod im Oderbruch: Vor sechs Jahren hat Oswald Schröder die Alte Schmiede samt Scheune erworben © Foto: Michael Märker
Heike Hahn / 09.07.2013, 20:25 Uhr
Klessin (MOZ) Kurzgeschichten von Ambrose Bierce sollten zu hören sein - doch die Gäste vernahmen hauptsächlich Lärm eines alten Baggers. Die Sommer-Lesenacht von Oswald Schröder geriet zu einem Fiasko. Doch das Lebuser Ordnungsamt sieht keine rechtliche Grundlage zum Handeln.

Oswald Schröder entschied sich, die Veranstaltung dennoch durchzuziehen. Seine Lesenacht in der Alten Schmiede am Fuße der Oderbruchkante in Klessin hatte gerade begonnen, als ein Rattern und Dröhnen durch die Mauern drang. "Es vibrierte regelrecht", erzählt der Gastgeber später. Sein Nachbar - er hat an der abgelegenen Stelle im Grünen nur den einen - hatte einen alten Bagger angeworfen. Es war an dem lauen Sommernachts-Sonnabend kurz nach 20 Uhr, pünktlich zum Beginn seiner Lesung.

"Es war ein Fiasko, auch für meine Gäste", sagt Schröder. Etwa 20 Besucher aus Lebus und der Region hatten sich auf eine spannende Lesung gefreut. Oswald Schröder umrahmt seine Veranstaltungen mit Musik und den Fotoarbeiten der Künstlerin Zuzana Richter. Bis 22 Uhr kam dieses Mal noch der "schreckliche Lärm" von gegenüber hinzu.

Der abendlichen Eskalation mit vielen Zeugen geht eine lange Geschichte des Nachbarschafts-Streits der zwei Männer voraus. Oswald Schröder hatte vor sechs Jahren das Grundstück mit der Alten Schmiede darauf erworben. Seitdem baut er sie als Kunst- und Veranstaltungsort aus. Ab August sollen dort auch Fotokurse von Zuzana Richter angeboten werden.

Warum sich die Nachbarn überworfen haben, ist unklar. Aber seit einiger Zeit melden sich die Beiden abwechselnd beim Ordnungsamt in Lebus. Dort verweist Andreas Knopp auf das Landesimmissionsschutzgesetz. "Das, was sich dort unten abspielt, ist rein privatrechtlicher Natur", sagt er. Wiederholt habe er dennoch versucht, zwischen den beiden Männern zu vermitteln. Es half nichts. Auch ein Termin bei der Schiedsstelle platzte. "Sollte etwas ordnungsrechtlich relevant werden, kümmern wir uns natürlich darum", sagt Knopp. Seine Aufgabe sei es aber allein, für öffentliche Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Solange kein größerer Personenkreis, also die Öffentlichkeit, von dem Streit, von Lärm und anderen Dingen betroffen ist, könne die Behörde auch nichts unternehmen.

Der Bagger-Lärm an dem Abend wurde 22 Uhr beendet. Dann beginnt die Nachtruhe - also bestehe auch kein Handlungsbedarf seitens des Amtes. "Ich verstehe, dass es eine verzwickte Situation ist", gibt Andreas Knopp zu. "Besser wäre es, wenn sich die Nachbarn zusammenraufen würden."

Das scheint für Oswald Schröder nicht mehr möglich zu sein. Genauso wenig wie es möglich war, die Lesung schön zu gestaltet, während das Publikum solch einem Lärm ausgesetzt war. "Sie haben mir auf die Schulter geklopft, sind kopfschüttelnd gegangen", sagt Schröder.

Eigentlich hatte er vor, weitere Lesungen zu veranstalten. Die August-Lesung werde er jedoch absagen - "weil ich sicher wieder mit einer ähnlichen Aktion rechnen muss". Hätte er eine Rechtsschutzversicherung, wäre er schon längst vor Gericht gezogen, sagt Schröder.

