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Schwitzen für die Bürger

Auf die Räder, fertig, los! Die Gemeindevertreter Silvio Giesecke, Anke Zwick, Eberhard Krüger und Bürgermeister Heinz Wilke (vorn v. l.) fuhren über den Oderdeichweg von Genschmar nach Bleyen. In der zweiten Reihe radeln Christine Stolp von der Amtsverwa
Auf die Räder, fertig, los! Die Gemeindevertreter Silvio Giesecke, Anke Zwick, Eberhard Krüger und Bürgermeister Heinz Wilke (vorn v. l.) fuhren über den Oderdeichweg von Genschmar nach Bleyen. In der zweiten Reihe radeln Christine Stolp von der Amtsverwa © Foto: Dorothee Torebko
Dorothee Torebko / 24.07.2013, 07:26 Uhr
Bleyen-Genschmar (MOZ) Alljährlich schwingen sich die Gemeindevertreter aus Genschmar und Bleyen auf die Räder und fahren durch beide Orte. Ziel: Sie machen sich ein Bild von den Problemen. Dieses Mal ging es um den Genschmarer Sportplatz, den Drehwitzer Friedhof und einen Wäscheleinenstreit.

Die Sonne knallt auf den Asphalt, die Luft steht, kein Mensch auf der Straße. Es ist 16.30 Uhr, vor dem Gemeindehaus in Genschmar. Aus allen Himmelsrichtungen radeln Gemeindevertreter, Bürgermeister und eine Mitarbeiterin des Amtes auf das Zentrum zu. Bei einigen hat sich bereits ein Schweißfilm auf der Stirn gebildet, andere nehmen den ersten Schluck aus der Wasserflasche. Sie schwitzen heute für die Genschmarer und Bleyener. Denn es geht durch die beiden Orte per Rad.

Einer von ihnen ist Heinz Wilke, der Bürgermeister von Bleyen-Genschmar. "Wo fahren wir lang?", fragt er die acht Radler. "Schulstraße und zurück über die Siedlungsstraße", ist die Antwort. Gut, los geht's! Die Gespräche auf den Rädern drehen sich um die verfallenen Häuser, die am Wegesrand stehen. Viele sind zugewuchert mit Gestrüpp, der Putz bröckelt von den Wänden, einige sind unbewohnt. Heinz Wilke erklärt: "Da dies Privatgrundstücke sind, hat die Gemeinde keine Befugnis. Aber im vergangenen Jahr gab es noch mehr Grundstücke, die verfallen aussahen."

Die Gemeindevertreter rattern über einen Schotterweg weiter auf die Landstraße, die zum Oderdeich-Radweg führt. In Jogging-Tempo ziehen die heruntergemähten Felder und Häuser der Genschmarer vorbei. Auf der linken Seite taucht ein begrünter Sportplatz, in dessen Mitte eine Betonfläche gegossen ist, auf. Unscheinbar zunächst, birgt die graue Fläche Streitpotential.

Denn die Gemeinde hat den Platz gepachtet und stellt ihn der Feuerwehr für Übungen zur Verfügung. Die Feuerwehrleute haben eine Betonfläche darauf errichtet. Geplant war ursprünglich eine steinerne Fläche. Nun verlangt die Kirche, die Besitzer des Platzes ist, dass die Gemeinde sich verantwortlich für den Rückbau zeigt. "Wir wollen aber aus dem Pachtvertrag aussteigen, damit wir nicht die Kosten zahlen müssen", sagt Heinz Wilke und strampelt weiter. Bei der späteren Sitzung pflichten ihm die Gemeindevertreter bei. Nun wird mit den Vertretern der Kirche und der Feuerwehr gesprochen.

Die Kolonne radelt weiter über den Oderdeichweg Richtung Bleyen. Links des Radlenkers stochert ein Storch in einer Wasserpfütze, rechts brausen vereinzelt Autos vorbei. Nur wenige Radfahrer kommen den Gemeindevertretern entgegen. "Rechts abbiegen", ruft Bürgermeister Wilke, die Radler sausen einen Berg hinunter, hin zum Drewitzer Friedhof. Wie ein verwunschener Garten aus einem russischem Fernseh-Märchen sieht der Friedhof aus. Einige Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert sind überwuchert mit Moos, die neueren schmücken rote Studentenblumen.

Hier soll bald ein Bodenordnungsverfahren eingeleitet werden, sagt Wilke. Grund: Die Besitzverhältnisse sind nicht geklärt. "Wir kümmern uns schon lange privat um die Gräber", sagt Gemeindevertreterin Regina Jaenicke, die in Bleyen wohnt. "Und sind froh, dass es den Friedhof noch gibt." Vor einigen Jahren sollten drei der vier Friedhöfe von Bleyen-Genschmar liquidiert werden. Dagegen sträubten sich aber vor allem die älteren Bürger. Sie wollten an ihrem Geburts- und Heimatort begraben sein. Und so blieben die Friedhöfe. Welche Teile der Drewitzer Ruhestätte privat sind und welche der Gemeinde gehören, wird nun das Bodenordnungsverfahren ergeben.

Mit dieser Information steigen die Vertreter auf ihre Räder. Es geht nach Altbleyen. Vor einem Mietshaus am Ortseingang haben sich schon die Einwohner versammelt. Eine ältere Frau ist erbost, zetert die Gemeindevertreter an. Worum gehts? Damit das Regenwasser vor den Garagen ablaufen kann, wurde vom Amt ein Graben mit einer Ballustrade davor errichtet. Zum Unmut der Einwohnerin unmittelbar hinter einer Wäscheleine. "Jetzt kann ich gar nicht mehr Bettwäsche hier aufhängen, weil die gegen diese Holzbalken schlägt und schmutzig wird", erklärt sie den Gemeindevertretern. Eberhard Krüger versucht zu beschwichtigen: "Können Sie die Wäsche denn nicht an eine andere Leine hängen?" Die Antwort der Altbleyenerin: Sie habe ihre Wäsche seit Jahren hierher gehangen, das wolle sie jetzt nicht ändern. "Es geht ums Prinzip."

Etwa 20 Minuten stehen die Gemeindevertreter an den Holzbalken, diskutieren, suchen nach Lösungen. Und finden schließlich eine: Die Pfosten der Wäscheleine sollen um einen halben Meter verrückt werden. Die Gemeindevertreter schnaufen durch. Es geht weiter zum Sportplatz in Bleyen, der neu gemacht wurde und bei dem nun einige Lampen ausgetauscht werden müssen. Es ist die letzte Station der Abgeordneten. Fast. Zum Abschluss gibt es noch eine Sitzung. Ach ja, und dann gehts mit dem Rad natürlich auch wieder zurück nach Genschmar.

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