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Dem Traumbaum auf der Spur

Begutachtet: Sein Beil hat Karsten Ilm (r.) aus Wölsickendorf bereits wieder verpackt. Nun muss er mit Förster Hans-Dieter Moczia und Forstwissenschaftsstudentin Anna Gutkes noch den Preis für seinen Baum aushandeln.
Begutachtet: Sein Beil hat Karsten Ilm (r.) aus Wölsickendorf bereits wieder verpackt. Nun muss er mit Förster Hans-Dieter Moczia und Forstwissenschaftsstudentin Anna Gutkes noch den Preis für seinen Baum aushandeln. © Foto: MOZ
Marco Marschall / 23.12.2013, 06:16 Uhr
Gottesgabe (MOZ) Eine schöne Bescherung steht und fällt mit auch mit der Schönheit des Weihnachtsbaumes. Während die Suche danach bei den einen noch Männersache ist, nutzen sie andere zum Familienausflug. Am Sonnabend lud Wriezens Förster Hans-Dieter Moczia nach Gottesgabe ein.

Pünktlich um 10 Uhr setzt Hans-Dieter Moczia die Kolonne in Gang. Der Förster steigt aufs Quad und fährt voraus, die Pkw hinterher. An der Buswendeschleife in Gottesgabe hatten sie sich versammelt. Nun wollen sie in den Wald, um einen möglichst schön gewachsenen Weihnachtsbaum für die gute Stube zu ergattern. Diesmal geht es zu einer anderen Stelle als in den Vorjahren, ein paar hundert Meter Feldweg, dann etwa 500 Meter in den Wald, wo für etwa 20 Autos und deren Unterböden eine gefährliche Parkplatzsuche beginnt. An der Kreuzung zweier Waldwege ist das Lagerfeuer bereits entfacht. Die frische Waldluft mischt sich mit dem Geruch von Glühwein.

An einem abgezäunten Stück Privatwald steht Forstwissenschaftsstudentin Anna Gutkes an der Kasse. Gemeinsam mit Moczia schätzt sie die Größe der Bäume und bestimmt den Preis. "Etwa ein Drittel lässt sich gegenüber den Märkten sparen", sagt der Förster, der sowohl nach Größe als auch nach Schönheit berechnet. Zwischen 15 und 20Euro zahlen die meisten. Nach nicht einmal fünf Minuten, da die Meute ins Nadelholzgehege ausgeschwärmt ist, schleppt Andreas Jankowski aus Neuhardenberg eine Küstentanne heraus. "Die hat mich sofort angelacht", sagt der 56-Jährige, der seinen Weihnachtsbaum schon immer selbst schlägt. Über eine "Krücke" habe sich zuhause noch niemand beschwert. Die Anweisung, wie der Baum auszusehen hat, habe er vorher von seiner Frau bekommen.

Auch die anderen Baumschläger brauchen nicht lang. Einer nach dem anderen kommen sie aus dem Wald. Das Tanngrün gibt der Förster gratis dazu. Matthias Saß aus Kienitz schleppt mit dem kleinen Geschwisterpaar Andra-Maria und Barnabas Schäfer eine vier Meter hohe Küstentanne zum Auto. Sie soll bis in die Etage des Kinderzimmers ragen, wie Andra-Maria verrät.

Um die 40 Bäume wird Hans-Dieter Moczia am Ende verkaufen. Er will sich seinen Baum erst zum Schluss aussuchen. Die Küstentanne ist auch sein Favorit, wenn er sich zwischen diesem Baum, Douglasie, Coloradotanne und Blaufichte entscheiden muss.

Nur wenige werden im abgezäunten Waldstück nicht fündig. Sie sind auf der Suche nach Stechfichten. "Die hat noch stärkere Äste, wo man noch ein bisschen mehr dranhängen kann", erklärt Moczia und verspricht den Suchenden, später an anderer Stelle auch für sie noch etwas zu finden. Die Küstentanne hingegen hat zu ihrem Vorteil weichere Nadeln und riecht besser, wie der Förster meint. Zerreibt man die Nadeln zwischen den Fingern, duftet es nach Apfelsine.

Ganz so wählerisch sind die meisten Waldgänger nicht. Nach einer knappen Stunde sucht kaum jemand mehr nach einem passenden Baum. "Das ist es, worum es eigentlich geht", sagt Moczia und zeigt auf die Menschen, die sich Würste am Stock über dem Feuer brutzeln, die Kinder die drum herum auf Baumstämmen balancieren und die Erwachsenen, die bei Bier, dampfendem Tee oder Wein miteinander klönen.

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