Andreas Knopp bedauert die angekündigte Absage weiterer Veranstaltungen. Damit habe der Nachbar doch letztlich sein Ziel erreicht.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
der Holgo 11.07.2013 - 09:17:59

Da kann man sich…

…als Außenstehender eigentlich gar kein Urteil bilden, bevor man beide Seiten gehört hat. Ansonsten bringt es nichts, da irgendwelche Ordnungshüter einzuschalten. Wenn der eine seinen Bedarf an Baggerarbeiten - wie auch immer - rechtfertigen kann, dann wird man den Parteien nahelegen, sich doch zu einigen, dass nicht beide "Veranstaltungen" zeitgleich stattfinden, was dann natürlich nicht funktionieren wird und dann muß man sich eben zivilrechtlich einigen. Spätestens dann gibts ja einen, der sich beide Seiten anhört. Ich würde aber einfach eine weitere Lesung ansetzen, die aber nur offiziell eine Lesung ist und dann kommt am nächsten Tag ein Artikel in die Zeitung, wie erfolgreich die Veranstaltung mit dem Motto "Wir lauschen dem Bagger" war und das man sich nochmal ausdrücklich beim Nachbarn für die tolle akustische Umrahmung bedankt.

Störtebecker 10.07.2013 - 19:30:28

etwa ein Revanchefoul ?

nun bleibt doch mal ganz ruhig, Herr Schröder weiss schon warum er im Background den Bagger hatte - so wie man in den Wald hineinruft so schallt es auch wieder heraus ...

POM BÄR 10.07.2013 - 17:51:27

..die

Geräusch- und Abgasemissionen werden aber nicht nur auf das Privatgrundstück des Verursachers emittiert sondern belasten die Allgemeinheit. Also wäre doch zu hinterfragen ob Ordnungsamt oder Polizei sich die Sache mal anschauen könnten.

Baggerbodo 10.07.2013 - 17:32:50

@POM BÄR

Die StVO gilt nicht auf Privatgrundstücken sondern nur im öffentlichen Verkehrsraum.

POM Bär 10.07.2013 - 16:17:16

wäre noch zu..

...prüfen was er denn gebaggert hat. Hat er nur den Baggermotor laufen lassen könnte es genauso strafbar sein wie sinnloses Autoumherfahren. "§ 30 StVO - Umweltschutz und Sonntagsfahrverbot " -"(1) Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen und Fahrzeugtüren übermäßig laut zu schließen. Unnützes Hin- und Herfahren ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten, wenn Andere dadurch belästigt werden."

Trommel 10.07.2013 - 15:23:53

Aber Schlumpfi

wenn er Ruhe sucht, warum macht er dann den Bagger an?

Schlaubi Schlumpf 10.07.2013 - 12:36:58

Aber Heinzi ...

Ein Bagger ist KEIN Gerät zum Schnitt von Rasen, die von dir angesprochene Regelung betrifft aber ausschließlich Rasenmäher und andere Geräte zum Schnitt von Rasen, z. B. Rasentrecker oder Motorsensen. Man sollte allerdings das auch mal aus Sicht des vermeintlich bösen Nachbars mit dem Bagger betrachten, vermutlich möchte er auf seinem abgelegenen Grundstück einfach die Ruhe genießen und dann macht nebenan ein Künstler oder was auch immer da einen auf Freizeitpark. Da auch das nicht rechtlich verboten ist, scheint er sich eben auf seine Weise zu wehren, durch eine Maßnahme, die rechtlich ebensowenig verboten ist. Das kann man irgendwo auch verstehen.

heinzi 10.07.2013 - 12:27:15

Lärmschutz

lt Bundesgesetz!!! darf ich nach 20:00 Uhr Samtags 19:00 Uhr keinen Rasenmaäher anmachen!!!! das wurde sogar mehrmals im Amtsblalt veröffentlichtund einen Bagger ?? ich frage mich was das Ordnungsamt eigentlich macht ob es seine eigenen Vröffentlichungen nicht kennt

Rasenmäher 10.07.2013 - 12:03:33

Vielleicht sollte man die Lärmbelästigung........

......einmal umgedreht betrachten. Ursache und Wirkungsprinzip würde ich sagen.

A.Fuhr 10.07.2013 - 10:24:50

aha

Und nun würde ich mir gern die Geschichte vom Nachbarn erzählen lassen!Genug Zeit zur Recherche war ja schließlich.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG