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Grabungsarbeiten in Klessin laufen seit einer Woche

Bisher ein Kriegstoter gefunden

Heiße Spur: In diesem Graben haben die Ehrenamtler die Schnur eines Feldtelefons gefunden.
Heiße Spur: In diesem Graben haben die Ehrenamtler die Schnur eines Feldtelefons gefunden. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 04.10.2013, 06:45 Uhr
Klessin (MOZ) Es ist wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Seit fünf Tagen laufen am Mittwoch bereits die Arbeiten des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) in Klessin. Die vollständigen Gebeine eines Soldaten haben sie in dieser Zeit gefunden. Er liegt in einem Schützengraben in einem Waldstück kurz vor dem Ortsausgang ins Bruch. "Wir vermuten, dass er durch den Einschlag einer sowjetischen Werfergranate gefallen ist", erläutert der Vereinsvorsitzende Albrecht Laue zum Fund. Ein Ehering wurde gefunden sowie die Erkennungsmarke. Da es sich um einen älteren Soldaten handelt, könnte er auch Familie gehabt haben. Das ist noch Spekulation, die Marke aber die wichtigste Spur zur Identität des Gefallenen. Auch Schuhe, Uniform, Waffen und sogar die Zähne können zumindest etwas darüber aussagen, ob es sich um einen deutschen oder einen sowjetischen Toten handelt.

Die Marke wird an die WASt übergeben - die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Sie sucht anhand der Nummer auf der Marke den entsprechenden Namen aus ihren Listen, überprüft, ob die Person als vermisst gilt. Es wird nach Angehörigen gesucht. Bis eine Identität festgestellt wird, kann es bis zu einem Jahr dauern. "Das ist auch von den entsprechenden Meldeämtern abhängig", sagt Gabriele Zehms von der Dienststelle. Die sowjetischen Soldaten werden, wie am Freitag vergangener Woche in Reitwein, deutsche Kriegstote in Wuhden und Gefallene auf dem Soldaten-Friedhof in Lietzen beigesetzt. Im Gegensatz zu normalen Friedhöfen gilt hier ein ewiges Ruherecht, die Gräber dürfen nicht wieder aufgelöst werden.

Zwischen 50 und 60 Kriegstote wurden in Klessin bisher gefunden. "Etwa 350 werden hier noch vermutet", sagt Albrecht Laue. 400 Wehrmachtssoldaten waren zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Stützpunkt von der Roten Armee eingeschlossen. Zum nunmehr achten Mal ist der VBGO hier auf der Suche nach ihnen. Die 35 in Klessin beschäftigten Mitglieder des Vereins sind ehrenamtlich tätig, müssen für Ausrüstung und Verpflegung selbst aufkommen und ihren Jahresurlaub dafür aufbringen. "Es ist für mich auch eine Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte", sagt Albrecht Laue.

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