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Vor zehn Jahren klopfte Eugen Krause an die Fredersdorfer Gemeindetür und bat um einen Proberaum für seine neue Privatschule

Musikalische Selbsthilfe

Klassik-Gitarren-Trio: Tim Klepzig (l.), Luisa Andres und Robin Sy spielen gemeinsam. Der Anspruch der ausgewählte Stücke ist hoch. Jede Woche üben sich mit ihrem Lehrer Eugen Krause.
Klassik-Gitarren-Trio: Tim Klepzig (l.), Luisa Andres und Robin Sy spielen gemeinsam. Der Anspruch der ausgewählte Stücke ist hoch. Jede Woche üben sich mit ihrem Lehrer Eugen Krause. © Foto: Stefan Csévi
Oliver Schwers / 23.12.2013, 07:45 Uhr
Fredersdorf (MOZ) Musikschulen befinden sich meist an zentralen Orten. Für Kinder auf dem Lande ist es häufig schwierig, dorthin zu kommen. Der Musiker Eugen Krause hat vor zehn Jahren eine Lösung gefunden. Mit seiner eigenen Musikschule ging er zu den Kindern nach Zichow.

Der große Saal im Gemeindehaus von Fredersdorf ist überfüllt. Eltern, Großeltern, Nachbarn drängeln sich auf den Plätzen. Vorn spielt die elfjährige Fabienne Pommerening Schwanensee am Klavier. Das Publikum fiebert mit der junge Pianistin. Die Leute halten den Atem an. Dann der Schlussakkord und großer Applaus.

So geht es Stück für Stück weiter. Zwei Stunden lang spielen die Schüler von Eugen Krause vor. Sie zeigen mit Herzklopfen, was sie in diesem Jahr einstudiert haben. Einige der 6- bis 17-Jährigen halten erst seit ein paar Monaten ein Instrument in Händen, andere üben seit frühester Kindheit.

Anspruchsvolle Musikstücke aller Richtungen haben Lehrer und Schüler für diesen Nachmittag herausgesucht. Es ist ein Mischkonzert, bei dem es auch mal einen falschen Ton gibt, bei dem Eugen Krause schnell mal eingreift und wo die Aufregung auch mal die Stimme zittern lässt.

Am Ende sind die Kinder und Jugendlichen stolz, eine Kamera surrt, Handys fotografieren. Die Mühe hat sich gelohnt. Denn in dieser Formation stehen die Mädchen und Jungen der umliegenden Dörfer kaum zusammen. Normalerweise üben sie einzeln im privaten Unterricht bei Eugen Krause. Jede Woche, manchmal an drei Tagen. Bürgermeister Martin Röthke und der Zichower Ortsvorsteher Dietrich Giersch wissen, dass sie damals einen Goldgriff getan haben, als sie ihre warmen Gemeinderäume nach einer Anfrage spontan für den Musikunterricht zur Verfügung stellten. Jugendförderung auf einfache Weise. "Es ist für die Kinder hier zu aufwändig, in die städtischen Musikschulen zu fahren", erklärt Eugen Krause. Also kam er zu den Schülern. Klaviere waren praktischerweise vorhanden. Eigene Instrumente lässt der Lehrer vor Ort zum Üben stehen.

Krause hat ein Prinzip: Für ihn gibt es kein unmusikalisches Kind. Wer will, kann kommen. "Man hat mir schon mal einen angeblich unmusikalischen Jungen geschickt, der später Mozart D-Moll am Klavier spielte", berichtet er über seine Erfahrungen. Wenn er übt, spricht, singt, zur Gitarre greift, erklärt, dann kommt er selbst ins Schwitzen

Irgendwann wollten die Jugendlichen dann das, wovon alle in dem Alter träumen: eine Jugendband. Die heißt jetzt FreZi - für Fredersdorf und Zichow. Alle möchten spielen, alle dürfen. Mädchen, Jungen, kleine und große.

Krause weiß, dass er noch mehr Zulauf haben könnte auf den weiter entfernt liegenden Dörfern der Uckermark. Doch ihm fehlt die Zeit für alle Projekte in seinem Kopf. "Eigentlich müsste man auch viel früher mit der musikalischen Vorausbildung beginnen", sagt der Musiker. Am Ende des Konzertmarathons saust er mit einem Aktenkoffer voller Süßigkeiten umher und bedankt sich bei seinen Schülern.

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