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Herzsprunger Ehepaar verliert durch Brand für Monate sein Zuhause und erfährt Welle der Hilfsbereitschaft

Weihnachten wieder im eigenen Bett

Im Unglück nicht allein gelassen: Herta und Martin Gorynia fanden für dreieinhalb Monate eine neue Bleibe im benachbarten Ferienhaus.
Im Unglück nicht allein gelassen: Herta und Martin Gorynia fanden für dreieinhalb Monate eine neue Bleibe im benachbarten Ferienhaus. © Foto: MOZ/Kerstin Unger
Kerstin Unger / 26.12.2013, 07:45 Uhr
Herzsprung (MOZ) Viele wünschen sich zu Weihnachten ein besonderes Geschenk, ein Haus voller Gäste, eine schöne Reise oder einen besonders leckeren Braten. Der Wunsch von Martin und Herta Gorynia ist es, nach mehr als drei Monaten wieder im eigenen Bett zu schlafen.

Es war Freitag, der 13. September, als sie das Dach über dem Kopf durch einen Brand verloren, ihr Mobiliar und viele persönliche Sachen unbenutzbar wurden. "Wir hatten Besuch aus dem Rheinland, den wir 30 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten", erzählt Martin Gorynia. Er selbst war an diesem Nachmittag im Fitnessstudio, während seine Frau den Gästen Angermünde zeigte. "Unterwegs kam mir eine Frau entgegen, die sagte, dass unser Haus brennt. Ich bin sofort ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren. Dort waren schon Feuerwehren, Krankenwagen und Menschen. Das haut einen fast um", erinnert sich der Herzsprunger. Das Haus am Parsteinsee haben er und seine Frau vor zehn Jahren gebaut.

Der unmittelbare Nachbar hatte die Feuerwehr alarmiert und bereits angefangen, mit einem Gartenschlauch die Flammen unter dem Carport zu löschen, dem Ausgangsort des Brandes. Doch die Flammen griffen auf den Dachstuhl über. Weil das Haus verschlossen war, brachen die Feuerwehrleute die Terrassentür auf.

Als das Feuer gelöscht war, wurde das Haus für unbewohnbar erklärt. Das Löschwasser und der Rauch hatten ihre Spuren hinterlassen. "Wir konnten einiges sichern und mit Hilfe von Nachbarn und anderen Leuten aus dem Dorf die Schäden minimieren", sagt Martin Gorynia. Dann setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft ein, die er und seine Frau kaum für möglich gehalten hatten. "Die Leute kamen mit Eimern, Müllschippen, Lappen und Nass-Saugern", erzählen sie. Etwa 20 Menschen halfen bis in die späten Abendstunden, die Wasserschäden so gering zu halten, Möbel zu rücken und die teure Heimelektronik zu sichern. Andere Nachbarn brachten belegte Brötchen für die Helfer, einen Kasten Bier, Wasser und Kaffee. Am nächsten Tag gingen die Aufräumarbeiten weiter, das Löschwasser tropfte immer noch nach. Martin und Herta Gorynia brauchten eine neue Bleibe. "Wir haben von vielen Leuten Angebote bekommen, wo wir zeitweilig wohnen können. Wir haben uns spontan für das Ferienhaus unserer Nachbarin aus Berlin entschieden", sagt Marin Gorynia. "So hatten wir immer ein Blick auf unser Haus, konnten die Handwerker empfangen, und unser Kater Othello konnte in seiner gewohnten Umgebung bleiben."

Der anfänglich von der Feuerwehr auf 80000 Euro geschätzte Schaden wird am Ende weitaus höher ausfallen. Die Versicherung übernimmt die Kosten. Ein Architektenbüro aus Berlin hat sich um die Koordinierung des Wiederaufbaus des Hauses gekümmert, dessen Giebel abgetragen werden mussten. "Was uns bis jetzt widerfahren ist, von der Sanierung über die Versicherung bis zu den Sachverständigen, war sehr professionell", sagt Martin Gorynia. "Auch die Baufirmen, die fast alle aus der Umgebung kommen, waren sehr zuvorkommend, obwohl sie zu dieser Zeit meist gut beschäftigt waren."

Der Baulärm, den beide Brandopfer aus ihrem Haus hörten, war wie Musik in ihren Ohren, erzählt Herta Gorynia. Sie, die leidenschaftliche Hobbybäckerin, die zu Dorffesten gerne Kuchen beisteuert, war in der fremden Bleibe etwas eingeschränkt. "Auf Kuchen mussten wir aber nicht verzichten. Die Nachbarn brachten oft welchen vorbei", sagt sie. Oder sie wurden zum Essen eingeladen.

"Es ist einfach rührend, was uns in diesen Monaten nach dem Brand widerfahren ist", sagt Martin Gorynia. "Auch unser Besuch aus dem Rheinland, der am Brandtag wieder abgereist ist, war erstaunt über die riesige Hilfsbereitschaft", erzählt er. "Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die uns unterstützt haben."

Ihr großes Ziel, zu Weihnachten wieder im eigenen Bett zu schlafen, haben sie erreicht. Am Freitag kamen die ersten Möbel. Nach und nach trudeln auch die Sachen ein, die sie so lange bei Freunden und Bekannten gelagert hatten. Weihnachten wollen sie mit dem Sohn, der an der Schweizer Grenze lebt, im eigenen Haus feiern. Der Weihnachtsschmuck, der auf dem Dachboden lagerte, ist zwar verbrannt, aber jemand hat ihnen ein Komplett-Set Weihnachtsbaumschmuck geschenkt. Der völlige Rückzug ins eigene Haus ist für Anfang des neuen Jahres geplant. Noch ist viel zu tun. Wenn alles überstanden ist, wird auch der runde Geburtstag der beiden Eheleute nachgefeiert, er wurde im Herbst 70, sie wird am 30. Januar ebenso alt. "Zu gegebener Zeit feiern wir unseren 140.", sagen sie.

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