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Werner Hahn aus Kummerow betreut den örtlichen Wasserwanderrastplatz ehrenamtlich / 40 Jahre lang Ortswehrführer

Stets ein offenes Ohr für Bootstouristen

Rostigen Pott geborgen: Werner Hahn hält den Wasserwanderrastplatz in Kummerow in Ordnung. Am meisten Freude bereitet ihm jedoch der Kontakt zu den Gästen, die im Sommer auf der Spree den Weg an das Kummerower Ufer finden.
Rostigen Pott geborgen: Werner Hahn hält den Wasserwanderrastplatz in Kummerow in Ordnung. Am meisten Freude bereitet ihm jedoch der Kontakt zu den Gästen, die im Sommer auf der Spree den Weg an das Kummerower Ufer finden. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 13.01.2014, 07:51 Uhr
Kummerow (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Werner Hahn aus Kummerow.

"Wo sind die Heiden von Kummerow?" Diese Frage hört Werner Hahn am häufigsten, wenn er am Ufer der Spree Paddler in Empfang nimmt. Meist nimmt er sich dann die Zeit und erklärt den Gästen, dass sie sich geirrt haben und dass das berühmte Kummerow aus dem Roman von Ehm Welk ganz wo anders liegt.

Seit seiner Pensionierung vor zehn Jahren ist Hahn ehrenamtlicher Betreuer des örtlichen Wasserwanderrastplatzes. Wenn die Freizeitkapitäne und Kanuten aus ihren Booten steigen, weist sie ein Schild daraufhin, sich beim Inhaber des direkt angrenzenden Grundstücks zu melden. Dann weist sie der 69-jährige in freundlichem Ton ein, übergibt den Gästen den Schlüssel für das Toilettenhäuschen, zeigt ihnen, wo sie ihr Zelt aufstellen können und teilt mit, wann der mobile Bäcker ins Dorf kommt.

Hahn, der über die Wasserwanderer in Kummerow Buch führt, freut sich über eine merkliche Steigerung der Aktivitäten. In diesem Jahr sei mit 382 Übernachtungen ein Höhepunkt erreicht worden. Im vorigen Jahr hatten 324 Besucher auf dem Rastplatz übernachtet. "Vor zehn Jahren lagen die Zahlen zwischen 150 und 200", weiß Hahn zu berichten. Gelegentlich kämen ehemalige Kummerower mit ihren Enkeln am Rastplatz an: "Einige erinnern sich an ihre alte Heimat und wollen sie ihren Enkeln zeigen." Die Gäste mit der weitesten Anreise seien aus Österreich und der Schweiz angereist, um in Kummerow ihre Zelte aufzuschlagen.

Werner Hahn wird 1944 in der Nähe von Krossen (heute Polen) geboren. Nach der Flucht kommt er 1946 mit seiner Familie in Kummerow an. Nach seiner Schulzeit erlernt er bei der Bauunion in Eisenhüttenstadt den Beruf des Betonbauers. Anschließend absolviert er eine Ausbildung zum Ingenieurpädagogen. Diese Tätigkeit übt er von 1967 bis 1992 aus. Danach arbeitet er bis 1998 im Baustoffhandel. Die letzte berufliche Etappe bis zu seinem Renteneintritt im Jahr 2003 ist eine Tätigkeit bei der Raiffeisen Handelsgenossenschaft.

Mit dem Ehrenamt ist Werner Hahn schon früh in Kontakt gekommen. Als 17-Jähriger tritt er in die Freiwillige Feuerwehr in Kummerow ein. Zwei Jahre später wird er Ortswehrführer. Diesen Posten bekleidet er 40 Jahre lang. In seinem Betrieb ist er 15 Jahre lang als Gewerkschaftsvorsitzender tätig.

Wenn Werner Hahn seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Wart des Wasserwanderrastplatzes resümiert, fallen ihm die schönen Momente ein, an denen er mit den Gästen am Spreeufer sitzt und im Schein des Lagerfeuers sich mit alten und jungen Gästen unterhält. "Viele laden mich ein und sagen "setz dich dazu." Hahn kommt bei diesem Ehrenamt zugute, dass er zweieinhalb Jahrzehnte lang mit jungen Auszubildenden gearbeitet hat: "Mir fällt es nicht schwer, gegenüber Jugendlichen den richtigen Ton zu finden." Natürlich müsse er gelegentlich für Ruhe und Ordnung sorgen. Doch zu einem Platzverweis sei es noch nie gekommen.

Werner Hahn sieht sich auch als Helfer der Kanuten. Die können, wenn sie den Rastplatz für mehrere Stunden verlassen, auch Gegenstände bei ihm unterstellen. Hahn besorgt Brötchen, gibt Einkaufstipps, teilt bei Bedarf Feuerholz aus. Hahn hat auch die Aufsicht über die Außentoiletten und gibt die Schlüssel für die Örtlichkeiten heraus. Gedacht sei der Wasserwanderrastplatz für eine Übernachtung, gelegentlich drückt er aber auch mal ein Auge zu und lässt den Besuchern etwas mehr Zeit, zu bleiben: "Alle sollen sich bei uns in Kummerow wohl fühlen und gerne wiederkommen."

"Guckt nach rechts und links" gibt er als Pädagoge jungen Leuten, die weiterreisen wollen, mit auf den Weg. Den kulturinteressierten Touristen kommt zugute, dass sich Hahn in der Geschichte seines Ortes und der näheren Umgebung gut auskennt. So kann er zum Beispiel Auskunft über die bewegte Geschichte des Gutshauses geben. "Hier gab es einen Hafen, von da aus hatte der Gutsverwalter Dung nach Berlin verschifft." Auf dem Rückweg kamen nach dem Krieg Ziegel aus den Berliner Trümmerwüsten nach Kummerow. Viele Häuser seien aus diesem Material aufgebaut, weiß Hahn zu berichten.

Auch privat ist Werner Hahn in Kummerow glücklich. Aus der 1970 geschlossenen Ehe sind zwei Söhne hervorgegangen, die ihm mittlerweile vier Enkelkinder geschenkt haben. "Die ganze Familie ist dageblieben", so der stolze Familienvater.

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