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Arno Gielsdorf haben es die Weiten des Alls angetan / Schon mit 19 baute der Klandorfer eine Sternwarte in seinem Garten

Spaziergänger am Himmel

Arno Gielsdorf aus Klandorf (53) hat sich als 19-Jähriger eine Sternwarte in den Garten gebaut. Das Spiegelteleskop nutzt er aber auf einem Podest draußen. Das Gerät ist ebenfalls Marke Eigenbau - drei Mülleimer hat Gielsdorf vor Jahren dafür zusammengesc
Arno Gielsdorf aus Klandorf (53) hat sich als 19-Jähriger eine Sternwarte in den Garten gebaut. Das Spiegelteleskop nutzt er aber auf einem Podest draußen. Das Gerät ist ebenfalls Marke Eigenbau - drei Mülleimer hat Gielsdorf vor Jahren dafür zusammengesc © Foto: MOZ/Ellen Werner
Ellen Werner / 22.07.2013, 07:30 Uhr
Klandorf (MOZ) Am 20. Juli vor 44 Jahren landeten erstmals Menschen auf dem Mond. Genau sieben Jahre danach erreichte die erste Raumsonde den Mars. An die Ereignisse erinnert der Internationale Tag der Weltraumforschung. Wir befragten aus diesem Anlass Hobbyastronom Arno Gielsdorf zu seiner Faszination fürs All.

Anschrauben und los, so leicht geht's nicht. Arno Gielsdorf hievt sein himmelblaues Teleskop aufs runde Bretterpodest. Alles Marke Eigenbau - die Hülle des Fernrohrs hat er vor vielen Jahren aus drei Mülleimern zusammengesteckt. Jetzt ist es nach Norden ausgerichtet. "Weil die Erde sich dreht, müssen wir die Bewegung des Himmels ausgleichen", erklärt der 53-jährige Hobbyastronom.

Selbst wenn es dunkel wäre, müssten Sterngucker sich aber noch gedulden. "Man gewöhnt sich erst nach einer halben Stunde an die Dunkelheit", sagt Arno Gielsdorf. Daran ändert auch die jahrzehntelange Übung nichts, die der Klandorfer inzwischen erlangt hat. Die jedoch macht auf anderen Gebieten einen Großteil der Faszination am Hobby aus. "Je mehr man weiß, desto mehr sieht man", findet Gielsdorf.

Klar war ihm das schon als Schüler. "Ich hatte mir ein ganz kleines Fernrohr, 50 Zentimeter lang, aus Berlin geholt." Das Interesse teilte er mit einem Gleichaltrigen aus dem Ort. "Das wurde dann so eine Art Wettkampf, wer sich am besten auskannte."

Stück für Stück hat er seither den Himmel für sich erschlossen. "Entdecken kann man nicht mehr viel", sagt er. "Aber sich bilden und dabei entdecken, wie unerschöpflich der Raum ist." Arno Gielsdorf sucht gezielt nach bestimmten Objekten. "Am Himmel spazieren gehen", nennt er seine Art, sich im Kosmos zu bewegen. "In jeder Nacht ist ja ein anderes Stückchen zu sehen." Außer Karten sind für ihn dabei die international gültigen Koordinaten unabdingbar - anders als beim sogenannten Starhopping, bei dem man, oft unterstützt von Computerprogrammen, von Stern zu Stern hüpft - ein Trend aus der englischsprachigen Astronomie-Szene.

"Galaxien sind eigentlich das Beeindruckendste, was man ständig sehen kann", sagt Gielsdorf. "Das Weltall ist erfüllt von Galaxien." Zur Zeit sind die Sommersternbilder im Fokus. "Jetzt sind zwei besonders gute Abschnitte der Milchstraße zu sehen - Stern an Stern, Sternenhaufen an Sternenhaufen." Spektakulär sei es auch, die Bewegung von Kometen wie des Hyakutake im Jahr 1996 zu verfolgen. "Den Schweif zu beobachten - das war eine ganz große Sache."

Noch heute betreiben beide Sternenfreunde ihr Hobby in Klandorf. "Ohne Wettstreit." Bei Arno Gielsdorf gingen Faszination und Ehrgeiz immerhin so weit, dass er sich ein eigenes Teleskop und schließlich sogar eine ganze Sternwarte erbaute. Das weiß getünchte Häuschen mit der blechernen Kuppel steht seit 1979 im Garten der Gielsdorfs, gleich gegenüber der Klandorfer Kirche. Zu DDR-Zeiten hat der Erbauer dort Schüler im fakultativen Astronomieunterricht betreut. Auch andere Allinteressierte schauten vorbei. "Nach der Wende sind solche Besuche aber seltener geworden", sagt Gielsdorfs Tochter Angelika. Meist sind es Zufallsgäste, Ausflügler, denen die 30-Jährige gelegentlich noch die Sternwarte aufschließt.

So kurios wie deren Standort in dem kleinen Dorf ist ihr Inneres unterm Kuppeldach. Wenn man an einem Autolenkrad dreht - "Moskvich oder Lada", so genau erinnert sich der Kfz-Mechaniker nicht mehr - öffnet sich ein Teil des Daches. Per Handkurbel an einer Fahrradpedale lässt sich die Kuppel verdrehen. Das riesige Teleskop, eigenhändig verschweißt, gleicht einem großen Heizkessel. Den sogenannten Newtonspiegel ließ Gielsdorf beim Spiegelschleifer anfertigen.

Dennoch macht er seine Beobachtungen bis heute meist im Freien, die Sternwarte blieb unvollendet. "Ich bin beim Basteln damals hängengeblieben. Erst kam die Familie, dann hing es an den Finanzen", sagt der 53-Jährige. Seine Frau traf er, wo wohl, unter dem Kuppeldach. "Meine Mutter kam zum Sternegucken her und dann ging auch alles ziemlich schnell", erzählt Angelika Gielsdorf.

Mit den drei inzwischen erwachsenen Kindern ging er früher auch gemeinsam auf Erkundungstour am Himmel, ohne Fernrohr. So beobachtete die Familie den jährlich um den 11. bis 13. August herum wiederkehrenden Meteorstrom der Perseiden. "Wir haben mit Karte und Uhr gezählt"

Selbst durch den Weltraum fliegen würde er allerdings nie. "Nee, ich bin sehr irdisch", sagt Arno Gielsdorf. "Einer mit Heimweh."

Rund 600 Millionen Menschen aus aller Welt saßen am 20. Juli 1969 vor den TV-Bildschirmen, um Apollo 11 und die ersten Schritte des Mannes auf dem Mond zu verfolgen. An Meilensteine der Raumerkundung wie diesen soll der Internationale Tag der Weltraumforschung jährlich am 20. Juli erinnern.

Laut Wikipedia umfasst Weltraumforschung die aktive Erkundung des Weltalls durch Fernerkundung, Beobachtung, Sondierung oder Experimente. Die Raumfahrt ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wettervorhersagen, weltumspannende Telefonate und die Ortung über GPS sind möglich. Aluminiumbeschichtete Folien, Klettverschluss oder Akkuschrauber und viele weitere Nebenprodukte der Weltraumfahrt gehören zum Alltag. Als Vater der modernen Raumfahrt gilt der Russe Konstantin Ziolkowski (1857-1935). Er beschrieb 1903 die sogenannte Raketengrundgleichung.

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