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Brandursache Ofenrohr

Brandhaus: Das Gebäude auf dem alten Schmiedehof in Klessin-Bruch ist derzeit unbewohnbar. Besitzer Oswald Schröder will die Veranstaltungsreihe in der Scheune jedoch fortsetzen.
Brandhaus: Das Gebäude auf dem alten Schmiedehof in Klessin-Bruch ist derzeit unbewohnbar. Besitzer Oswald Schröder will die Veranstaltungsreihe in der Scheune jedoch fortsetzen. © Foto: Grieger Ulf
Ulf Grieger / 02.01.2014, 07:42 Uhr
Klessin (MOZ) Die Polizei hat die Brandursache für das Feuer im Dachstuhl des Hauses auf dem alten Klessiner Schmiedehof ermittelt. Demnach war ein Rohr im Schornstein ungenügend isoliert. Das Haus selbst ist noch immer unbewohnbar.

Gegen 17.45 Uhr hatte es an jenem 14. Dezember, einem Sonnabend, im Dachstuhl des Einfamilienhauses gebrannt. "Wir befanden uns vorn in der Schmiede, um die für 20 Uhr geplante Lesung vorzubereiten", sagte Hausbesitzer Oswald Schröder (55) am Montag. Das Feuer konnte durch die Freiwilligen Feuerwehren des Amtes Lebus mit Unterstützung gelöscht werden. Personen wurden durch den Brand nicht verletzt. Allerdings war Oswald Schröder plötzlich obdachlos. In einem Lebuser Ferienzimmer fand er Unterschlupf. Seit 2006 hatte sich der in Frankfurt als Pädagoge arbeitende Vater von vier Kindern den Schmiedehof hergerichtet.

Die Polizei war bei ihren Ermittlungen von fahrlässiger Brandstiftung ausgegangen. Darübere hatte die MOZ am 16. Dezember berichtet. Den durch den Brand entstandenen Sachschaden schätzte die Polizei zunächst auf rund 100 000 Euro.

Inzwischen haben die Ermittler festgestellt, dass ein Rohr im Schornstein nicht isoliert war. Das habe dazu geführt, dass ein Balken Feuer gefangen hatte. "Damit hat sich der Anfangsverdacht bestätigt. Ob diese Esse vom Schornsteinfeger abgenommen worden ist, konnten die Beamten nicht sagen", so Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß.

Bezirksschornsteinfegermeister Frank Rozanowske kennt den Fall. Er war auch als Sachverständiger zu den kriminaltechnischen Ermittlungen zu Rate gezogen worden. Die Auswertung der Ermittlung kannte er am Dienstag indes noch nicht. "Mit dem Rohr ist das Ofenrohr gemeint, das von einer neu installierten Feuerstätte in den Schornstein führt", erklärte der Fachmann am Dienstag. Dieses Rohr hätte mit Isolierwolle gesichert werden müssen. Bei der Feuerstättenschau 2011 sei dieser Ofen noch nicht angeschlossen gewesen. Der Schornstein selbst sei so alt wie das Haus. Lediglich der Schornsteinkopf war saniert worden. Dafür hatte es auch eine Abnahme gegeben, nicht aber für den neuen Ofen.

Oswald Schröder wollte sich zu dem gesamten Problem der Brandursachenforschung überhaupt nicht äußern. Er verwies auf ein Gutachten seiner Versicherung.

Bedanken will er sich aber bei allen, die ihm von der ersten Minute an Zuspruch und Unterstützung gegeben haben. "Vor allem in Lebus ist mir viel Hilfe zu Teil worden. Denn zunächst waren wir auch sehr darauf angewiesen. Uns fehlte es vor allem an Kleidung, die ein Raub der Flammen geworden waren. Da hat auch der öffentliche Spendenaufruf von Sandy Schulz bei Facebook viel geholfen", so Schröder. Dieser Aufruf war etwa 500 Mal im sozialen Netzwerk geteilt und beantwortet worden. Von seiner Versicherung hat Schröder einen Vorschuss auf die Regulierungssumme bekommen. Jetzt ist er dabei, eine neue Wohnung zu suchen.

Wie es mit dem ausgebrannten Haus nun weitergehe, könne er nicht sagen. Aufgeben werde er den Klessiner Schmiedehof jedoch nicht. Das "literaTOURcafé Dhaka", das er mit einigen gut besuchten Lesungen in der Scheune etabliert hat, soll in jedem Fall weitergeführt werden. "Im Frühjahr plane ich eine größere Veranstaltung, bei der ich mich bei allen, die mir in dieser Situation geholfen haben, bedanken will", so Schröder.

Fast mahnend hat er an die Tür zur Schmiede ein Zitat des von ihm verehrten Lebuser Dichters Günter Eich gepinnt: "Alles was geschieht, geht dich an", heißt es da. Entnommen ist es dem vor 60 Jahren entstandenen Hörspielzyklus Eichs mit dem Titel "Träume". Damit mahnt Eich, sich vom Kriegstrauma nicht lähmen zu lassen, sondern die neuen Gefahren zu erkennen. Somit ist das auch ein ermutigendes Motto für den alten Schmiedehof Klessin-Bruch.

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