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Künstlerin Katharina Stoll lässt im ehemaligen Kulturhaus Bilder tanzen

Dichte bei und doch weit weg

Herzliche Begegnung: MOZ-Redakteurin Daniela Windolff traf die ältesten Bruchhagener Toni und Ernst Magnus in ihrem Zuhause.
Herzliche Begegnung: MOZ-Redakteurin Daniela Windolff traf die ältesten Bruchhagener Toni und Ernst Magnus in ihrem Zuhause. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolf / 14.08.2013, 07:18 Uhr
Bruchhagen (MOZ) Bruchhagen (MOZ) Freitagmittag ist es im Dorf so still, dass man das Wasser der Sernitz plätschern hören könnte. Die Straßen sind menschenleer. Die Zeit scheint den Atem anzuhalten. Bruchhagen kann man nicht erleben, man muss es erspüren.

Wo das Gestern und das Heute beginnt, ist in Bruchhagen nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Über das ausgebeulte Kopfsteinpflaster sind vermutlich schon Pferdefuhrwerke gerumpelt und Holzpantinen geschlurft. Die gedrungene Feldsteinkirche ist von mächtigen Bäumen so umwachsen, dass sie von Weitem kaum zu sehen ist. Überhaupt ist Bruchhagen vor allem grün. Der große, gepflegte Lenné-Park verschluckt fast die kleinen Häuser rundherum, einst Schnitterkasernen und Arbeiterwohnungen für LPG und MTS (Maschinen- und Traktorenstation). Alle Wege führen ins Bruch. Die Flüsschen Sernitz und Welse speisen das grüne Tal, auf das man von Bruchhagen aus weit blicken kann. "Die schönste Aussicht hat man von der Anhöhe am Sportplatz. Dort steht eine Bank", verrät Ortsvorsteher Rolf Neujahr, dessen Idee es war, der tristen Betonplattenstraße von Greiffenberg ins Dorf hinein nach der Eingemeindung zu Angermünde den romantischen Namen "Schöne Aussicht" zu geben. "Bruchhagen ist ein ruhiges, beschauliches, fast stressfreies Dorf", schmunzelt Rolf Neujahr, der seit 30 Jahren im Dorf lebt und arbeitet.

"Hier ist der Hund verfroren", sagt Helga Brumm. Sie ist in Bruchhagen aufgewachsen. "Früher war es schön im Dorf, man hatte guten Kontakt zu den Nachbarn. Es gab eine Schule, einen Konsum, eine Gemeindeschwester, das Kulturhaus, richtig schick mit Parkett, und in der LPG-Küche Mittagessen für 80 Pfennige", erinnert sich Helga Brumm. Nichts davon ist mehr da. Viele Streiche habe sie als Kind gemacht, Bäume erklettert, Krähennester ausgenommen, der Nachbarskatze Baldriantropfen verabreicht. Jetzt kommt sie nur noch zum Friedhof. 1994 ist sie nach Angermünde gezogen. Ganz "dichte bei". Von denen, die sie in Bruchhagen kannte, seien viele weggezogen oder inzwischen gestorben.

Die ältesten Bruchhagener leben jedoch immer noch im Dorf. Toni und Ernst Magnus, 89 und 91 Jahre alt, sind vor 58 Jahren hergekommen, um ihren Kindern ein Zuhause zu geben, hatten Kuh, Schwein und Hühner, Eiersammelstelle und Milchverkauf. 1953 kauften sie das Grundstück von einer alten Dame, Elisabeth Schramm, Frau des Gutsinspektors beim Fürsten von Redern. "Wir haben sie quasi mitgekauft und gepflegt. Sie war wie eine Oma, hatte selbst keine Kinder", erzählt Toni Magnus. Das Grab liegt auf dem Kirchfriedhof.

Die beiden Magnus-Söhne sind in Bruchhagen geboren. Einer, der Bodo, kehrte mit Familie aus Schwedt ins Elternhaus zurück. "Der Hof bietet genug Platz für alle Enkel und Urenkel", freut sich Toni Magnus und flüstert mit liebevollem Blick auf den 60-jährigen Sohn: "Er hatte immer Heimweh."

Heute spielt Bodo Magnus sogar wieder Fußball, wie früher bei Traktor Bruchhagen. Der große Sportplatz am Waldrand zeigt nur noch verblichenen Glanz früherer Zeiten, wie das Kulturhaus, das viel für die Jugend bot. "Wir hatten sogar einen Fotozirkel", erinnert sich Bodo Magnus.

Um die Kinder des Dorfes will sich der Ortsbeirat besonders kümmern. So gibt es für die jüngsten Bruchhagener zu Geburt oder Einschulung sogar kleine Präsente.

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Pöppel , Herbert 14.08.2013 - 12:29:16

Bruchhagen in den 50 er Jahren des 20. Jh. !

Hallo Frau Windolff , spielte in den 50 er Jahren des 20 Jh. in Bruchhagen Fußball u. kannte daher auch das schöne Kultuhaus .... Grüße aus Berlin Herbert Pöppel

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