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Deutschkurse nicht bedarfsdeckend

Thomas Berger / 07.09.2013, 07:01 Uhr
Garzau (MOZ) Zum Tag der offenen Tür in Form eines produktiven Gedankenaustausches zur Lösung von Problemen hatte die Leitung des Asylbewerberheimes in Garzau am Donnerstag Politiker mehrerer Ebenen sowie Vertreter von Vereinen und Aktionsgruppen geladen.

Mittags, als nach der ersten Beratung die rund zwei Dutzend Gäste am Grill mit einigen Heimbewohnern ins Gespräch kommen oder die angefangene Debatte in Kleingruppen fortsetzen, treffen gerade die Schulkinder ein. In geradezu perfektem Deutsch kann beispielsweise Mi erzählen, dass sie die zweite Klasse besucht und ihr das Lernen Spaß macht, auch wenn sie kein explizites Lieblingsfach hat. Ihre Mutter passt derweil auf ihr zweijähriges Geschwisterkind auf, so das Mädchen.

Asylbewerberkinder im Grundschulalter besuchen die Einrichtung im nahen Rehfelde, ältere Schüler die Lise-Meitner-Oberschule in Strausberg-Vorstadt, hatte Heimleiter Wolfgang Türke schon zuvor im Überblick erklärt. Und auch die Jüngsten finden Betreuung, sofern in den Kitas ringsum freie Plätze zur Verfügung stehen. Dies sei nicht immer der Fall, die Kostenübernahme durch das Sozialamt allerdings unproblematisch.

Beim schnellen Deutschlernen helfe solche Einbindung, und grundlegende Sprachkompetenz - auch psychisch wichtig zur mündigen Bewältigung von Alltag und Behördenumgang - wurde in der großen Runde als das A und O angesehen. Die angebotenen Deutschkurse, zweimal wöchentlich im Heim sowie an vier Tagen beim Träger Sozialpark MOL in Strausberg, seien aber längst nicht ausreichend, wurde immer wieder betont. Selbst zusätzliche Angebote eines privaten Helfers sowie das von der Landesintegrationsbeauftragten Doris Lemmermeier angekündigte Sonderprogramm, das im Land mit einem Antrag auf ESF-Fördermittel vorbereitet werde, deckten den Bedarf kaum. Zudem seien oft die Fahrtkosten ein Problem.

Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer der Runde bei der Führung durchs Haus von den stetigen Verbesserungen, die das Sozialpark-Team um Wolfgang Türke trotz begrenzter finanzieller Mittel bewerkstelligt. So, wie die oberen Duschräume schon umgebaut sind, sollen bald alle eingerichtet sein, vorbereitet wird derzeit ein Babywickelraum für junge Mütter. Ansonsten sei das Haus mit 141 Personen aus 24 Nationen voll belegt. Darunter sind 13 Familien mit Kindern. Vorrangig für sie sollen zeitnah Wohnungen gefunden werden. Mit der SWG in Strausberg klappe das gut, so Vizelandrat Lutz Amsel (Linke). Andere Großvermieter täten sich jedoch schwer, ergänzte er auf Nachfrage. Mit viel Einsatz sei es ihm gerade gelungen, für zwei Personen Arbeitserlaubnisse zu erreichen. Denn das erzwungene Nichtstun für die Heimbewohner sei einer Integration nicht förderlich.

Dass selbst die Sparkasse als kommunales Geldinstitut Asylbewerbern bis zur Anerkennung eine Kontoeröffnung verweigere, wurde in der Runde scharf kritisiert. Bei der dörflichen Integration gebe es positive Beispiele, verwies Türke auf den Sportverein Rehfelde oder die Einladung an zehn Heimbewohner zum jüngsten Konzert an der Pyramide. Auf all diese Punkte gelte es bei der ergänzenden Unterbringung in Neuhardenberg zu achten. Einer Delegation von dort seien kürzlich beim Besuch in Garzau Ängste genommen worden. Insbesondere Karl-Heinz Doherr (ehemals RAA Strausberg) regte persönliche Patenschaften an, wie er sie für drei Afrikaner übernommen hat. Gerade Vorruheständler und engagierte Jungrentner seien da gefragt. Interessenten können sich beim Heimleiter unter Tel. 033435 150601 melden.

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