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Einwohner feiern ersten Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche

Die Krönung: Ein Kreuz für Groß Pinnow

Höher geht's nicht: Dachdeckermeister Adrian Lossow beim Errichten der Krönung auf dem neuen Kirchturm von Groß Pinnow. Lossow befestigt Kugel, Wetterfahne und Kreuz.
Höher geht's nicht: Dachdeckermeister Adrian Lossow beim Errichten der Krönung auf dem neuen Kirchturm von Groß Pinnow. Lossow befestigt Kugel, Wetterfahne und Kreuz. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 27.10.2013, 07:48 Uhr
Groß Pinnow (MOZ) Ihre schönsten Seiten hat die Dorfkirche Groß Pinnow am Freitagnachmittag zur Schau gestellt: einen fast originalgetreu wieder aufgebauten neuen Kirchturm und eine im Herbstlicht golden glänzende Krönung. Welch ein Fest für die Gemeinde und viele Neugierige.

Vor drei Jahren hat Carsten Weber von der Holzmanufaktur Groß Ziethen die Notabstützung für den Kirchturm von Groß Pinnow gebaut. "So eine schlimme Kirche hatten wir noch nie", erinnerte sich der Firmenchef und Zimmermann am Freitag. Der Turm war so schwer vom Schwamm befallen, dass er abgerissen werden musste.

Handwerker aus der Region haben den Trum wieder aufgebaut. Zu ihnen gehörte Carsten Weber mit seiner Mannschaft. "Für uns Handwerker ist das etwas ganz Besonderes, einen Kirchturm zu bauen. Da steckt Liebe zum Handwerk und Liebe zum Objekt drin", sagte er bei der feierlichen Zeremonie, die dem Turm die Krönung aufsetzte. Gern erinnerte er sich an den Bausommer in Groß Pinnow: "Das Interesse der Dorfbewohner war groß und freundlich. Es war schön, ein Teil der Gemeinde zu sein."

In großem Halbrund hatten Dorfbewohner und Neugierige aus anderen Ortschaften auf Stühlen und Bänken im Freien Platz genommen und verfolgten das Geschehen: das Verlöten von Bauunterlagen, Münzen und der Märkischen Oderzeitung in den Behältern für die Turmkugel, das Emporschweben von Kugel und Wetterfahne am Kranhaken, das Musizieren der Turmbläser Fred Lemke aus Hohenselchow und Mikolai Ostolski aus Tantow.

Die Blicke der Zuschauer waren zum Himmel gerichtet, steife Nacken inklusive. Doch jene mit ihrer Kirche verbundenen Einwohner wollten sich die Zeremonie nicht entgehen lassen. Zu ihnen gehörte Luise-Lotte Schuster. Sie hat in der Dorfchronik die Geschichte der Kirche festgehalten. Dort kann man nachlesen, dass der Turm der St. Katharinenkirche in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges von der herannahenden Front beschossen und schwer getroffen worden war. Jetzt so einen wunderbar neuen Turm zu sehen, das bewegte sie sehr.

Für Dachdeckermeister Adrian Lossow war es die erste Krönung, die er auf einen Kirchturm setzen durfte und damit die Krönung seines bisherigen Handwerkerlebens. Ihm geht der Neubau auch deshalb nahe, weil er aus dem Nachbardorf stammt.

In fröhlicher Stimmung war ebenfalls Pastor Sebastian Gabriel. Für ihn war es ein Tag des Dankes an die Bauleute und an die Geld- und Sachspender. Er wandte sich aber auch an die Zeitspender, jene Leute, die manchmal mit aufgeräumt und mit zugepackt haben.

Weil der Pastor erstmals Bauherr über so ein großes Projekt war, hatte er Sekt und Gläser zur Bekräftigung des Richtspruches vergessen. Offenbar kannte er den Brauch nicht. Gut gelaunt griff Carsten Weber als Ersatz zu Bier und Kaffeetassen, weshalb die Zeremonie ihren glücklichen Abschluss fand.

Zur Feier des Tages läuteten ein Dachdecker der Hohenselchower Firma Lossow und ein Zimmermann aus Groß Ziethen die Glocken - und zwar per Hand, weil es in der Kirche bis Ende nächsten Jahres keinen Strom gibt. Dort wird 2014 der zweite Bauabschnitt mit der Sanierung des Kirchenschiffes fortgesetzt. Das Schild am Toreingang "Betreten der Baustelle verboten!" behält also seine Gültigkeit. Wissbegierige und Freunde der Kirche haben es bisher gern übersehen.

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