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Vogelinventur mit Überraschung

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Heike Hahn / 05.01.2014, 17:28 Uhr
Hohenjesar (MOZ) Am Wochenende war Zeit, dem Bestand an Wintervögeln im Garten auf den Grund zu gehen. Der Naturschutzbund empfängt mit Freude die Daten der Hobbyzähler, denn dadurch lassen sich Trends der Populationen ablesen. Bei Katrin Todt gings im Garten bunt und vergnügt zu.

Im Gegenlicht scheint der Vogel farblich dem mit Astwerk zu verschmelzen, allein seine Silhouette verrät ihn. Und der Blick ins Fernglas bringt Klarheit: "Tatsächlich, ein Kernbeißer!" Katrin Todt freut sich über ihre Entdeckung wie über ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Die Vorsitzende des Naturschutzbundes Oderland (Nabu) bewegt sich gerade einmal hundert mal hundert Meter auf ihrem Grundstück. Und trotz der leeren Futtertrichter, die am Baum im Wind schaukeln, hat sie schon zahlreiche Vogelarten entdeckt. "Wichtig ist, unterschiedliche heimische Sträucher zu pflanzen, in denen Vögel Schutz und Nahrung finden", erklärt sie. Der milde Winter hat bisher keinen Anlass gegeben, aufs Überangebot an Vogelsamen und Nüssen in allen erdenklichen Varianten im Supermarkt zurückzugreifen. Es fleuchen noch genug Insekten im Laub umher, Feuerdorn, Hagebutte und Sanddorn tragen Früchte für hungrige Schnäbel. "Natürlich gibt es auch diejenigen die meinen, dass man über das ganze Jahr füttern könnte", sagt Katrin Todt und schaut nebenbei immer wieder durchs Fernglas. Im dicht rankenden Knöterich hat sich eine tschilpende Schar Spatzen niedergelassen. "Ich zähle 15", sagt sie und schreibt es in ihr Heft. Die Ganzjahresfütterung sei deshalb möglich, weil das Nahrungsangebot in der durchorganisierten Kulturlandschaft immer weiter zurück geht. "Ich bin aber eher der Auffassung, dass sich ein gesunder Vogel dem anpassen können muss", so Todt. Es sei kompliziert, sagt sie immer mal wieder auf Fragen zu den Ursachen der schwindenden Artenvielfalt. Überdüngung, eingeschleppte Pflanzenarten, Monokulturen auf den Feldern, Füchse und Hauskatzen - es sei ein Mix aus vielem, der verhindert, dass sich ausgestorbene oder ausgerottete Arten wieder ansiedeln. "Die Großtrappe zum Beispiel, vor längerer Zeit ein verbreiteter heimischer Vogel, an den sich noch viele Dorfbewohner erinnern, wird hier nicht mehr auftauchen", ist sie sich sicher. Dazu fehle einfach die passende Umwelt, eine vielseitige Wiesen- und Feldlandschaft in ruhiger Umgebung. In ganz Brandenburg leben rund 145 Tiere, darüber hinaus noch wenige in Sachsen-Anhalt, ansonsten sind deutschlandweit keine mehr zu finden.

Derweil macht sich ein Buntspecht am Mast mit Storchennest oben drauf zu schaffen. "Der ist auch relativ selten", so Katrin Todt. Die üblichen Verdächtigen fliegen auf ihrem Grundstück genauso wie in anderen Gärten umher. Dazu zählen die Kohlmeisen, Amseln und Krähen. Ein paar Feldsperlinge tummeln sich in den Sträuchern. Wie beliebt das dichte Astwerk ist, sieht man auf dem zweiten Blick. Weiße Kotflecken besprenkeln die dunklen Zweige - vermutlich übernachten die Piepmätze dort auch. "Deshalb sind Futterhäuschen nicht ideal, dort kann es dazu kommen, dass die Vögel ihren Kot hinterlassen", erklärt die Naturschützerin. Andere Vögel können sich mit den darin enthaltenen Viren oder Bakterien infizieren und krank werden. Deshalb sind freihängende Futtersilos, Meisenknödel und Erdnussstangen besser. Auch deshalb, weil Katzen so weniger Chance auf Beute haben.

"Hat man einmal mit der Fütterung angefangen, ist es wichtig, sie bis zum Ende des Winters durchzuhalten." Vögel versuchen bei Schnee und Frost, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Haben sie dann einen Futterplatz ausgemacht, fliegen sie sich darauf ein und bewegen sich weniger, um Kraft zu sparen.

Der Kolkrabe in einiger Entfernung scheint es noch nicht nötig zu haben, im Energiesparmodus zu fliegen. Aus luftiger Höhe lässt er immer wieder eine Nuss fallen, rast im Sturzflug hinterher und fängt sie wieder auf. "So ein Verhalten habe ich ja noch nie beobachtet", staunt Katrin Todt. Der Vogel scheint einfach nur Spaß zu haben. Genauso wie der Mensch beim Beobachten.

www.stundederwintervoegel.de

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