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Zeugnisse erloschener Kultur erinnern an Friedrich II., der die Bäume vor 300 Jahren nach Brandenburg holte

Drei neue Maulbeerbäume für Limsdorf

Elke Lang / 12.09.2013, 07:01 Uhr
Limsdorf (el) Zum Tag des offenen Denkmals war in Limsdorf ein alter Maulbeerbaum Anziehungspunkt einer kleinen Gesellschaft. Dort wurde sie Zeuge der Pflanzung eines jungen Maulbeerbaumes.

"Maulbeerbäume sind Natur und Kultur", erläuterte Hans Sonnenberg von der Verwaltung des Naturparks Dahme-Heideseen, zu dem Limsdorf gehört. Seit 2010 erfasst die Naturparkverwaltung alle Maulbeerbäume der Region und konnte schon über 55 ermitteln. So steht es auf der Informationstafel, die zusammen mit der Baumpflanzung angebracht wurde.

Die meisten davon befinden sich auf öffentlichem Land und stammen vor allem aus der Zeit Friedrichs II. und der Zeit von 1933 bis 1945. Der Älteste ist wahrscheinlich der von Birkholz, der 1790 gepflanzt worden sein soll. Nachweisbar ist der Maulbeerbaum in Brandenburg seit über 300 Jahren.

Aus dem Alter der Bäume erschließt sich der Denkmalwert, und Maulbeerbäume sind "Lebende Zeugnisse einer erloschenen Kultur", wie die Überschrift der Tafel aussagt. Die Blätter der Bäume wurden verwendet, um die Raupen des Seidenspinners zu füttern, die sich mit ihrem Seidenfaden verpuppten. Das war für Friedrich II. interessant, der die Seidenraupenzucht und damit die Anpflanzung von Maulbeerbäumen anordnete.

Das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals lautet "unbequeme Denkmale", und dazu zählen die Maulbeerbäume, die ab der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis Kriegsende angepflanzt wurden.

Den Nationalsozialisten ging es um Fallschirmseide für Kriegszwecke, und zu deren Gewinnung wurden auch Schulkinder eingesetzt. Dass sich der Limsdorfer Maulbeerbaum auf dem Turnplatz der Alten Schule befindet, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass auch er in diese Zeit gehört.

In Brandenburg wächst von den vielen Sorten, die es gibt, lediglich die winterharte Weiße Maulbeere, lateinisch Morusalba. Der alte Limsdorfer Maulbeerbaum sieht sehr gesund aus und trägt auch jedes Jahr Früchte. Da jedoch den Bäumen auch etwas passieren kann, sie absterben können, sorgt der Naturpark durch Neupflanzungen mit Hilfe von Spendenmitteln des Naturschutzfonds Brandenburg rechtzeitig für Ersatz. Diese Bäume sind schon rund zehn Jahre alt und um die vier Meter groß. Einer kostet um die 80 Euro. Als Beitrag zu deren Finanzierung verkauft die Naturparkverwaltung Setzlinge für sieben Euro, die sie von einer Gärtnerei in Zeesen kostengünstig erhält. Thomas Mertke vom Naturschutzpark wurde sie in Limsdorf reißend los. Sie werden nun als Bäume oder Sträucher Privatgärten der Region bereichern.

Als Thomas Mertke sich an den Ortsvorsteher Lothar Nischan zwecks Pflanzung eines Maulbeerbaums wandte, erinnerte sich dieser, dass sein Großvater Wilhelm ihm von drei Maulbeerbäumen an der Schule erzählt habe. Deshalb wurden am Tag darauf noch einmal zwei Maulbeerbäume gepflanzt, um den historischen Zustand auch dann aufrecht zu erhalten, wenn der alte Maulbeerbaum einmal nicht mehr da sein sollte. Mit dem Pflanzen allein ist es aber noch nicht getan. Hans Sonnenburg mahnte an, "dass die Bäume nicht vertrocknen". Da sind nun die heimat- und geschichtsbewussten Limsdorfer gefragt.

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Hans Sonnenberg 12.09.2013 - 14:22:37

Berichtigung zum beitrag Maulbeeren in Limsdorf

Der alte Limsdorfer Maulbeerbaum steht am Turnplatz aber nicht auf dem Turnplatz, sondern an der Straße - Richtung Möllendorf. Das Alter ist nicht bekannt. Der Baum wurde aber mit Sicherheit vor der Zeit des Nationsalsozialismus gepflanzt. Der als Naturdenkmal geschützte Baum ist nicht Bestandteil von Maulbeerpflanzungen für das Seidenraupenprogramm der NS-Diktatur zwischen 1933 und 1945.

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