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Warum es noch sehr lange dauert, bis der Ostseefisch wieder hier heimisch ist

Störe im Netz der Oderfischer

Mühsam aufgezogen: Ein knapp zehn Zentimeter großer Jungstör in der Hand von Fischer Lutz Zimmermann. Er hat den Winzling im Wasser der Oder in einer Aufzuchtstation hochgepäppelt. Tausende der Fische wurden jetzt in die Oder eingesetzt.
Mühsam aufgezogen: Ein knapp zehn Zentimeter großer Jungstör in der Hand von Fischer Lutz Zimmermann. Er hat den Winzling im Wasser der Oder in einer Aufzuchtstation hochgepäppelt. Tausende der Fische wurden jetzt in die Oder eingesetzt. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 06.10.2013, 08:43 Uhr
Friedrichsthal (MOZ) Seit sieben Jahren versucht der Mensch, den Stör wieder in Ostsee und Oder anzusiedeln. Wer jedoch glaubt, der Fisch ist bald wieder heimisch, irrt. Fachleute rechnen damit, dass erste Exemplare frühestens in zehn Jahren zum Laichen den Fuß hinauf schwimmen.

Der Baltische Stör ist noch lange nicht wieder heimisch. Bei polnischen und deutschen Oderfischern zappeln die kantigen Knochenfische zwar seit ein paar Jahren wieder im Beifang, mal als Mini-Jungfische, mal als Halbwüchsige von ein bis zwei Kilogramm. Ostseefischer zogen sogar schon stattliche Exemplare mit einem Meter Länge und vier bis fünf Kilogramm Gewicht vor Rügen und Usedom aus dem Wasser. Doch bei allen diesen Fängen handelt es sich um ausgesetzte Zuchttiere, die meisten von der Aufzuchtstation der Landesforschungsanstalt Fischerei in Born am Darß. Große Exemplare tragen oft Plastikplättchen zur Markierung. Wissenschaftler wollen zu Forschungszwecken erkunden, wie sich die Tiere wieder verbreiten.

"Heimisch wäre der Stör erst, wenn geschlechtsreife Tiere wieder zu den Laichplätzen in den polnischen Zuläufen der Oder oder in einigen Buhnenbereichen der Grenzoder wandern. Das kann zehn bis 15 Jahr dauern. Bis es stabile, ausreichend große Fischbestände gibt, die es erlauben, den Fisch wieder zu fangen, vergehen sicher noch mehr Jahre. Bis dahin müssen die Fischer ihre Fänge melden und wieder in die Freiheit entlassen", erklärt Wissenschaftler Dr. Michael Tautenhahn vom Nationalpark Unteres Odertal.

Fischer in Friedrichsthal und Blumberger Mühle zogen in diesem Jahr erstmals Fischlarven des Störs vor Ort im Oder- und Welse-Wasser auf. "Damit können sich die Tiere bereits an Geschmack und Geruch des Wassers gewöhnen. Unsere Hoffnung ist, dass diese Prägung sie später ihr Einzugsgebiet erkennen lässt und zum Laichen in die Oder oder ihre Zuflüsse bringt", so Tautenhahn.

Eigentlich stammen die Fische aus Nordamerika vom Saint John River in Kanada, wo der Nordatlantische amerikanische Stör, der hier auch als Baltischer Stör bezeichnet wird, noch so reichlich vorkommt, dass er dort sogar gefischt werden darf. Hierzulande steht der Stör unter strengstem Schutz, etwa der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, weshalb die EU das Projekt der Wiederansiedlung finanziell fördert.

"Der Stör war bis zur Industrialisierung in der Oder heimisch. Wir möchten, dass er das wieder wird", erklärt Jörn Geßner, von der Gesellschaft zur Rettung der Störe, einem der vielen beteiligten Partner des Wiederansiedlungsprojektes.

Umweltzerstörung, Flussbegradigungen, Schifffahrt und Überfischung haben den Stör in Deutschland einst ausgerottet. Heute sind die Flüsse wieder deutlich sauberer, der Mensch hat den Wert der Artenvielfalt erkannt und ist an vielen Stellen bereits um deren Schutz bemüht. "Wir glauben, dass heute wirklich gute Chancen zur Rettung der Baltischen Störe bestehen", sagt Jörn Geßner.

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