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Grüner Jungclaus fordert mehr Personal / 2,5 Milliarden Euro Investition liegen brach

Windplanung lahmt hinterher

Schnellerer Ausbau: Um die Ziele Berlin-Brandenburgs bis 2030 zu schaffen, braucht es einen schnelleren Ausbau, meint Grünen-Politiker Michael Jungclaus (r.). Günter Lammers (l.) von der Windkraft-Firma Energiekontor ist natürlich auch dafür.
Schnellerer Ausbau: Um die Ziele Berlin-Brandenburgs bis 2030 zu schaffen, braucht es einen schnelleren Ausbau, meint Grünen-Politiker Michael Jungclaus (r.). Günter Lammers (l.) von der Windkraft-Firma Energiekontor ist natürlich auch dafür. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Cornelia Hendrich / 26.07.2013, 04:10 Uhr
Briest (MOZ) Einige wollen Windräder, andere nicht. Wie auch immer, bis ein geeignetes Gebiet überhaupt für Windräder ausgewiesen wird, kann es in Brandenburg schnell zehn Jahre dauern. 2,5 Milliarden Euro Investitionen liegen so im Land brach. Grünen-Politiker Michael Jungclaus fordert, das muss schneller gehen.

Es sind ehrgeizige Ziele, die sich Berlin und Brandenburg gesteckt haben: Bis 2030 soll der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. 80 Prozent davon müssten Windräder produzieren. Doch hier hakt's. Denn die regionalen Planungsstellen, von denen es fünf in Brandenburg gibt, brauchen Jahre, um ein Gebiet als für Windräder geeignet auszuweisen.

"Es gibt eine große Öffentlichkeitsbeteiligung, einen Entwurf, Einwände gegen den Entwurf, dann weitere Entwürfe, dann neue Richtlinien und alles fängt wieder von vorne an", so Günter Lammers, Gründer der Windkraft-Firma Energiekontor. Zum Teil gebe es 20 000 Einwändungen.

Zusammen mit Michael Jungclaus von den Grünen diskutierte er darüber am Donnerstag im Windpark Briest. Ein gutes Beispiel, denn hier steht die Gemeinde Passow voll hinter den Windkraftplänen, und hat nichts gegen neue Windräder, denn die klamme Gemeinde baut auf die Einnahmen. Mehrere 100 000 Euro wären es. Insgesamt, so schätzt Günter Lammers, warten in Brandenburg Investitionen durch Windräder in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Und die bedeuten neben Gewerbesteuern auch Jobs.

Denn auch wenn alle ja sagen, zieht sich der Prozess der Ausweisung eines Windgebietes ewig hin. Diese Ausweisung übernehmen die regionalen Planungsstellen wie die für Uckermark-Barnim. "Das Problem: sie müssen eine riesige Fläche bearbeiten und sind nur vier oder fünf Leute", sagt Lammers. Zu wenig. Seine Forderung daher: "Sie müssen personell und finanziell vom Land besser ausgestattet werden."

Dem schließt sich der Grünen-Politiker Jungclaus, der Vorsitzender des Umweltausschusses im Landtag ist, an. "Solche langen Planungsverfahren sind nicht zufriedenstellend", sagt er. Vor allem im Hinblick auf die ehrgeizigen 2030-Ziele. "Wir haben ein Gutachten, das sagt, 100 Prozent aus erneuerbaren Energien sind möglich", so Jungclaus.

Dazu gehöre auch der Ausbau der Speichertechnologie. "Da müssen sich auch die Windkraftfirmen noch mehr einbringen", fordert er. Die Technologie sei vorhanden. Er setzt dabei übrigens vor allem auf "power to gas" also Gas als Speicher. Laut Gutachten würde der Strompreis dann bei elf Cent je Kilowattstunde liegen. Höher als heute, aber die Strompreise werden auch ohne Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mehr sinken, so seine Meinung.

Auch die Windrad-Betreiber müssten für die Akzeptanz etwas tun. Es könne nicht sein, dass sie "raubrittergleich" übers Land ziehen, um Vorverträge mit Landeigentümern zu machen. Und es müsse mehr Möglichkeiten geben, die Bürger zu beteiligen. Zum Beispiel mit Gemeinde- oder Bürger-Windrädern, bei denen die Beteiligung aber auch für einen Normalverdiener möglich ist.

Allein Energiekontor möchte in Brandenburg gerne Windräder für die Summe von 400 Millionen Euro bauen. Windkraft-Betreiber Lammers fragt sich, warum man nicht Teilflächen, auf denen es keine Probleme gibt, schon früher freigibt. In Nordrhein-Westfalen sei es zudem so, dass jede Gemeinde entscheiden könnte.

Die regionalen Planungsstellen an sich findet Michael Jungclaus durchaus sinnvoll. Wenn jede Kommune für sich entscheiden würde, stelle sich die Frage, ob dort genug Fachkompetenz vorhanden sei. Außerdem müsse man Nachbargemeinden in Planungen einbeziehen.

Kommentare

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MB 29.07.2013 - 12:34:05

Welchen Sinn hat das noch?

ich verstehe die politische Notwendigkeit beim besten Willen nicht. Was genau hat das Land Brandenburg denn davon, dass es solch eine ehrgeizige Strategie verfolgt? Es mag die fiskalische Verlockung sein, aber eine sinnvolle Landes- und Kommunalpolitik sollte sich vielleicht mal lieber mit den dringenden Problemen des Landes befassen. Entvölkerung, demographischer Wandel, Strukturschwäche usw. Daran werden die Windräder nichts ändern, sie werden es eher verschärfen. Denn die Jobs entstehen bestensfalls tröpfchenweise vor Ort und die Steuereinnahmen...davon sehe ich auch noch nicht viel. Es ist ebenfalls verwunderlich, dass 20.000 Einwände offensichtlich kritisch gesehen werden. Mal ehrlich: In Demokratien ist es doch gerade gut, wenn sich die Betroffenen zu Wort melden können. Ich finde es auch ordnungspolitisch mehr als zweifelhaft, wenn man in diesem Zusammenhang von "Investitionen" spricht. Es ist eine Melkmaschine für die Bevölkerung, die über die EEG Umlage auch noch zur Kasse gebeten werden, wenn ihnen schon die Landschaft versaut wird. Das ist eine Gelddruckmaschine. Die WIndkraftbetreiber - das sollte vllt auch diese Zeitung endlich mal kritisch kommentieren - sind in erster Linie ihrem Unternehmen verpflichtet. Da werden die Stimmungen des Volkes natürlich mal gerne ignoriert oder totlobbyiert.

Till 27.07.2013 - 12:51:05

Wow!

Mehr geht wahrlich nicht! Oder ? Es fehlen nur noch Feuerquallen für Glaudias Liebling. Ich - will - Quallen!!!

Vollbirne 27.07.2013 - 11:24:16

Au ja, aber wenn schon, denn schon!

Lieber Till, prinzipiell macht mir das nichts aus. Aber lass uns dann bitte konsequent sein. Wir pressen das CO2 aus unseren Braunkohlenkraftwerken in den Baggersee und verwandeln ihn in einen Whirlpool, den Atommüll aus den AKWs verbuddeln wir einfach und den Straßen, die wir damit eisfrei halten und nachts zum Leuchten bringen und für die gasbetriebenen Würstchengrills, auf denen wir tonnenweise Schweine aus der benachbarten Massentierhaltung in Thüringer Leckereien verwandeln, fracken wir den Untergrund. Zum finalen Badengehen holen wir uns dann noch eine Gruppe Zeugen Jehovas und lassen uns von denen zum Harmagedon führen.

Till 27.07.2013 - 10:17:41

Am besten alles!

Liebe Vollbirne! Sollte es Dir nichts ausmachen, dann bringen wir doch die Dinge auf den Punkt. Wir legen alles zusammen. Lausitz-Baggersee-Skihalle-Klapperndes Windrad mit Discobeleuchtung, Solarpanneele entlag des Strandes und etwas hämmernden Impulslärm von den Rotorblättern sowie rotes Wasser der ideologischen Stimmungslage angepaßt. Zur Krönung noch den Deichgrafen als Bademeister und in der Hecke eine Überwachungskamera. Bleibt noch die letzte Frage: Wir gehen doch baden - oder?

Vollbirne 26.07.2013 - 23:53:21

Zieh doch in die Lausitz

Wenn Du die schrecklichen Windräder nicht ertragen kannst, dann zieh doch in die hübsche Lausitz. Da kannst Du dann dank fossiler Vollversorgung darüber mitentscheiden, ob Du lieber einen Skihang vor Deinem umgesiedeltem Haus haben willst, oder doch lieber einen Baggersee.

Till 26.07.2013 - 19:28:04

Vollbirnen glauben alles...

Die erste Frage lautet: Wem will man heute testen? Der smarte Grüne will laut Artikel 100 % Strom aus Erneuerbarer Energie in bälde. Wann bitte soll es ohne Speicher in mehreren Terrawatt-Größe los gehen mit der Vollversorgung aus Wind- und Sonnenenergie, da Agrargasstrom ja in den Ställen verbleiben sollte? Man muß sich schon die Augen reiben bei dem sinnlosen und sachfremden gesabbere der Aktuere und es stellt sich damit nahtlos die zweite Frage: Wollt Ihr Euch von der Presse wirklich zur Vollbirne erklären und jeden Lobbyistenmist Euren Lesern so unkritisch wie geschehen auftischen? Brandenburger Minister und Staatssekretäre bestätigten erst vor kurzem in Potsdam auf Symposien, dass es keine bedarfsgerechten Speicher in den nächsten 30 Jahren geben wird und an Lösungen intensiv geforscht werden muß. Damit steht es doch längst fast, ohne Speicher keine Energiewende und was schreibt Ihr dazu auf ? Es bleibt da noch eine letzte Frage: Woher soll bis zum glücklichen Moment der Erfüllung der 100 % Prophezeihung der Vollversorgung aller Vollbirnen jederzeit bedarfsgerecht Strom aus deren Steckdosen kommen?

Stefan Müller 26.07.2013 - 16:02:25

Nicht die Planung sondern Jungclaus lahmt hinterher

Der Artikel zeigt, wie weit der Grüne Jungclaus von der Realität entfernt ist. Er sieht nicht mehr, wie im Land Brandenburg täglich unter dem Motto Energiewende das demokratische Grundrecht der Bürger auf Mitbestimmung mit Füssen getreten wird. Selbst wenn sich die Gemeinden mehrheitlich GEGEN Windräder aussprechen, bekommen sie diese vor die Tür gesetzt. Es regiert nur noch das Gesetz des Geldes. Längst geht es nicht mehr um Minderung von CO², um Klimaerhalt oder Ökologie. Die blanke Gier nach Geld bestimmt das Handeln. Beispiel gefällig: In Fichtenwalde wie in Bliesendorf/Ferch laufen die Planungen für zwei Windparks mitten im Wald - 100.000 m² Wald werden gerodet - je Windpark. Trassen in den Wald geschlagen für Schwerlasttransporte. Seit zwei Jahren kämpfen die Bürger dagegen - aus verschiedensten Gründen (Ökologie, Waldschutz, Brandgefahr). Wir haben mit Politikern aller Instanzen diskutiert, demonstriert, Petitionen geschrieben. Und wurden doch nur hingehalten. 1000 Eingaben zum Regionalplan allein aus Fichtenwalde sind noch nicht einmal bearbeitet, da stellt die Firma Juwi den Antrag für 15 Anlagen und bekommt sie wahrscheinlich genehmigt. Das ist Bürgerbeteiligung und Demokratie made in Brandenburg. Das Land wird ohne Sinn und Verstand zugespargelt damit Graf Platzeck mit neuen Orden als König in sein Schloß zu Potsdam ziehen darf. Weiter so Herr Jungclaus! Und bitte keine Lügen verbreiten: Speicher sind noch lange nicht in Sicht, schon gar nicht in den genannten Kapazitäten. Stefan Müller Fichtenwalde

R.Ebeling 26.07.2013 - 15:04:47

Hier lahmt nicht nur die Windplanung

Der Anteil der Erneuerbaren Energie (EE) zu 100% wäre doch rechnerisch (und eben nur rechnerisch) nur möglich wenn noch mehr Strom exportiert wird. Man kann sich da einiges schön rechnen. Der Grund ist, das es eben noch keine Technologie gibt die den Strom in großen Mengen und vor allem bezahlbar speichert. Wer an die Grundlast von Windstrom zweifelt sollte sich mal die Lastganglinien von Windstrom ansehen. Aktuell werden in Brandenburg fast 70% des Stroms exportiert, nur deshalb ist es rechnerisch möglich auf Aktuell 75% Anteil EE am Stromverbrauch zu kommen. Und noch eine Zahl: in Deutschland beträgt der Anteil der Windenergie am Primärenergieverbrauch lächerliche 1,2%. Mit „Power to Gas“ hat man sicher einen Ansatz und sollte es bezahlbar und technologisch ausgereift sein könnte man sich evtl. ein Teil der geplanten Stromleitungen sparen, aber ob dies jemals möglich wird ? In Dauerthal steht eine Pilotanlage mit 0,6 MW Leistung. Die 100.000,-€ die sich die Gemeinde verspricht, kann man doch nicht ernsthaft in Betracht ziehen oder war das ein Druckfehler mit 3 Nullen zu viel? Aber damit will man wohl dann die Bürger ködern, es ist doch bekannt das nicht mit großen Einnahmen durch Gewerbesteuern zu rechnen ist. Und ob denn wirklich alle ja sagen oder sind es die Gemeindevertreter weil Sie in ihrer klammen Kommune die Finanzen aufbessern wollen.

Brötchen 26.07.2013 - 11:09:32

Oh Mann !

Da stellt man sich echt die Frage, wieviel gab es von Lobbyisten für diesen einseitigen Bericht ? Der Windradbau ist erledigt. Kein Mensch will so wohnen. Investitionsstau ? Auf wessen Kosten ? Die spielen mit dem Geld der Verbraucher. Bin ich froh, daß ich wenigstens noch nach Polen schauen kann. Die deutsche Seite macht einen einfach nur krank. Nur eine Frage der Zeit, wann radikale Windradgegner die ersten Mühlen wegsprengen werden. Bis 2030 100 % Strom aus erneuerbaren Energien. Soll das ein Witz sein ? Man setzt mit der unregelmäßigen Versorgung seine Zukunft aufs Spiel.

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